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Dienstag, 08.05.2018

„Aktion zeigt, wie wenig Respekt diese Personen haben“

Erst die Stadiontoilette in Aue und nun noch eine Zugfahrt, die aus dem Ruder lief. Drohen einigen Dynamo-Fans jetzt Verbote?

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© Robert Michael

Dresden. Noch am Montag musste sich Dynamo für eine demolierte Stadiontoilette in Aue entschuldigen. Einen Tag später die nächste Nachricht über Fans, die sich auf Auswärtsreisen nicht benehmen können. Wie die Bundespolizei am Dienstag mitteilte, gab es bereits am Samstag einen Vorfall in einem Regional-Express von Zwickau nach Dresden.

Demnach war nach dem Spiel FSV Zwickau gegen Fortuna Köln eine Zugbegleiterin aus einer Gruppe von 17 Dynamo-Fans heraus belästigt worden. Sie grölten, schüttelten Bier- und Wasserflaschen und bespritzten mit deren Inhalt die 47 Jahre alte Schaffnerin, nachdem sie die Fans darum gebeten hatte, statt erster Klasse zweiter Klasse zu reisen. „Schließlich hatten sie ja auch ein Sachsenticket“, sagt Holger Uhlitzsch, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Dresden.

Doch ums Falschfahren allein geht es hier nicht. „Die Aktion zeigt, wie wenig Respekt diese Personen vor anderen haben und wie niedrig deren Hemmschwelle ist“, kommentiert Uhlitzsch das Verhalten und macht auf den Zustand der Schaffnerin nach Ankunft des Zuges in Dresden aufmerksam: „Die Frau war derart geschockt, dass sie nicht befragt werden konnte.“

Insgesamt waren in dem Zug 51 Dynamo-Fans unterwegs. Sie wurden von 30 Bundes- und Landespolizisten in Empfang genommen. „Wir haben Personen im Alter zwischen 16 und 38 Jahren festgestellt“, so Uhlitzsch. Acht davon sind bereits in der Datei Gewalttäter Sport registriert. Zudem stellten die Beamten nicht zugelassene polnische Pyrotechnik und einen Einkaufswagen eines Lebensmitteldiscounters fest.

Neben dem seelischen Schaden, den die Schaffnerin erlitten hat, sind auch in der Bahn Spuren der Auswärtsfahrt zu sehen. So haben die erster Klasse reisenden Fans die Kameras in dem betroffenen Abteil mit Aufklebern verdeckt. „Dieses Vorgehen haben wir zuletzt häufiger beobachtet. Was einige nicht wissen: Das gilt schon als Sachbeschädigung“, erklärt Uhlitzsch. Der konkrete Sachschaden lässt sich nicht beziffern. Laut Bundespolizei muss der Zug aber grundgereinigt werden.

Die Bundespolizei ermittelt nun wegen Raubes, Körperverletzung, Nötigung, Sachbeschädigung, Erschleichens von Leistungen, Diebstahls und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz. „Es werden auch mögliche Zusammenhänge zu den Vorfällen in Aue geprüft“, sagt Uhlitzsch. Bei ihren Ermittlungen stützt sich die Bundespolizei auch auf gesichertes Videomaterial. Außerdem könnten noch bundesweite Beförderungsverbote für Züge der Bahn und Stadionverbote folgen. (fsc)

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Insgesamt 31 Kommentare

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  1. Oberlausitzer

    Mal wieder Dynamo - Fans und mal wieder wird nichts passieren. Sicherlich sind diese Chaoten nur ein kleiner Teil der Dynamo - Fans, aber der Rest verhält sich wie die drei Affen: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. So lange solche Chaoten als "Ultras" im Verein geduldet werden, wird sich nichts ändern. Der DFB ist gefragt und sollten den Verein mit harten Strafen belegen, vielleicht kommt ja mal die Einsicht.

  2. Olli

    Wieviel Geld schließt die Stadt Dresden in diesen zwielichtigen Verein, Jahr für Jahr? Wie bedanken sich einige der Fans? Wo fehlt dieses Geld für andere Zwecke? Ein schönes Aushängeschild für eine Stadt, die sich Kunst und Kultur Stadt nennt und Kulturhauptstadt werden möchte, oh wie kultiviert!

  3. Flokati

    Warum soll der Verein mit Strafen belegt werden, wenn die Täter bekannt sind? Diese gehört es zu bestrafen und mit 100% Schadenersatz zu belangen. Ein Verein kann nun nicht wirklich für alles haftbar gemacht werden, zumal es sich nicht mal um ein Dynamospiel gehandelt hat.

  4. Max Anders

    Es gibt wohl keinen Verein, der vom DFB bisher härter bestraft wurde als Dynamo. Welche Sanktionen sieht eigentlich der Oberlausitzer für randalierende Himmelfahrtsgruppen vor? Soll da jetzt der Feiertag verboten werden? Vor ziemlich genau einem Jahr randalierten z.B. Afghanen in der U Bahn. Da bin ich jetzt mal auf ihren Vorschlag für erziehungswirksame Kollektivstrafen gespannt... Diese Assihaftigkeiten sind kein spezielles Problem von Dynamo, was sie schnell mit bissel Googelei herausgefunden hätten, bevor sie solchen Unsinn in die Tasten hämmern. Daß ich solches Gebaren natürlich verachte, muß ich sicher nicht extra noch erwähnen, bevor hier weitere Fehlinterpretierer daherkommen...

  5. Frank R.

    Natürlich sollte es eine Selbstreinigung innerhalb der Fanszene geben, aber dieser Wunsch ist utopisch. Aber mit welchem Recht sollte der DFB so etwas sanktionieren? Willst du dann auch adidas verklagen, wenn die Randalierer mit entsprechendem T-Shirt rumlaufen? Dann zieh ich mir das Trikot eines ungeliebten Vereins an und freu mich, dass dieser meine Dummheiten ausbaden darf. Das löst doch das Problem nicht. Richtigerweise sollte hier aber konsequent durchgegriffen werden und die Täter auch entsprechende Strafen erhalten...

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