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Donnerstag, 14.06.2018

7,5 Millionen in Bananenkisten

Nach dem spektakulären Fund im Fruchthof Stauda: Zollbeamte ermitteln, woher die 100 Kilogramm Kokain stammen.

Von Catharina Karlshaus

In Bananenkisten wie diesen hatten  Angestellte des Fruchthofes Beutel mit weißem Pulver gefunden, die da nicht hingehörten.
In Bananenkisten wie diesen hatten Angestellte des Fruchthofes Beutel mit weißem Pulver gefunden, die da nicht hingehörten.

© dpa

Stauda. Blauer Himmel, Sonnenschein. In Stauda ist die Welt an diesem Junivormittag scheinbar in Ordnung. Auf dem Parkplatz des Fruchthofes Meißen deutet absolut gar nichts darauf hin, dass das Unternehmen dieser Tage bundesweit in die Schlagzeilen geraten ist. Immerhin: 100 Kilogramm Kokain im Wert von 7,5 Millionen Euro hatte das Zollfahndungsamt Dresden am Pfingstsonnabend im Priestewitzer Ortsteil sichergestellt. Angestellte des Fruchthofes hatten in den aus Südamerika stammenden Kisten Beutel mit weißem Pulver gefunden, die da nicht hingehörten. Weil vermutet wurde, dass es sich um Rauschgift handeln könnte, habe das Unternehmen korrekterweise den Fund bei der Polizei angezeigt. „Zuständigkeitshalber schaltete diese das Zollfahndungsamt Dresden ein, welches die weiteren Ermittlungen unter tatkräftiger Unterstützung von Beamten der Landespolizei Sachsen übernahm“, erklärt Eberhard Thiedmann. Wie der Sprecher des Zollfahndungsamtes betont, handelt es sich um den bisher größten Fund dieses Rauschgifts in Sachsen.

Seitdem das Zollfahndungsamt Dresden am Donnerstag offiziell bestätigt hat, dass es sich gewissermaßen um einen Riesenfang mit opulentem Schwarzmarktwert handelt, laufen im Fruchthof Meißen die Telefone heiß. Allerdings: Äußern möchte sich Geschäftsführer Peter Noller nicht. Wie er bereits auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung am Dienstag betonte, lägen ihm keine weiteren Erkenntnisse zu dem Fall vor. Und auch einen Tag später verweisen die Mitarbeiter auf die Polizei beziehungsweise das Zollfahndungsamt in der Landeshauptstadt. „Wir machen grundsätzlich keine Angaben dazu“, erklärt Mitarbeiter Ralf Noppes im SZ-Gespräch.

Ins Detail gehen möchte auch die Dresdener Behörde nicht. Aus ermittlungstaktischen Gründen sei man da ohnehin bisher bewusst zurückhaltend vorgegangen. Eberhard Thiedmann bestätigt jedoch, dass nun der Transportweg genauer unter die Lupe genommen werde.

Immerhin: Ein Großteil der 80 000 Tonnen Obst und Gemüse, die jedes Jahr in Stauda kontrolliert, verpackt und an Märkte ausgeliefert werden, kommen von weit her. Die Kiwi der Marke „Sun-Gold“ etwa, die seit 1996 in Neuseeland angebaut wird, oder aber die Passionsfrucht, deren Etikett auf ihr Heimatland Ghana verweist. Ohne Zweifel, in Stauda treffen sich die Früchtchen dieser Welt. Denn nicht nur aus Europa stammen die verschiedenen Leckereien in den einzelnen Kühlbereichen, sondern tatsächlich aus allen Teilen der Erde. So kommen die kulinarischen Newcomer mit Namen Pomelo größtenteils aus China. Nördlich von Hongkong gezüchtet, erreichen sie mit dem Schiff zunächst Rotterdam und werden später auf Lastwagen nach Stauda geliefert. Kein Einzelfall. In der Winterzeit profitieren Weintraubenfreunde aus Lieferländern wie Indien oder Namibia und Apfelesser von köstlichen Importen aus Südafrika und Brasilien. Weite Wege, welche auch die Bananen zurücklegen müssen. Gut 25 000 Kisten – in mehreren von ihnen wurde das Kokain gefunden – landen wöchentlich im Betrieb. Noch grüne Früchte, die aus Ecuador, Costa Rica, Kolumbien sowie Biobananen aus der Dominikanischen Republik stammen.

Auch wenn es die Staudaer nicht wirklich trösten wird: Auch anderen Großhandelsunternehmen in Deutschland wurden schon zweifelhafte Lieferungen zuteil. Im Landkreis Heilbronn etwa wurden erst im November bei einem Obst- und Gemüsegroßhändler 225 Kilogramm Kokain gefunden. Die Drogen befanden sich ebenfalls in Bananenkisten aus Ecuador. Eine Entdeckung, bei der es sich ebenfalls um den größten Einzelfund von Rauschgift in Baden-Württemberg seit der Jahrtausendwende handelte. Die Mitarbeiter des Großhändlers hatten – so wie auch in Stauda – unter den Bananen die versteckten Kokainpakete gefunden. Eine vermeintliche Fehllieferung, deren Transportweg die Zollfahnder in Stuttgart ebenso interessiert wie die im sächsischen Dresden.