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Dienstag, 13.02.2018

Teich soll Nazi-Relikte enthalten

Ein Ex-Anwohner behauptet, dass der Volkssturm 1945 Waffen und Orden in einem Spansberger Tümpel versenkt habe. Die SZ ist dem nachgegangen.

Von Eric Weser

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Lagern in diesem Tümpel nahe der Spansberger Kirche fast 73 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs Waffen und Munition? Ein Hinweisgeber behauptet: Im Teich liegen Waffen und Nazi-Orden.
Lagern in diesem Tümpel nahe der Spansberger Kirche fast 73 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs Waffen und Munition? Ein Hinweisgeber behauptet: Im Teich liegen Waffen und Nazi-Orden.

© Eric Weser

Symbolfoto: Liegt so etwas auch im Spansberger Teich?
Symbolfoto: Liegt so etwas auch im Spansberger Teich?

© Karl-Ludwig Oberthür

Gröditz. Es sind geheimnisvolle Worte, die die Redaktion per E-Mail erreichen. „Seit Jahren rumort Wissen in mir, das ich nun endlich teilen will“, schreibt der Absender. „In Spansberg (...) auf dem Grund des Gemeindehauses ist ein Tümpel. Dort wurden 1945 vor Eintreffen der Roten Armee vom Volkssturm Waffen, Orden und NS-Propaganda versenkt.“ Er wisse das von verstorbenen Anwohnern und habe auch selbst als Schulkind „oft Karabinermunition in der Nähe des Tümpels gefunden“. Seinen in der E-Mail angegebenen Namen will der Absender nicht in der Zeitung lesen. Eine Rückfrage nach telefonischem Kontakt übergeht er. Doch die Sache scheint dem Absender wichtig. „Lange habe ich mit mir gerungen, dieses Geheimnis preiszugeben.“ Was ist dran an der Geschichte?

Fakt ist: Im April 1945 rückte die Rote Armee aus Richtung Osten vor. Marschall Konew hatte der 5. Gardearmee befohlen, über Senftenberg, Elsterwerda, Gröditz aus dem Raum Bautzen Richtung Ortrand und weiter bis zur Elbe nach Riesa vorzustoßen. Monate zuvor hatten die Nazis den Volkssturm ausgerufen. Dieses letzte Aufgebot bestand im damaligen Kreis Großenhain, zu dem auch Spansberg gehörte, aus Jugendlichen und Greisen. Doch als sich abzeichnete, dass der Krieg zu Ende ging, flohen viele Menschen gen Westen. Den herannahenden Sowjettruppen wollte damals niemand mit einer Waffe in die Hände fallen, sagen Experten. Verständlich also, dass Waffen „entsorgt“ wurden.

Ist das im Spansberger Tümpel geschehen? In der Gröditzer Stadtchronik ist von einem solchen Vorfall nichts zu lesen. Stadtchronist Paul Namyslik weiß auch nichts davon. Er könne sich aber gut vorstellen, dass so etwas vorgekommen ist. Auch in Zeithain, wo er als Kind gelebt habe, seien damals im Dorfteich Waffen gefunden worden. – Nachfrage bei der langjährigen Bürgermeisterin der Altgemeinde Nauwalde, zu der das Dorf Spansberg gehörte. Doch Barbara Hoffmann, die selbst in Spansberg wohnt, kann nicht weiterhelfen. Daran, dass der Teich je entschlammt wurde, kann sie sich allerdings auch nicht erinnern. Der Tümpel gehöre aber auch nicht der Kommune, sondern sei Kirchgemeinde-Eigentum.

Was weiß man dort über möglicherweise versenkte Waffen und Gegenstände mit NS-Bezug? Heiner Sandig, ab den frühen 1970ern viele Jahre als Pfarrer in der Gegend aktiv, hört auch zum ersten Mal davon . Er verweist auf einen alten Spansberger, der noch Zeitzeuge gewesen sein könnte. Doch der auf einem großen Gehöft lebende Senior zeigt sich zugeknöpft, lässt eine Frage gar nicht erst zu.

Schließlich findet sich doch noch ein Dorfbewohner mittleren Alters, der die Geschichte von den versenkten Waffen gehört hat. Ja, sagt er, das sei mal gemunkelt worden. Früher. Dass sich an dem Tümpel in Spansberg Schatzsucher und Sondler zu schaffen machen, wie es der Absender in seiner E-Mail an die SZ behauptet, kann der Anwohner allerdings nicht bestätigen. – Sollten bei Kriegsende tatsächlich Waffen in dem Tümpel versenkt worden sein, wäre eine Schatzsuche im Teich auch nicht ratsam.

„Kampfmittel sind auch nach vielen Jahren im Erdreich oder Wasser als gefährlich zu betrachten, da die Kampfmittel durch die lange Zeit unberechenbar geworden sind“, sagt Jürgen Scherf, Sprecher des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Sachsen (KMBD). Welche Gefahr bestehe, könnten nur sehr erfahrene Kampfmittelräumer einschätzen. Auch beim KMBD weiß man nicht, ob Waffen im Spansberger Tümpel liegen. Es sei aber durchaus nicht ungewöhnlich gewesen, nach Kriegsende Waffen auch in Seen und Teiche zu werfen, bestätigen auch die Kampfmittel-Experten aus ihrer eigenen Erfahrung. Bisherige Funde „umfassen das gesamte Spektrum an Kampfmitteln und können je nach Größe und strategischer Lage des Gewässers sogar Fliegerbomben betreffen.“

Eine Bombe dürfte sich in Spansberg nicht finden. Aber ob im Tümpel tatsächlich die behaupteten Waffen oder Orden liegen? Es dürfte vorerst weiterhin ein Geheimnis bleiben. Nachzuschauen könnte zu riskant sein.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 9 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Frosti

    Jetzt schnell ne Pommesbude daneben aufbauen damit die ganzen Hobby- Archäologen die nun folgen werden auch was zu futtern haben. Marktlücke.

  2. PS

    Nein, liebe sz - diese Veröffentlichung finde ich gar nicht gut, auch nicht mit der enthaltenen Warnung. Besser wäre es gewesen, nur die Kampfmittelräumer zu informieren und erst nach deren Sondierung/Beräumung die Öffentlichkeit zu informieren.

  3. uwe

    Werte Redaktion, warum schreibt man solch einen Artikel? Welchen Informationsgehalt hat dieser Beitrag? Meiner Meinung geht der gegen Null. Und weckt eventuell nur eigenartige Begehrlichkeiten bei "Unvernünftigen". Alte Leute erzählen viel und nicht alles davon muss man aufschreiben oder dem nachgehen, besonders in einer Tageszeitung.

  4. Autofahrer

    Naja ist eben bissel wie ´BILD´,vorab die Schlagzeile-Teich soll Nazi-Relikte enthalten -und schon wird die Zeitung gelesen...Ziel erreicht.

  5. Anton

    @uwe,vllt.möchte das Dorf aus seinem Dornröschenschlaf geweckt werden?Oder ein älterer Herr (Ex-Anwohner)möchte sich nochmal wichtig tun?Bleibt nur zu hoffen das durch eventuelle illegale Bergungsversuche niemand zu Schaden kommt.

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