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Donnerstag, 17.05.2018

Zuckerfest will auf den Wilhelmsplatz

Muslime wollen das Ende des Fastenmonats Ramadan in der Görlitzer Stadtmitte feiern. Das trifft nicht nur auf Zustimmung.

Von Matthias Klaus

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Zuckerfest in Görlitz auf dem Theaterplatz im vergangenen Jahr: 2018 soll es auf dem Wilhelmsplatz stattfinden.
Zuckerfest in Görlitz auf dem Theaterplatz im vergangenen Jahr: 2018 soll es auf dem Wilhelmsplatz stattfinden.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Görlitz. Wenn es nach Sami Shmayess gegangen wäre, würde das Zuckerfest in Görlitz ja im Stadtpark gefeiert. „Die Umgebung ist schöner. Das ist meine ganz persönliche Meinung“, sagt der Syrer. Aber es gebe dort zwei Probleme: keine Toiletten und keinen Stromanschluss. Deshalb soll das Zuckerfest in diesem Jahr auf dem Wilhelmsplatz stattfinden. 2017 war das noch vor dem Theater der Fall. „Wir rechnen in diesem Jahr mit mehr Gästen“, sagt Sami Shmayess. Zudem soll mehr für Kinder und generell für Familien geboten werden, schildert er. Zelte, zum Beispiel, Kinderschminken. Und eine Toilette gebe es hier auch. „Wir können sie vom Imbiss mieten“, sagt er. Sami Shmayess arbeitet seit Mai 2016 in Görlitz. Er stammt aus Latakia, der einzigen großen Hafenstadt Syriens. In Görlitz engagiert er sich in der Gruppe Syrlitz, „Syrer in Görlitz“. Sie bereitet das Zuckerfest in diesem Jahr mit vor.

Das Thema kam jetzt im Bürgerrat Innenstadt-Ost zur Sprache und wurde dort offensichtlich kontrovers diskutiert. Hans-Hermann Schneider aus Görlitz hat die Veranstaltung besucht. „Obwohl die meisten Besucher größtenteils nicht aus der Innenstadt-Ost kamen, kannten sie den Termin, waren zahlreich erschienen und nutzten die Versammlung als Plattform, um gegen dieses Fest zu protestieren“, hat er festgestellt. Die Protestierer hätten nach der Diskussion zum Thema die Veranstaltung verlassen. Er habe zunächst gedacht, das Zuckerfest sei eine Anlehnung an den internationalen Kindertag. „Es folgte keine Erläuterung und kein Hinweis, warum sich der Bürgerrat dafür engagiert. Im Laufe der hitzigen Diskussion bekam ich erst mit, worum es eigentlich ging“, so Hans-Hermann Schneider.

Anmelder für das Zuckerfest auf dem Wilhelmsplatz ist der Verein Second Attempt. Er betreibt unter anderem das Café Hotspot am Obermarkt und soll einmal das „Werk 1“ betreiben. Der Verein kümmert sich um die Genehmigung des Zuckerfestes vonseiten der Stadt. „Der Bescheid wird postalisch zugestellt, aktuell warten wir gerade darauf“, sagt Julia Schlüter vom Verein. Für das Zuckerfest sei eine Förderung seitens des Bürgerrates, also letztendlich von der Stadt, angefragt worden. Ob es eine Finanzspritze dafür gibt, ist derzeit allerdings noch offen. „Der Bürgerrat entscheidet am 5. Juni in öffentlicher Sitzung zu allen Projekten des Bürgerbudgets 2018. Auch die Unterstützung des Zuckerfestes ist einer dieser Projektanträge“, teilt Stadtsprecher Wulf Stibenz mit. Ob und in welcher Höhe der Bürgerrat das Projekt unterstütze, könne erst nach der öffentlichen Sitzung gesagt werden. Mit der Wahl des Veranstaltungsortes hat das Görlitzer Rathaus offensichtlich kein Problem. „Aus Sicht der Stadt ist der Wilhelmsplatz für verschiedene Veranstaltungen geeignet“, so Wulf Stibenz. Und: „Zuständig für die Auswahl eines Veranstaltungsortes ist der Veranstalter.“ Die Stadt habe zu prüfen, ob etwas dagegen spreche. Im Bürgerrat Innenstadt-Ost jedenfalls wurde auch der Stadtpark ins Gespräch gebracht. Begründung: Lärm und mögliche Beschädigungen der Anlagen auf dem Wilhelmsplatz.

Das Zuckerfest soll hier am 16. Juni steigen. Es gilt als das große Fastenbrechen nach dem Ramadan, dem muslimischen Fastenmonat. Das Fest geht im ursprünglichen Sinne über mehrere Tage. Julia Schlüter sieht das Ganze nicht unbedingt als eine religiöse Veranstaltung. „Es soll ein buntes Familienfest sein. Auf den Weihnachtsmarkt gehen wir ja auch nicht zum Beten“, sagt sie. Im vergangenen Jahr habe es überraschend viele Besucher gegeben, nicht nur muslimischen Glaubens, sondern auch viele andere. „Als Träger der Veranstaltung distanzieren wir uns deutlich von Islamisierung“, sagt Julia Schlüter. Der Verein möchte Asylbewerber aus Erstaufnahmen in Löbau und Niesky zu dem Fest einladen.

In den sozialen Medien, etwa auf Facebook, sorgen die Zuckerfestpläne für den Wilhelmsplatz derweil für rege Diskussionen. Hans-Hermann Schneider sieht das so: „Nicht nur der Wilhelmsplatz muss leider Trinker dulden, und Halbwüchsige nutzen die Wiese als Bolzplatz.“ Gegen spielende Kinder oder auf Decken sitzende Familien könne man nichts sagen. „Sofern sie ihren Müll mitnehmen und nicht auch noch anfangen zu grillen“, so der Görlitzer. Dies, findet er, sei in öffentlichen Anlagen in der Stadt eine Unsitte geworden.

Sami Shmayess will da schon ein bisschen vorbeugend beruhigen: Die Wiese soll vom Festgeschehen nicht betroffen werden.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 9 Kommentare

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  1. Dresdnerin

    So lange daraus kein Hegemonialanspruch entsteht und das Fest den selben Stellenwert hat wie ein Freiluftgottesdienst oder ein jüdisches Kulturfestival, kann ich daran nichts Anstößiges finden. Schön, wenn normale Muslime mehr den Dialog suchen. Aber: In Görlitz soll auch die SBS aktiv sein, inwieweit ist sie involviert? Auch sehe ich auf dem Foto unter den Erwachsenen nur Männer.

  2. Dresdner45

    Erst einmal den Anfang machen. Danach werden es 2 oder 3 Tage. Deser Glauben breitet sich immer mehr aus. Gut, es geht nur die Görlitzer etwas an!

  3. MuellerF

    "Begründung: Lärm und mögliche Beschädigungen der Anlagen auf dem Wilhelmsplatz" Wurde/ wird das auch bei anderen Veranstaltungen als Bedenken geäußert oder ist das nur ein Strohhalm an den man sich in der Hoffnung klammert, speziell das Zuckerfest an dem Platz zu verhindern?

  4. Thomas

    @dresdner Vielleicht nehmen die ihren Glauben ernst und nicht wie die Christen. Erklären sie bitte auch wie sie auf 2 oder 3 Tage kommen. Übrigens fasten und das brechen gibt es auch im christlichen Glauben. Meine Grosseltern haben noch erzählt das Ostern in den Dörfern grosse Partys anfingen . Also machen lassen und schauen wie es läuft

  5. diplomats

    Brauchen wir nicht. Wichtiger wären Abschiebungen.

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