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Mittwoch, 13.09.2017

Tillich verkauft sein Haus

Der Regierungschef sucht einen Käufer für seine Immobilie in Panschwitz-Kuckau und wird nun offiziell ein Dresdner.

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Orange, adrett, prominent bewohnt – das markante Häuschen von Stanislaw Tillich sucht gerade einen neuen Besitzer. Der Regierungschef trennt sich damit endgültig von seinem Wohnsitz in Panschwitz Kuckau.
Orange, adrett, prominent bewohnt – das markante Häuschen von Stanislaw Tillich sucht gerade einen neuen Besitzer. Der Regierungschef trennt sich damit endgültig von seinem Wohnsitz in Panschwitz Kuckau.

© Wolfgang Wittchen

Lange gehörte er zu den bekanntesten Berufspendlern Sachsens. Fast täglich setzte sich Stanislaw Tillich seit Beginn seiner politischen Karriere im Freistaat vor mehr als 18 Jahren ins Auto, um nach Dresden zu fahren. Seit er ins Kabinett einstieg, natürlich standesgemäß mit Dienstlimousine und Chauffeur.

Doch damit scheint jetzt endgültig Schluss zu sein. Denn eines der prominentesten Politiker-Häuschen im Land steht zum Verkauf. Grell orange, weithin sichtbar und markant steht es im kleinen Panschwitz-Kuckau. Vor wenigen Tagen tauchte das Angebot im Internet auf. In „ruhiger und grüner Bestlage“ stehe das Haus nahe Kamenz zum Kauf. Frei nach Vereinbarung, heißt es im Angebot des Dresdner Immobilien-Händlers Johannes & Partner.

Für den Regierungschef ist es auch ein emotionaler Einschnitt, es ist die Trennung von seinem Elternhaus. Seit 1958 war es im Besitz der Familie, gepflegt, mehrfach saniert. Auch Tillichs eigene Kinder wuchsen dort in ländlicher Abgeschiedenheit auf.

Den ersten Schritt, sich von Panschwitz-Kuckau zu lösen, hatte der Regierungschef bereits vor mehr als zwei Jahren gemacht. Seit April 2015 bewohnt er mit seiner Gattin ein 120 Quadratmeter großes Penthouse im noblen Dresdner Wohnviertel Weißer Hirsch. Auf dem Gelände des ehemaligen Lahmann-Sanatoriums, in dem schon Ufa-Star Zarah Leander kurte, genießt er seitdem den Ausblick von einer großen Terrasse mit Blick in die Dresdner Heide. Über den Kaufpreis der Luxusimmobilie wurde damals nichts bekannt. Nur so viel: Die Quadratmeter-Preise wurden vom Bauträger damals mit 2 850 bis 4 400 Euro angegeben. Die 120 Quadratmeter große Wohnung hätte damit einen Marktwert von etwa einer halben Million Euro.

Das Häuschen nahe Kamenz ist da schon deutlich günstiger zu haben. 217 000 Euro sind als Kaufpreis aufgerufen, hinzu käme eine Provision von 6,5 Prozent inklusive Mehrwertsteuer – für die Lage fernab Dresdens trotzdem ein stattlicher Preis, heißt es in Immobilien-Kreisen. Das könnte an der teilweise ungewöhnlichen Ausstattung liegen: kernsaniert, „sehr schöner, gepflegter Garten“, insgesamt ein Grundstück mit mehr als 800 Quadratmetern. Darauf steht eine Doppelgarage, drei Bäder im Haus, inklusive Kamin.

Ein besonderer Clou: Die Sicherheitsfenster, die an Tillichs Privathaus nach entsprechenden Schutzvorschriften eingebaut wurden, werden im Verkaufsangebot extra als „sehr einbruchssicher“ gelobt. Und diese Fenster am Privathaus des Ministerpräsidenten hatten zuletzt sogar den Landtag beschäftigt. Doch parlamentarische Anfragen des Links-Abgeordneten André Schollbach nach dem Bauaufwand und den Kosten wurden nie im Detail beantwortet – aus Gründen einer möglichen Gefährdung der Schutzperson, wie es hieß.

Zudem hat der Regierungschef in Panschwitz-Kuckau einen blitzschnellen Internet-Anschluss mit 50 Mbit/s, den sich so mancher im ländlichen Raum wünschen dürfte. Und Tillich, von 2004 bis 2007 Umweltminister in Sachsen, setzte privat frühzeitig auf umweltfreundliche Energie: Auf dem Dach sorgen Solar-Panele für niedrige Heizkosten.

Mittlerweile wird das Haus, in dem zuletzt niemand mehr gewohnt hat, ausgeräumt und wird somit für die Übergabe an einen Käufer vorbereitet. Interessenten für die Immobilie gibt es dem Vernehmen nach einige. Zum Verkauf selbst ist es bisher offenbar aber noch nicht gekommen.

Für den Privatmann Tillich ist der Rückzug aus Panschwitz-Kuckau vor allem ein Wegzug aus seiner Heimat. Für den Politiker Tillich dagegen bedeutet der offizielle Wechsel in die Landeshauptstadt etwas Parteibürokratie. Absehbar ist, dass ausgerechnet der als besonders schwierig geltende CDU-Kreisverband Dresden die neue politische Bühne des CDU-Landesvorsitzenden und Ministerpräsidenten wird. Letzteres ein Umstand, mit dem bisher die Christdemokraten in der Lausitz gern für sich geworben haben. Was unverändert bleibt, ist dann die Tatsache, dass der „Stani“ so oder so auch in Dresden ein Sorbe bleibt.

(abi/gs)

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 9 Kommentare

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  1. Berg

    Is ja ganz interessant, was die Quatratmeter Wohnfläche im ehem. Lahmannsanatorium kosten. Nur: neben Tillich haben das ein paar Dutzend andere ganz normale Leute auch gezahlt; denn soooo ein "Luxus" isses nun auch wieder nicht, als dass man das dem MP Sachsens ankreiden müsste. - An anderer Stelle in der SZ wird vom Lädensterben auf dem "noblen" Weißen Hirsch mangels Kundschaft geschrieben. Es ist also sehr gut, wenn dort wiedermal kaufkräftige Leute hinziehen.

  2. E.Gal

    Schon interessant, dass selbst im Fall von ein paar Fenstern sich der Herr Schollbach wieder als Anwalt in eigener Sache aus dem Steuertopf bedienen wollte. Ansonsten warte ich auf den Beifall der Grünen. Immerhin wird die Umwelt durch die Einsparung der Tillich-Fahrten erheblich entlastet. Ach so, noch ein Hinweis. Aus den Herstellungskosten der Wohnungen wurden Handwerker bezahlt, jede Materialrechnung war mit Mehrwertsteuer belastet und die öffentliche Hand hat die Grunderwerbssteuer eingestrichen.

  3. Alex

    Ich hoffe mal, dass der Herr Tillich dafür gesorgt hat, dass die nun fehlenden Steuereinnahmen in Panschwitz-Kuckau durch den Freistaat ersetzt werden. Man kann das Geld ja monatlich mit Kurier zur Gemeinde bringen. Also @2 E.Gal: Die Fahrten würden dann allerdings nicht wegfallen, sicher zum Ärger der Grünen. Aber die Schwarzen können ja so wie so nicht mit den Grünen. Bisschen sticheln machen Politiker doch gern, das lenkt von ihren eigentlichen Aufgaben so schön ab.

  4. Herr J

    Letztendlich ist das ganze doch reine Privatsache. Allerdings wurde das Haus aus Landesmitteln aufgewertet. Daher ist es nur gerecht wenn der Herr Tillich einen Teil des Erlöses an das Land überweisen würde. Er verkauft es ja auch über den ortsüblichen Preis. Und bevor der Herr Schollbach wieder MiMiMi machen kann sollte er dies freiwiilig tun.

  5. Robert

    @ E.Gal, #2: Ich weiß zwar, dass Sie nur pöbeln wollen, und ich bewundere Ihre Ausdauer. Aber sehen Sie, Sie schreiben nur Schwachsinn. Und aus diesem Grund möchte ich Ihnen folgende Definition mit auf den Weg geben: "Die parlamentarische Anfrage ist eine Möglichkeit für einzelne Abgeordnete, in einer parlamentarischen Demokratie die Kontrollfunktion des Parlaments in einer einzelnen Sachfrage wahrzunehmen." Ich würde mich freuen, wenn Sie sich in Zukunft etwas mehr Mühe geben würden.

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