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Dienstag, 13.03.2018

2 200 gefährliche Waren aus Handel gezogen

Vor allem bei Spielzeug entdeckten die Prüfer der EU-Mitgliedstaaten verbotene und riskante Substanzen.

Von Detlef Drewes, SZ-Korrespondent in Brüssel

Das Batteriefach an diesen Puppen kann einfach geöffnet werden. Die Knopfzellen sind dadurch auch für kleine Kinder zugänglich.
Das Batteriefach an diesen Puppen kann einfach geöffnet werden. Die Knopfzellen sind dadurch auch für kleine Kinder zugänglich.

© Rapex

Brüssel. Ein künstliches Tattoo, das bis zum Rand voller Nickel steckt, ein Rennrad, dessen vordere Gabel zu leicht bricht, ein Suzuki-Motorrad, bei dem die Kette reißt, wenn geschaltet wird – das sind nur drei Beispiele für Produkte, die die europäischen Verbraucherschutzbehörden in der ersten März-Woche aus den Läden holten. 2 201 Mal schlugen die Fachleute der Mitgliedstaaten im Vorjahr Alarm – eine geringfügige Steigerung im Vergleich zu 2016, als 2 044 Produkte betroffen waren. 354 Meldungen kamen aus Deutschland. Und wieder betrafen 636 Warnungen (29 Prozent) Kinderspielzeug. Gefährliche Schwächen bei Fahrzeugen (20 Prozent), Textilien (zwölf Prozent) sowie elektronischen Geräten (sechs Prozent) und Babyartikeln (fünf Prozent) folgen. Das sogenannte Rapex-System der EU (Rapid Exchange of Information System = Schnelles Austauschsystem für Informationen) sorgte dafür, dass die Auffälligkeiten, die in einem Land festgestellt wurden, schnellstmöglichst in allen 31 angeschlossenen Länder (EU plus Island, Liechtenstein und Norwegen) weitergegeben wurden. „Dieses System hilft uns, für die Sicherheit unserer Kinder zu sorgen und tödliche Unfälle auf unseren Straßen zu verhindern“, sagte Verbraucherschutzkommissarin Vera Jourová gestern bei der Vorstellung der Jahresbilanz in Brüssel. Dennoch funktioniert das Warnsystem noch nicht reibungslos. Das Problem: Konsumenten bestellen zunehmend Waren übers Internet, die aus Drittstaaten nach Europa geschickt werden. Auch deshalb verabschiedete die Behörde Anfang März eine Empfehlung, nach der die Mitgliedstaaten stärker gegen illegale Inhalte im Netz – einschließlich gefährlicher Produkte – vorgehen sollen.

Besonders gravierend: In den mit Abstand meisten Fällen wurden Waren aus dem Verkehr gezogen, weil es Verletzungsrisiken gab (28 Prozent). Erst Anfang März fiel den Behörden eine Sportjacke für Kinder auf, deren lose Applikationen sogar zu Strangulationen hätten führen können. 22 Prozent der Produkte wiesen zu hohe oder riskante Belastungen durch chemische Stoffe auf, die weit über den in der EU geltenden Grenzwerten lagen. Von 17 Prozent der gemeldeten Produkte ging Erstickungsgefahr, beispielsweise durch Schnüre oder Kleinteile, aus. Elektrische Schläge waren bei zehn Prozent der Grund für den Bann. Sechs Prozent der entfernten Waren bargen sogar das Risiko, sich zu entzünden.

Nach wie vor stammen 1 167 (53 Prozent) der gerügten Produkte aus China und Hongkong. Das sei zwar nicht mehr als im Vorjahr, sagte die Kommissarin, allerdings auch nicht weniger. Ganz offensichtlich sind die seit Jahren laufenden Gespräche mit den Herstellern aus Fernost nur begrenzt erfolgreich.

Rapex wurde im Jahre 2003 gegründet und dient dem schnellen Informationsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten, die die Prüfergebnisse ihrer eigenen Behörden zuliefern. Im Falle einer Warnung kann die EU dann entweder den Verkauf einstellen lassen oder verbieten, einen Rückruf erzwingen oder sogar einen Importstopp durch die Zollbehörden verfügen.

Die wöchentlichen Warnmeldungen des Rapex-Systems können im Internet (leider nur auf Englisch) jederzeit eingesehen werden. Auch ein Newsletter für bestimmte Produktbereiche kann hier bestellt werden: weiter

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