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Donnerstag, 11.10.2018

Arbeit mit hohem Adrenalinpegel

Von Mirko Kolodziej

Seit inzwischen fast 14 Jahren ist Heiko Sahre im Hoyerswerdaer Krankenhaus tätig. In diesem Sommer wurde er ordentlich zum Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin des Seenland-Klinikums berufen.Foto: Mirko Kolodziej
Seit inzwischen fast 14 Jahren ist Heiko Sahre im Hoyerswerdaer Krankenhaus tätig. In diesem Sommer wurde er ordentlich zum Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin des Seenland-Klinikums berufen.Foto: Mirko Kolodziej

Wissenschaften der ersten Wahl waren für Heiko Sahre in seiner Jugend Mathematik und Physik. Er wollte gern Lehrer werden. „Als Arzt habe ich mich damals nie gesehen“, erzählt er aus seiner Schulzeit in Dresden. Die einzige Berührung mit der Medizin seien dazumal Arztromane gewesen, die in der Verwandtschaft gelesen wurden – der Inbegriff trivialer Literatur. „Das war keine gute Werbung für den Arztberuf“, kann Heiko Sahre heute als Fachmann einschätzen.

Denn er ist inzwischen seit vielen Jahren Mediziner – der Berufs- und Studienlenkung zu DDR-Zeiten sei Dank. Er studierte in Berlin und Dresden, arbeitete in der Prignitz sowie an der Dresdener Uniklinik beziehungsweise am städtischen Klinikum Dresden-Friedrichstadt und kam 2005 ans Hoyerswerdaer Krankenhaus.

Nach dem Weggang von Chefarzt Dr. Bertram Huber ans Herzzentrum in Cottbus zum Jahreswechsel wurde Sahre zunächst kommissarisch sein Nachfolger in der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin. Inzwischen gab es einen Blumenstrauß und einen neuen Vertrag. Die ordentliche Berufung zum Chefarzt trägt das Datum vom 1. Juni. Was sich verändert hat? „Im Wesentlichen steht keiner mehr hinter mir, der mir schwere Entscheidungen abnehmen könnte.“

Denn Eingewöhnung war natürlich unnötig. Nach den inzwischen fast 14 Jahren in Hoyerswerda kennt Heiko Sahre das Klinikum selbstredend bestens. Er hat hier zunächst als Oberarzt in der Kardiologie angefangen, baute die internistische Intensivstation auf, die 2009 in der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin aufging. Vor der Berufung zum Chefarzt war Sahre hier Leitender Oberarzt. Er ist Facharzt für Anästhesiologie sowie ausgebildeter Notfallmediziner. Seine Vita führt außerdem noch auf: „Zusatzbezeichnung Spezielle anästhesiologische Intensivmedizin“.

Auch das war so eigentlich nicht geplant. Für die Facharztausbildung war nämlich zunächst etwas ganz Anderes ins Auge gefasst: „Wenn schon Arzt, dann Chirurg.“ Ziel war eine Karriere in der Herzchirurgie. Doch während der routinemäßigen Arbeit auf der Intensivstation als Arzt im Praktikum muss es plötzlich gewesen sein, als habe Sahre seine Berufung gefunden. Er sagt jedenfalls, die Intensivmedizin habe ihn danach nicht mehr losgelassen. „Wir haben es mit Patienten zu tun, die schwer krank sind. Es ist eine Herausforderung, Menschen, die ohne Medizin keine Chance aufs Überleben hätten, beim Überleben zu helfen.“ Es geht um so schwerwiegende Verletzungen wie Schädel-Hirn-Traumata, akute Rückenmarkschädigungen, großflächige Verbrennungen oder auch um Herzinfarkte – meist in Kooperation mit anderen Fachkollegen. Es sei, sagt Heiko Sahre, eine Arbeit mit sehr hohem Adrenalinpegel. Dabei, diesen nach dem Dienst wieder zu senken, helfen die Autofahrten zurück ins heimische Königsbrück sowie der Sport. Heiko Sahre legt als Läufer im Jahr 750 bis 900 Kilometer zurück, darunter jeweils einen Halbmarathon.

Als Chefarzt ist er der Vorgesetzte von derzeit 19 Kollegen in der Intensivmedizin, die im Untersuchungs- und Behandlungstrakt angesiedelt ist. Doch wichtiger Ansprechpartner ist er zudem auch für die Ärzte der anderen Fachgebiete. Wie schon bisher ist Heiko Sahre nämlich als OP-Manager des Krankenhauses für die Belegung der acht Operationssäle im Klinikum zuständig, von denen dauerhaft immer fünf bis sechs in Benutzung sind. In dieser Funktion saß er auch bisher schon in den regelmäßigen Chefarzt-Runden und hatte zugleich einen engen Kontakt zur Geschäftsführung zu halten.

Im Schnitt, sagt Chefarzt Sahre, wechseln Klinik-Mediziner so ungefähr alle sieben Jahre den Arbeitgeber. Wenn dann jemand so lange bleibt, stellt sich natürlich die Frage nach dem Warum. Heiko Sahre muss darüber nicht groß nachdenken. „Ich fühle mich hier einfach wohl“, sagt er über seine Arbeit im Seenland-Klinikum.