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Montag, 12.02.2018

Was Reiseanbieter empfehlen

Blick über den Tellerrand in Sachen Vermarktung der Lausitz: Aus der Ferne entdeckt man ganz verschiedene Vorzüge.

Von Tilo Berger

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Per Busreise in die Oberlausitz – die Angebote verschiedener Veranstalter aus ganz Deutschland sind ähnlich vielfältig wie unsere selbstgestaltete Ansichtskarte: schwimmende Häuser im Lausitzer Seenland, Pückler-Park und Schloss Bad Muskau, Bimmelbahn ins Zittauer Gebirge und Bautzener Altstadt (von links oben im Uhrzeigersinn).
Per Busreise in die Oberlausitz – die Angebote verschiedener Veranstalter aus ganz Deutschland sind ähnlich vielfältig wie unsere selbstgestaltete Ansichtskarte: schwimmende Häuser im Lausitzer Seenland, Pückler-Park und Schloss Bad Muskau, Bimmelbahn ins Zittauer Gebirge und Bautzener Altstadt (von links oben im Uhrzeigersinn).

© Soeder, Wittchen, Weber, dpa

Der Harz gilt als sagenhaft, die Lüneburger Heide als reizvoll. Vor der Insel Usedom steht ganz selbstverständlich der Begriff sonnenreich, und das Altmühltal in Bayern wird als lieblich beschrieben. So steht es in fast jedem Katalog für Busreisen.

Welche Worte aber gelten für die Oberlausitz? Wie werben Reiseveranstalter in anderen Regionen für Touren in den sächsischen Osten? Und wo machen sie Station? Die SZ durchforstete mehrere Internetseiten mit Reiseangeboten für dieses Jahr und fand (mindestens) zehn verschiedene Empfehlungen für eine Tour in die Oberlausitz.

Empfehlung aus Vorpommern: Vielfältige Mittelgebirgslandschaft

„Oberlausitzer Land“ benennt Schumachers Reisedienst in Burg Stargard (Mecklenburg-Vorpommern) ein Angebot im September 2018. Beworben wird die Viertagetour so: „Hier sind die Osterreiter zu Hause, staunt man über Umgebindehäuser und die geschichtsträchtige Architektur. Sie erwartet eine vielfältige Mittelgebirgslandschaft mit granitenen Bergrücken, vulkanischen Kuppen, markanten Sandsteinbergen und idyllischen Dörfern.“

Die Reiseteilnehmer werden in Bautzen übernachten und die Stadt sowie das Senfmuseum kennenlernen, Tagestouren führen außerdem nach Görlitz und nach Zittau, wo die Gäste in die Schmalspurbahn Richtung Gebirge umsteigen.

Empfehlung aus Schleswig-Holstein: Schätze der Architekturgeschichte

„Schatztruhe Görlitz“ betitelt der Omnibusbetrieb Matthias Peters im schleswig-holsteinischen Wasbek eine Viertagereise im Juli. In der Ankündigung heißt es: „Wer Görlitz besucht, wird augenblicklich zum Zeitreisenden. Denn auf wenigen Hundert Metern lassen sich hier Schätze aus mehr als einem halben Jahrtausend europäischer Architekturgeschichte entdecken.“

Die Gäste wohnen in Görlitz, erkunden die Stadt bei einem Rundgang und lernen die Landskron-Brauerei kennen, ein ganzer Tag ist außerdem für das Zittauer Gebirge reserviert. Die Region gelte aber noch als Geheimtipp – so steht es in der Reisebeschreibung.

Empfehlung aus Hamburg: Nachbarländer vor der Haustür

Gleich mehrere Touren in die Oberlausitz stehen beim Reisering Hamburg im Programm. „Ostern bei den Sorben“ heißt eine Sechstagereise Ende März/Anfang April. Übernachtet wird zwar in Görlitz, aber gleich zwei Tage geht es nach Bautzen, ins Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau sowie in sorbische Gasthöfe. Ein Reisetag ist Zittau mit den Fastentuch-Ausstellungen sowie einer Fahrt mit der Schmalspurbahn vorbehalten. In der Werbung für diese Reise heben die Hamburger die Traditionspflege in der Region hervor.

Mehrmals im Jahreskalender steht beim Reisering Hamburg eine Sechstagefahrt ins Zittauer Gebirge, mit Ausflügen nach Zittau, Görlitz, Rietschen, Bad Muskau und Bautzen. Um den Fokus der Reiselustigen darauf zu lenken, wirbt der Veranstalter vor allem mit der „imposanten grünen Bergkette“ des Zittauer Gebirges.

Eine Sechstagereise im August heißt kurz und bündig „Dreiländereck“. Von Görlitz aus starten Ausflüge ins Zittauer Gebirge, ins Riesengebirge und nach Nordböhmen. Dazu schreibt der Reisering: „Als östlichste Stadt Deutschlands ist Görlitz ein guter Startort für Reisen in das polnische Schlesien und tschechische Böhmen.“

Empfehlung aus Westfalen: Filmstadt Görlitz

Nach Bautzen, Zittau, Herrnhut und Görlitz führt die viertägige Tour „Sterne der Oberlausitz“ von Sauerland-Reisen im nordrhein-westfälischen Medebach. Görlitz wird gezielt als Filmstadt bezeichnet, in Herrnhut wird die Sterne-Manufaktur besucht. Die Werbung für diese Reise hebt besonders die „faszinierende Geschichte der Oberlausitz“ hervor.

Empfehlung aus der Pfalz: Oberlausitzer Gastfreundschaft

„Hier, in der gastfreundlichen Urlaubs- und Kulturregion am Anfang Deutschlands – von der Europastadt Görlitz bis vor die Tore der Landeshauptstadt Dresden und vom Naturpark Zittauer Gebirge bis in das Lausitzer Seenland – sind Sie richtig.“ Besser als in der Werbung des Reiseveranstalters Bohr aus dem rheinland-pfälzischen Lautzenhausen lässt sich die Vielfalt der Oberlausitz kaum beschreiben. „Zwischen Spree und Neiße“ heißt die Sechstagetour, deren Teilnehmer im Juli von Bautzen aus auch Zittau, das Zittauer Gebirge, Görlitz und das Riesengebirge kennenlernen.

Empfehlung aus München: Lausitzer Wasserlandschaften

Unter dem Titel „Märchenhaftes Wasserlabyrinth Spreewald“ lädt das Münchener Reisebüro Ettenhuber im Mai zu einer Viertagetour ein.

Von Cottbus aus führen Ausflüge direkt in den Spreewald und ins Lausitzer Seenland, wo die Teilnehmer unter anderem schwimmende Häuser und einen Braunkohletagebau in Aktion erleben können. Die IBA-Terrassen in Großräschen bezeichnen die Münchener als „kühnes Bauwerk an der Tagebaukante“, den Tagebau als „Technologie des 21. Jahrhunderts“.

Empfehlung aus Niederbayern: Urige Gassen

Zu einer Viertagereise in den Spreewald lädt Stanglmeier-Touristik aus dem niederbayerischen Mainburg Anfang Juli ein. Bei der Heimreise fährt der Bus die Kurve über Görlitz, wo die Gäste eine Führung „durch die urigen Gassen der historischen Altstadt“ bekommen.

Empfehlung von der dänischen Grenze: Pücklers Erbe an der Neiße

Fünf Tage in einer „Oase unverfälschter Natur“ verspricht der Reisedienst Bölck in Schuby, nahe der deutsch-dänischen Grenze. Damit meinen die Norddeutschen zunächst den Spreewald, wo die Gäste im Juli auch übernachten. Ein Tag führt aber auch nach Görlitz, wo außer der Altstadt das Heilige Grab zur Besichtigung empfohlen wird. Auf der Rückfahrt von Görlitz in den Spreewald macht der Bus noch am Pückler-Park in Bad Muskau Station.

Empfehlung aus Stuttgart: Schnittpunkt alter Handelsstraßen

Bei Schlienz-Tours aus Stuttgart können Reiselustige eine Fünftagetour im Mai nach Bautzen buchen. Von der Spreestadt aus rollt der Bus unter anderem ins Riesengebirge und nach Breslau „mit einer lebendigen Altstadt, historischen Plätzen, Kirchen und Museen“. Beim Abstecher nach Görlitz legen die Veranstalter den Fokus auf den Schnittpunkt zweier alter Handelsstraßen, der Salzstraße und der Via Regia. Auch bei dieser Reise steigen die Teilnehmer in Zittau in die Schmalspurbahn nach Oybin.

Empfehlung aus Österreich: Oberlausitzer Produkte

Dass Reisebusse aus der Oberlausitz nach Österreich fahren, ist nicht ungewöhnlich. Aber es rollen auch Busse in der Gegenrichtung. Beinwachs-Reisen aus der Wiener Neustadt lädt zur Fünftagetour „Goldener Herbst in der Oberlausitz“ ein – mit Übernachtungen in Bautzen sowie Besuchen des Senfmuseums, der Wilthener Weinbrennerei, der Spreequelle am Kottmar, des Damast- und Frottiermuseums in Großschönau, der Stadt Görlitz sowie des Klosters St. Marienthal an der Neiße. „Die Kulturgeschichte der Oberlausitz lässt sich in historischen Städten, bezaubernden Parklandschaften, beeindruckenden Schlössern und zahlreichen sakralen Bauwerken erkunden“, wirbt der Reiseveranstalter.

Fazit: Oberlausitz-Werber haben es schwerer als andere

Sagenhaft, sonnenreich, lieblich, reizvoll – so einfach wie andere Ferienlandschaften lässt sich die Oberlausitz nicht in ein Wort pressen. Die Werbestrategen der Reiseunternehmen von Nord bis Süd rücken ganz verschiedene Empfehlungen in den Vordergrund.

Dabei fällt zweierlei auf. Erstens: Alle Reiseveranstalter versuchen möglichst viel in die vier bis sechs Tage in der Region zu packen. Bei manchem Programm drängt sich die Frage auf, ob die Reisenden abends überhaupt noch wissen können, was sie morgens gesehen haben. Und zweitens: In allen Reisebeschreibungen wird die Oberlausitz oder auch Lausitz angepriesen – nirgends ist von einer Tour in den Landkreis Bautzen oder Landkreis Görlitz die Rede. Ein Argument mehr für die Vermarktung der Region als Ganzes statt durch jeden Kreis für sich. Und somit ein Grund mehr für beide Landkreise, sich schnellstens zusammenzusetzen und sich klar zu werden, wie es mit der gemeinsamen Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien mbH (MGO) weitergehen soll – inhaltlich, personell und finanziell.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Klaus

    Busreisen. Hmm. Gibt es Hinweise darauf, was die Region unter 70-Jährigen zu bieten hat?

  2. Kanonikus

    @Klaus: Das gleiche wie für 70 +, Erholung. Oder ist das zu wenig?

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