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Montag, 17.09.2018

Abern, Abern, Abern

In Obercunnersdorf hat sich am Wochenende wieder alles um die Kartoffel gedreht.

Von Constanze Junghanß

So sehen die Abern-Männel aus, die am Wochenende beim Abernfest in Obercunnersdorf entstanden.
So sehen die Abern-Männel aus, die am Wochenende beim Abernfest in Obercunnersdorf entstanden.

© www.rafa-sampedro.de

Obercunnersdorf. Ein Schaschlikspieß, ein buntes Stück Stoff und eine Kartoffel: Das sind die Hauptzutaten. Bettina und Hans-Jürgen Tenzler drehen die Hölzchen in die Knolle: Das Grundgerüst für ein Obercunnersdorfer Abern-Männel steht. Wobei die Löbauerin sich beim Basteln für die weibliche Variante entscheidet. Sie kreiert eine Großmutter aus dem Erdapfel. Der Gatte nimmt sich einen Maler mit Pinsel als Figur vor. Haare drauf, Strickhut festgeklebt: Und schon sind die knollige „Oma“ und ihr Kartoffelpartner fertig. „Für die Kinder nehmen wir das mit“, sagt Bettina Tenzler. Als Anregung für gemeinsame Kartoffel-Basteleien.

Die Abern-Männel haben Tradition im 1221 erstmals urkundlich erwähntem Umgebindehausdorf. Josef Kempis, Ortsvorsteher von Obercunnersdorf, erzählt, dass die Einwohner in Vorbereitung des Festes ihre Umgebindehäuser besonders hübsch zurechtgemacht haben. „Unser Fest wird fantastisch angenommen“, freut er sich über den Trubel. Dass auch polnische und tschechische Händler mit ihren Ständen dabei sind, sei eine Bereicherung.

Bettina und Hans-Jürgen Tenzler erzählen derweil, dass sie zum ersten Mal das Abern-Wochenende besuchen. Das Paar staunt, was die Einwohner, Vereine und Gewerbetreibenden gemeinsam auf die Beine gestellt haben: die Flaniermeile mit Handwerkermarkt, Festzelt mit Musik und Kulturprogramm, Spaßwettkämpfe mit der Feuerwehr. Und eben im Mittelpunkt und überall: die Abern. Die gibt es in sämtlichen kulinarischen Varianten von Pommes über Salat oder gebratenen Kartoffelspalten. Das Löbauer Besucherpaar holt eigene Erinnerungen hervor: „In meiner Kindheit hießen die Herbst- noch Kartoffelferien“, schaut Hans-Jürgen in die Vergangenheit. Damals zu seiner Zeit – da seien die Kinder noch zum Bauern aufs Feld gegangen, um Kartoffeln zu lesen. „25 Pfennige bekamen wir für den vollen Korb““, sagt er. Eine andere Erinnerung aus Mutters Küche kommt bei Tenzlers einmal pro Woche auf den Mittagstisch: Es gebe nichts Besseres als Pellkartoffeln mit Quark, Leinöl und Leberwurst. Im eigenen Garten werden Abern ebenfalls angebaut. Nur dieses Jahr herrschte Flaute: Die extreme Hitze macht ihnen einen Strich durch die Ernte. Dafür gibt es in Obercunnersdorf Kartoffeln frisch vom Feld. „Abern zum kust’n“ hat der Landwirtschaftsbetrieb Hoffmann auf einem Hänger mitgebracht. Der ist am Sonnabend innerhalb kurzer Zeit leer geräumt. Regionale Kartoffeln sind beliebt. „Da weiß man wenigstens, wo sie herkommen“, ruft eine ältere Dame einem Mann zu und verspricht, dass demnächst frisch geriebene Kartoffelpuffer auf dem Abendbrottisch landen.

Im Festzelt startet die Auswertung für die Prämierung der schönsten Abern-Männel. Es gibt zahlreiche Preise – gesponsert von regionalen Firmen. Die Kinder vom Hort Niedercunnersdorf haben teilgenommen: Kartoffeln mit bunten Federn, mit Plastik-Kulleraugen oder kleinen Hütchen entstanden. Der Deutsche Frauenring rief den Wettbewerb ins Leben. Dass sich nicht noch mehr Kindereinrichtungen beteiligten, findet Heidi Fischer vom Frauenring zwar schade. Aber immerhin: Um die 40 bis 50 lustige Knollen sind zusammen gekommen und werden im „Haus des Gastes“ auf einem Tablett präsentiert. Nächstes Jahr wird dann wieder der leckerste Kartoffelsalat gesucht. Beide Wettbewerbe wechseln sich Jahr für Jahr ab.

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