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Donnerstag, 01.11.2018

Alles andere als ausverkauft

Von Maik Schwert

So leer ist die Energieverbundarena zwar nicht bei Eislöwen-Heimspielen, aber Maik Walsdorf wünscht sie sich noch voller.Foto: Ronald Bonß
So leer ist die Energieverbundarena zwar nicht bei Eislöwen-Heimspielen, aber Maik Walsdorf wünscht sie sich noch voller.Foto: Ronald Bonß

© ronaldbonss.com

Das Sanierungskonzept wurde abgeschlossen, die Lizenz ohne Auflagen erteilt, ein Hauptsponsor gefunden, Auf- und Abstieg ab 2020/2021 geregelt. Eine Sommerpause guter Nachrichten für die Eislöwen – und dann so ein Saisonauftakt: Die Mannschaft verliert ein ums andere Duell und vergrault das Publikum. 1 631 Besucher kamen am Sonntag, wohlgemerkt gegen den Tabellenführer. Sie bereuten es nicht. Die Fans bejubelten ein 4:0 gegen Ravensburg. Bisher waren Spitzenpartien ein Garant für eine vollere Energieverbundarena. Mit 4 412 Gästen ausverkauft war sie in dieser Serie noch nicht. 3 210 Zuschauer füllten die Halle gegen Crimmitschau. Früher waren das Selbstläufer.

„Ein Derby mit weniger als 4 000 Besuchern – da muss ich lange zurückdenken“, sagt Maik Walsdorf. Dem kaufmännischen Geschäftsführer fällt kein Spiel ein, seit er bei den Eislöwen arbeitet, und das macht der 31-Jährige bereits seit 2012. Zu den ersten sieben Duellen kamen 14 265 Fans, durchschnittlich 2 038 Gäste pro Partie. 15 592 und 2 227 lauten die Zahlen von 2017 zum gleichen Zeitpunkt. Die vergangene Spielzeit war mit 77 938 Zuschauern in allen Duellen von den Besuchern her die mieseste Saison seit 2014/2015. „Darum sind wir die Kalkulation für diese Serie ein bisschen defensiver angegangen, was den Anteil der Faneinnahmen am Budget betrifft.“ Im Schnitt waren es in der vorigen Spielzeit 2 780 Besucher pro Partie.

Zahlen zum Etat nennt er nicht. Ein weiterer Grund sei die neue Preisstruktur gewesen, die noch vom im April zurückgetretenen Volker Schnabel stammte. „Sie wurde geringfügig angehoben“, sagt Walsdorf. „Dennoch können wir mit den Fanzahlen nicht zufrieden sein.“ Er bezieht das auch auf die zweite Liga. „Sie liegt acht, neun Prozent unter der vorigen Saison.“

Dazu gesellt sich ein Dresdner Problem. In beiden Monaten spielten Eislöwen und Elbflorenz-Handballer je einmal zur selben Zeit daheim. Am Freitag kommt 19.30 Uhr die nächste Terminkollision auf die Zweitligisten zu, die sich beim Planen nicht verhindern ließ. Die Eislöwen empfangen Bad Nauheim, Elbflorenz Rimpar. Außerdem spielt Dynamo in der 2. Fußball-Bundesliga 18.30 Uhr daheim gegen Sandhausen.

100 Tickets für den Sonderzug

Walsdorf sieht die Eislöwen bei den Fans auf Platz zwei in Dresden – hinter Dynamo und vor allen anderen Klubs. „Dafür müssen wir aber alle mehr machen“, sagt er und bezieht das trotz des Erfolges gegen Ravensburg auf die Mannschaft, die Platz zwölf belegt. „Natürlich bleibt die sportliche Lage bitter für uns.“ Er beschwört den Zusammenhalt und nennt einige Aktionen: Jordan Knackstedt verkaufte Eintrittskarten. Es gibt wieder einen Einpeitscher mit Megafon, der die Gesänge anstimmt. Ein zweiter Fanbeauftragter soll Lars Stohmann entlasten. Am Sonntag begann der Verkauf für den Sonderzug am 22. Februar nach Kassel. 100 Tickets gingen weg. „Wir arbeiten mit viel Leidenschaft und nehmen uns finanziell zurück“, sagt Walsdorf.

Geld sei in Trainingsräume, die medizinische Abteilung und Physiotherapie geflossen. Die wirtschaftliche Situation sei okay. Besser als die sportliche Lage ist sie allemal, weil der Verein auch für mögliche Trainerwechsel einen finanziellen Puffer eingebaut hatte. Momentan stehen mit den beurlaubten Franz Steer, Jochen Molling und dem neu eingestellten Bradley Gratton drei Cheftrainer auf der Gehaltsliste. Zu vertraglichen Details – also auch dem Stand der Auflösungsgespräche – gab es vom Geschäftsführer keine Auskünfte.

Die Eislöwen haben mit Westminster erstmals seit 2013 einen Hauptsponsor und erstmals seit 2014 keine Schulden mehr. Die Unternehmensgruppe lässt sich das einen guten sechsstelligen Betrag kosten. Genauer beziffert Walsdorf die Summe nicht. Das mit der Lizenz sei einfacher gewesen, da sie die Hälfte der Sponsoreneinnahmen nachweisen konnten. „Trotzdem müssen wir extrem kämpfen“, sagt er – besonders, weil die Eislöwen irgendwann in der DEL spielen wollen. 2021 dürften sie das. Derzeit könnten die Dresdner es weder finanziell noch sportlich. Laut Walsdorf benötigen sie einen Haushalt von 3,2 bis 3,4 Millionen Euro. „Wir müssen eine Schippe drauflegen“, sagt er – angeblich eine Million Euro. Die Spitzenklubs der DEL 2 hätten schon jetzt 300 000 bis 400 000 Euro mehr zur Verfügung als die Eislöwen.

Weißwasser und Crimmitschau spielen derzeit auch mit weniger Geld erfolgreich. „Wir brauchen ein glückliches Händchen bei der Spielerauswahl“, sagt Walsdorf. „Außerdem wollen wir das Fünf-Sterne-Nachwuchs-Konzept mit Leben erfüllen.“ Für die Profis und ihr Umfeld macht er dann gern mal einige Euro mehr im Budget locker. „Uns geht es darum, die Spieler gut zu betreuen und sie besser zu machen.“ Zumindest da bleibt extrem viel zu tun.