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Dienstag, 11.09.2018

„An Begeisterung in der Mannschaft fehlt es nicht“

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Thomas Ulbrich, studierter Fahrzeugbauer, begann 1992 seine Laufbahn bei Volkswagen in der Werkslogistik Wolfsburg. Er muss nun dafür sorgen, dass die neuen Elektroautos der Marke VW planmäßig auf die Straße kommen. Seit Februar 2018 ist er im Vorstand für die E-Mobilität zuständig und zugleich Sprecher der Geschäftsführung von VW Sachsen.Foto: Knoth/ Volkswagen
Thomas Ulbrich, studierter Fahrzeugbauer, begann 1992 seine Laufbahn bei Volkswagen in der Werkslogistik Wolfsburg. Er muss nun dafür sorgen, dass die neuen Elektroautos der Marke VW planmäßig auf die Straße kommen. Seit Februar 2018 ist er im Vorstand für die E-Mobilität zuständig und zugleich Sprecher der Geschäftsführung von VW Sachsen. Foto: Knoth/ Volkswagen

Herr Ulbrich, VW-Vorstandschef Herbert Diess will E-Dienstwagen für VW-Manager einführen. Was fahren Sie?

Zurzeit fahre ich einen E-Golf. Ein tolles Fahrzeug, durchzugsstark und mit umweltfreundlichem Antrieb.

Was leistet VW als Arbeitgeber selbst, um den Beschäftigten den Umstieg auf Elektrofahrzeuge zu erleichtern?

Wir planen generell, unsere Dienstwagenflotte in Deutschland stärker als bislang zu elektrifizieren. Der Anteil solcher Modelle soll in den nächsten Jahren signifikant ansteigen. Detailpläne werden gegenwärtig ausgearbeitet. Wir sind von der Technologie und unseren E-Modellen überzeugt, und unser Management wird dabei helfen, die Begeisterung für unsere elektrifizierte Modellpalette in die Gesellschaft zu tragen.

Mercedes feierte kürzlich die Weltpremiere des ersten Modells in der neuen Elektro-Modellfamilie EQ. Sind Sie ungeduldig, dass endlich die Serienproduktion des ersten I.D. startet?

Das bin ich. Wir werden das voll vernetzte Elektroauto bezahlbar machen und ihm damit zum Durchbruch verhelfen. Mit unserer I.D.-Familie haben wir das richtige Konzept zur richtigen Zeit. Der Umbau in unserem Werk in Zwickau läuft, Ende 2019 wird die Serienfertigung von Elektroautos der neuen Generation starten.

In einem Jahr – verliert VW da nicht Zeit im Wettbewerb um die Gunst der E-Autokäufer?

Nein, wir kommen genau zum richtigen Zeitpunkt. Die Marke Volkswagen hat ein klares Ziel: Wir wollen Innovationen für viele erreichbar machen. Genau dafür steht der I.D.: Er wird das erste Elektroauto der neuen Generation sein, das sich Millionen von Menschen leisten können. Und unsere Modelle wie der E-Golf oder der E-Up sind heute schon sehr beliebt.

Es bleibt also bei der Ansage, dass der erste kompakte I.D. für rund 30 000 Euro kommen wird?

Wir stehen dazu, dass sich der I.D. auf dem Preisniveau eines vergleichbar ausgestatteten Golf-Diesel bewegen wird.

Der I.D. wird in Zwickau produziert. Wie weit ist der Umbau vorangeschritten?

Mit den ersten Maßnahmen für die zukünftige Fertigung von Fahrzeugen mit dem Modularen Elektrifizierungsbaukasten, kurz MEB genannt, wurde schon zum Jahresende 2017 begonnen. Zurzeit arbeiten wir an der Infrastruktur in Zwickau, also Hallenerweiterungen und Gleisverlegungen. Die gesamte Fördertechnik muss auf die deutlich schwereren Elektroautos vorbereitet werden. Die Anlagen für den Passat im Karosseriebau etwa wurden bereits im Werk-Urlaub abgebaut, wir haben dort Platz für neue Anlagen zur I.D.-Karosseriefertigung geschaffen. Der große Umbau der ersten Fertigungslinie wird dann 2019 beginnen.

Wird die Mitarbeiterzahl während der heißen Umbauphase sinken und müssen die Betroffenen wieder in andere VW-Werke pendeln?

Die Belegschaftsstärke in Zwickau bleibt auch in der Umbauphase grundsätzlich wie sie ist. Die geltenden Tarifverträge bieten dazu ausreichend Flexibilität. Wir bemühen uns, den Wechsel so zu gestalten, dass die Mannschaft möglichst wenig davon spürt. Hierzu gehört auch der Beschluss, Golf und Golf Variant bis Mitte 2019 beziehungsweise Mitte 2020 weiter zu produzieren. Derzeit finden die Gespräche mit der Arbeitnehmerseite zum genauen Umstiegs-Szenario statt. An der einen oder anderen Stelle wird es hier etwas Flexibilität benötigen – wir werden uns aber auf eine geeignete Fahrweise im Transformationszeitraum einigen. Die Vorbereitung auf neue Modelle und neue Technik erfordert ein sehr umfassendes Qualifizierungs- und Anlaufprogramm. Dazu werden wir die Zeitkorridore nutzen, die während der Umbauphasen 2019 und 2020 entstehen.

Aber der Automatisierungsgrad soll zunehmen. Welche Folgen wird das für die Jobs haben?

Das wird von Gewerk zu Gewerk unterschiedlich sein. Der Karosseriebau ist schon stark automatisiert. In der Lackiererei werden wir noch einmal circa zehn Prozent hochgehen. Der größere Schub wird in der Montage kommen. Dort werden wir im Zuge der Umstellung auf E-Mobilität den Mechanisierungsgrad praktisch verdreifachen. Doch wir machen das beschäftigungsneutral, da das Volumen an Produktion im gleichen Zuge ebenfalls gesteigert wird. Ferner kommt diese Mechanisierung mit einem klaren Stufenplan und nicht gleich vollständig zum Anlauf.

Dennoch werden viele Mitarbeiter verunsichert sein. Wie überzeugen Sie sie davon, dass sie nicht um ihren Arbeitsplatz bangen müssen?

Kurz vor der Sommerpause war ich auf der Betriebsversammlung in Zwickau, um den Mitarbeitern unser Konzept darzulegen. Dabei hatte ich den Eindruck, dass das Verständnis da ist – aber gleichzeitig auch noch Unsicherheit besteht. Die Frage lautet: Was genau kommt in Zukunft auf uns zu? Klar ist, dass der Standort Zwickau nur durch die Belegung mit der neuen I.D.-Modellfamilie seine Zukunft absichern konnte. Ich behaupte deshalb nicht, dass wir der Mannschaft schon zu 100 Prozent und im Detail den anstehenden Wandel erläutert haben, aber ich bin sicher, dass der Geist des Neuen nun schrittweise greifbar wird. Für uns heißt das: Kontinuierlich informieren, aufklären, Fakten erläutern, transparent sein in unserer Kommunikation. Wir werden der Mannschaft die zukünftigen Modelle vorstellen. Viele Mitarbeiter in Zwickau haben die I.D.-Familie ja noch nie live gesehen. Das macht viel aus, denn die Autos sind einfach stark, die sorgen von ganz alleine für Begeisterung. Und eben an dieser Begeisterungsfähigkeit fehlt es in der Mannschaft nicht. Letztlich ist der Umstieg in die Elektromobilität der Preis für eine nachhaltige Zukunft – mit hervorragender Auslastung und gesicherten Arbeitsplätzen.

Sie haben mehrere Jahre in China gearbeitet. Dort wird E-Mobilität stark gefördert. Was könnten sich die Deutschen abschauen?

China ist neben Europa ein wesentlicher Treiber für E-Mobilität, daran gibt es keinen Zweifel. Der chinesische Markt beschert uns im gesamten Volkswagen-Konzern eine große Zahl von verkauften Autos – das gilt erst recht für die kommende Fahrzeuggeneration mit Batterieantrieb. Das hängt mit der Technologie-Offenheit der Chinesen zusammen. Und natürlich hilft der Staat dort auch mit seinen regulatorischen Vorgaben. Die Chinesen sind zum Beispiel wesentlich agiler beim Aufbau der benötigten Ladeinfrastruktur. An den wichtigsten Autobahnen in China werden alle 50 Kilometer Ladepunkte entstehen, auch Schnellladestationen. Da sind die Chinesen richtig schnell.

Wie ist die Gläserne Manufaktur in Dresden in den Umbau bei VW Sachsen eingebunden?

Die Gläserne Manufaktur entwickelt sich weiter zum „Center of Future Mobility“, also hin zum Schaufenster für die gesamte Mobilität der Zukunft. Das gilt für die Bereiche Produktion, Logistik und Vertrieb. Wir lösen uns damit vom Charakter einer reinen Manufaktur oder Werkstatt. Sie ist zudem mit dem Start-up-Inkubator und dem neuen „Smart Production Lab“ ein Innovationszentrum im Konzern. Neben Zwickau wird die Manufaktur ein zweiter MEB-Standort in Sachsen werden. Modelle und genauer Zeitpunkt der Einführung in Dresden werden später entschieden.

Das Gespräch führte Nora Miethke.

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