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Montag, 06.08.2018

Amateurfußball vor leeren Rängen

Von Jürgen Schwarzund Frank Müller

Der Wesenitztaler Maik Kühn (links) im Zweikampf mit dem Wilsdruffer Jörg Göhler. Wesenitztal kam in der Zuschauer-Rangliste der Vorsaison auf Rang drei, Wilsdruff wurde nur Vorletzter. Foto: M. Förster
Der Wesenitztaler Maik Kühn (links) im Zweikampf mit dem Wilsdruffer Jörg Göhler. Wesenitztal kam in der Zuschauer-Rangliste der Vorsaison auf Rang drei, Wilsdruff wurde nur Vorletzter. Foto: M. Förster

© Marko Förster

Die Tendenz ist so klar wie ernüchternd: Die Zuschauerzahlen im Amateurfußball sinken mehr oder weniger rasant. In der NOFV-Oberliga Süd sank der durchschnittliche Besuch im letzten Jahr von 333 pro Spiel auf 163. Dabei wurde er über drei Jahre durch die „Sondereffekte“ Lok und Chemie Leipzig noch hochgehalten. Denn bevor die beiden Traditionsvereine in Liga fünf kickten, lag die Quote 2013/14 auch schon nur bei 191. Kommende Saison ist Chemie ja wieder dabei, was die Bilanz zumindest zeitweise aufpolieren wird. Doch „ohne Chemie wär‘ hier gar nichts los“, könnten die Fans skandieren. Ähnlich ist die Entwicklung in der Sachsenliga. Dort kamen 2011/12 immerhin gut 300 Besucher pro Spiel. In der abgelaufenen Saison waren es gerade noch 137 Zahlende - binnen sechs Jahren mehr als eine Halbierung. Zuschauerkrösus ist immer noch die BSG Stahl Riesa (299/Heimspiel), aber auch hier ist der Rückgang enorm, denn im Spieljahr 2015/16 waren es noch durchschnittlich 503 Besucher, die die Stadiontore in Riesa passierten. In Pirna-Copitz waren es nach Angaben des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV) in der Vorsaison 113 Zuschauer (2015/16: 162). Da Ausnahmen bekanntlich die Regel bestätigen, hier noch ein positiver Wert: Zu den beiden Derbys zwischen Großenhain und Riesa kamen insgesamt 1 525 Zuschauer.

Recht düster sieht es in der Landesklasse aus. In der Nord-Staffel sank die Quote im gleichen Zeitraum von 182 auf 98. Wenn nicht Roter Stern Leipzig auf 417 (!) Fans pro Heimpartie käme, sähe es noch weit schlimmer aus. „Das ist nicht nur ein Phänomen der hiesigen Region“, weiß Marcus Jeckel, der Trainer der SG Taucha. Er war zuvor in Sachsen-Anhalt tätig und musste dort das Gleiche beobachten. „Ich weiß nicht, ob daran die flächendeckende Allzeitfußballversorgung im Fernsehen schuld ist. Ich hoffe schon, dass sich der Trend auch mal wieder umkehrt und das Interesse an volksnahem Fußball für wenig Geld und der Bratwurst am Spielfeldrand wieder zunimmt.“

In der Landesklasse Mitte kamen in der Vorsaison im Schnitt auch nur 97 Besucher pro Spiel. Weit über dem Schnitt liegt dabei der Hartmannsdorfer SV Empor 1922 mit 157 Zuschauern pro Heimpartie. Wesenitztal (108), Hainsberg (107) und Sebnitz (105) liegen auch über dem Schnitt, während Wilsdruff nur auf 69 Besucher pro Heimpartie kommt. Auch in Bannewitz (85) wird man mit dem Zuspruch nicht zufrieden sein. Trainer Jens Hieckmann: „Das ist ein vielschichtiges Thema. Aue und Dynamo spielen in der zweiten Liga. Das Angebot an Fußball im Fernsehen ist viel bereiter geworden, darunter leiden ja auch andere Sportarten. Leichtathletik beispielsweise gibt es so gut wie gar nicht mehr in Dresden.“ Natürlich spiele auch die Attraktivität der Liga eine Rolle, weiß Hieckmann, der im Aufsichtsrat bei Dynamo sitzt: „Es ist schade, dass wir, Freital oder Possendorf nicht auf Dresdner Teams treffen, weil die jetzt der Ost-Staffel angehören. Dafür fahren wir nach Mittweida oder Freiberg.“

Der Fokus vor allem junger Fußballfans liegt eher auf Profifußball. Auf Amateurfußballplätzen lässt sich vielerorts nicht einmal der Nachwuchs aus dem eigenen Verein blicken. Uwe Dietrich, Spielausschuss-Vorsitzender des SFV glaubt: „Es hängt einerseits mit der demographischen Entwicklung zusammen, sagen uns die Vereine. Und dann halte ich auch die aktuell Ligen-Struktur nicht gerade günstig für den Amateurbereich.“