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Mittwoch, 13.09.2017

Weitere mutmaßliche „Freie Kameraden“ vor Gericht

Mitte August werden zwei Mitglieder der rechtsextremen „Freien Kameradschaft Dresden“ zu Haftstrafen verurteilt, unter anderem wegen Angriffen auf Ausländer und Andersdenkende. Nun stehen sechs weitere mutmaßliche Kameraden vor Gericht.

In Dresden hat der Prozess gegen sechs weitere Mitglieder der „Freien Kameradschaft Dresden“ begonnen.
In Dresden hat der Prozess gegen sechs weitere Mitglieder der „Freien Kameradschaft Dresden“ begonnen.

© Benno Löffler

Dresden. Sechs weitere mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremen „Freien Kameradschaft Dresden“ (FKD) stehen seit Mittwoch vor Gericht. Den fünf Männern und einer Frau im Alter zwischen 22 und 29 Jahren wird Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, gefährliche Körperverletzung, Landfriedensbruch und das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen. Ende August waren bereits zwei FKD-Mitglieder zu Haftstrafen verurteilt worden.

Die Angeklagten sollen bei den rechtsextremen Krawallen vor einer Flüchtlingsunterkunft im August 2015 in Heidenau dabei gewesen sein. Außerdem werden sie für Angriffe auf Ausländer bei einem Stadtfest in Dresden und einen Überfall auf ein linksalternatives Wohnprojekt verantwortlich gemacht. Letzteren sollen sie zusammen mit der unter Terrorverdacht stehenden „Gruppe Freital“ verübt haben.

Als Rädelsführer ist ein 29-Jähriger angeklagt. Er und drei Mitbeschuldigte wollten sich zu Beginn der Verhandlung vor dem Landgericht Dresden weder zu ihrer Person noch zur Sache äußern. Die 27 Jahre alte Frau und der mit 22 Jahren jüngste Beschuldigte kündigten dagegen Einlassungen an.

Die ursprünglich aus Sachsen-Anhalt stammende Frau machte auch umfangreiche Angaben zu ihren persönlichen Verhältnissen. Nach ihrem Abitur habe sie in Kreischa (Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) eine Ausbildung zur Ergotherapeutin gemacht. Sie sei bewusst weg von zu Hause nach Freital gezogen, weil sie über sechs Jahre immer wieder vom besten Freund ihres acht Jahre älteren Bruders missbraucht worden sei. „Ich wollte weg“, sagte sie. Und sie habe sich bewusst einen Partner gesucht, der ihr Schutz und Geborgenheit geben könne.

Über einen früheren Partner, der wohl wegen Hooligan-Ausschreitungen im Gefängnis gesessen hatte, sei sie mit der Szene in Kontakt gekommen, zu der auch die Angeklagten zählten, sagte die Mutter eines neun Monate alten Sohnes. Im Oktober 2015, also im Zeitraum der angeklagten Taten, habe sie an der TU Dresden begonnen, auf Grundschullehramt zu studieren. Das habe sie jedoch abbrechen müssen. Die 27-Jährige ist als einzige der Angeklagten auf freiem Fuß.

Der 22 Jahre alte Mitangeklagte berichtete von einer schweren Kindheit. Seine Eltern hätten ihm aufgrund der Krebserkrankung seines älteren Bruders wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Schul- und Alkoholprobleme seien die Folge gewesen und hätten ihn in die Szene abgleiten lassen. Wie die 27-Jährige kündigte auch er an, sich am kommenden Freitag zu den in der Anklage erhobenen Anschuldigungen äußern zu wollen. (dpa)

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