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Mittwoch, 12.09.2018

Achtung, Auto!

Die Fünftklässler in Bannewitz hatten am Dienstag einen Unterricht, der sonst nicht im Lehrplan steht.

Von Verena Schulenburg

Farell (l.), Lilly (vorn) und Devin (r.) haben beim ADAC-Projekt „Achtung Auto“ mitgemacht. Michael Preller erklärte den Oberschülern unter anderem, wie lange ein Fahrzeug braucht, bis es zum Stehen kommt. Der 50-Jährige ist seit vier Jahren in Sachen Verkehrserziehung beim Unternehmen VP Service aus Pulsnitz tätig.
Farell (l.), Lilly (vorn) und Devin (r.) haben beim ADAC-Projekt „Achtung Auto“ mitgemacht. Michael Preller erklärte den Oberschülern unter anderem, wie lange ein Fahrzeug braucht, bis es zum Stehen kommt. Der 50-Jährige ist seit vier Jahren in Sachen Verkehrserziehung beim Unternehmen VP Service aus Pulsnitz tätig.

© Andreas Weihs

Bannewitz. Lilly ist noch völlig aufgeregt. „Ich musste ganz laut quieken“, erzählt die Zehnjährige lachend und hält demonstrativ die Hände vor den Mund. Die kurze, aber abenteuerliche Fahrt in dem Opel Corsa hatte es in sich. Gerade einmal 30 km/h zeigte die Nadel auf dem Tacho des Autos, als Michael Preller eine Vollbremsung hinlegte. Lilly und ihre Mitschüler der Klasse 5b hingen im Gurt, bis der Corsa endlich stand.

Was auf den Straßen tagtäglich passiert, hat Michael Preller am Dienstag den Bannewitzer Oberschülern auf einem Parkplatz an der Horkenstraße bewusst erlebbar gemacht. Der 50-Jährige engagiert sich bei der Pulsnitzer Firma VP Service für die Verkehrserziehung von Kindern und ist dabei im Rahmen des Projektes „Achtung Auto“ im Auftrag des ADAC unterwegs.

Die Aktion: Aufklären, wie lange ein Auto bis zum Stehen braucht
Ziel des ADAC-Projektes ist es, Kinder für die Gefahren im Straßenverkehr zu sensibilisieren und präventiv zu wirken. „Viele Verkehrsunfälle geschehen mit Kindern“, weiß Michael Preller. Als Fußgänger oder Radfahrer sind Kinder im Straßenverkehr in besonderer Weise gefährdet. Auf sächsischen Straßen waren nach Angaben des Statistischen Landesamtes allein im Vorjahr 1 101 Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren an Straßenverkehrsunfällen beteiligt. Davon passierten 904 Unfälle innerorts – ein erheblicher Anteil.

Nicht nur zu hohe Geschwindigkeiten, sondern auch Unaufmerksamkeit sind oftmals die Ursachen dafür. Ziel der ADAC-Aktion „Achtung Auto“ ist es, Kindern zu erklären, wie sie sich im Straßenverkehr zu verhalten haben und zu verdeutlichen, wie lange ein Fahrzeug braucht, bis es steht.

Michael Preller klärte daher die Bannewitzer Fünftklässler darüber auf, dass ein Fahrzeug niemals sofort zum Stehen kommen kann. Von dem Augenblick an, wo der Fahrer beispielsweise ein Kind auf der Straße bemerkt, bis er reagiert, also bremst, und bis vor allem das Auto steht, vergehen einige Sekunden – und entscheidende Meter auf dem Asphalt. Die Lehrformel für die Fünftklässler an diesem Tag lautete: Der Anhalteweg ergibt sich aus Reaktions- und Bremsweg.

Bei Tempo 50, wie es innerorts maximal zulässig ist, fahre das Auto bei einer Reaktionszeit des Fahrers von etwa einer Sekunde bereits knapp 14 Meter weit. Es brauche zudem weitere acht bis neun Meter, bis das Fahrzeug bei einer Gefahrenbremsung steht, erklärte Michael Preller. Der Weg bis zum Stillstand könne sich noch um einige Meter mehr verlängern, wenn die Straßen nass oder glatt sind, das Fahrzeug schneller als mit Tempo 50 unterwegs ist oder dessen Fahrer unachtsam ist.

Die Experten-Tipps: Handys haben im Straßenverkehr nichts zu suchen
Vor allem ein Phänomen habe in den vergangenen Jahren zugenommen: „Die Kinder laufen immer öfter mit dem Smartphone in der Hand durch die Straßen“, erzählt Michael Preller. Das Kind habe so keine Chance, eine Gefahr rechtzeitig zu erkennen und sich selbst zu schützen. „Wer im Straßenverkehr unterwegs ist, hat nicht am Handy zu spielen“, sagt Preller, der seit vier Jahren in Sachen Verkehrserziehung an Schulen für den ADAC tätig ist. Abgesehen davon, dass Smartphones nützliche Helfer beim Navigieren sind, ist das Tippen auf dem Mobiltelefon im Verkehr zu unterlassen. Ähnlich verhalte es sich mit Kopfhörern, erklärt Preller. Wer das Fahrzeug nicht kommen höre, sei klar im Nachteil.

Das Handy-Tabu gelte nicht nur für die Kinder auf dem Schulweg, sondern auch für Autofahrer. „Einige können es trotzdem nicht lassen“, weiß Preller. Auch ein Autofahrer, der mit dem Handy beschäftigt ist, erkenne Gefahrensituationen zu spät.

Michael Preller wies die Schüler an diesem Aktionstag auch darauf hin, dass helle Kleidung auf dem Schulweg Vorteile verschafft. „So werden sie eher im Straßenverkehr wahrgenommen“, sagt der 50-Jährige.

Die Situation in Bannewitz: Schulweg muss sicher werden
Sicherheit auf dem Schulweg ist generell das Ziel. In Bannewitz beschäftigt das Thema schon länger Schulleitung und Rathausspitze. Um den Weg zur Grund- und Oberschule „Am Marienschacht“ sicher zu gestalten, hat die Gemeinde bereits in den vergangenen Jahren Verbesserungen vorgenommen.

Die Wege, die zu Fuß oder per Rad zurückgelegt werden, sind durch Markierungen verdeutlicht worden. Neue Verbindungen wurden geschaffen, zum Beispiel von Welschhufe durch das Gelände des Kompressorenbaus bis zur Schule. Derzeit wird das Radwegenetzes überarbeitet. Seit Ende Februar hat die Gemeinde zudem die Straße Neues Leben, die zum Schulhaus führt, zur morgendlichen Stoßzeit für den Verkehr gesperrt. Der Grund waren hektische Elterntaxis, die bis dato ihren Nachwuchs bis vors Schultor kutschierten und damit andere gefährdeten. Mit der Sperrung hat sich die Situation bereits verbessert.

Dennoch ist weiterhin Vorsicht geboten. Für die Fünftklässler in Bannewitz brachte der Tag mit Michael Preller nicht nur Aufklärung, sondern auch Abwechslung vom Schulalltag. „Den Schülern hat es gefallen“, resümiert ihr Klassenlehrer Jens Rülke. Dafür fiel an diesem Tag unter anderem eine Mathestunde weg.

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