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Mittwoch, 16.05.2018

Sommerlicher Neustart im Schänkhübel?

Betreiber Jürgen Lohmann will ein Biergartenzelt aufbauen. Auch für den Gasthof in Rossendorf hat er große Pläne.

Von Julia Vollmer

Es geht voran beim Wiederaufbau des Gasthofes in Rossendorf.
Es geht voran beim Wiederaufbau des Gasthofes in Rossendorf.

© Arvid Müller

Rossendorf. Ich blicke trotz allem optimistisch in die Zukunft.“ Jürgen Lohmann, der vor zwei Jahren in einer Nacht seine gesamte Existenz verlor, will in diesem Sommer wieder starten. Damals brannte der Gasthof Schänkhübel in Rossendorf komplett nieder. Es war Brandstiftung – da ist sich die Polizei inzwischen sicher.

Im Hof seines Restaurants möchte er ein Biergartenzelt eröffnen. Im Oktober sollen sich dann auch die Pforten für die Besucher in das Innere des Traditionshauses öffnen. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Denn noch gilt der von der Stadtverwaltung verhängte Baustopp.

Lohmann erlebte in den vergangenen Monaten ein stetes Auf und Ab. Er ließ eine Bodenplatte als Grundgerüst für den Sommerpavillon in den Boden ein. „15 000 Euro kostete mich die“, sagt er. Doch das Regenwasser hätte so nicht mehr abfließen können. Deshalb fordert ihn die Bauaufsicht jetzt auf, die Platte zu entfernen. Wenn das geschehen ist, soll er wieder bauen dürfen.

Löschwasser-Versorgung muss gesichert sein

Die Stadt bestätigt den Baustopp. Und nennt noch einen weiteren Grund. Die Arbeiten am neuen Dach. „Die Baueinstellung wurde erlassen, da genehmigungsbedürftige Baumaßnahmen am Dach ohne die Baugenehmigung ausgeführt worden sind“, sagte Doris Oser, persönliche Referentin von Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne). Der Bauantrag von Lohmann sei derzeit nicht genehmigungsfähig. Er könne außerdem kein Löschwasser nachweisen. Außerdem müsse noch die Naturschutzbehörde der Baugenehmigung zustimmen, da sich der Schänkhübel in einem sogenannten Außenbereich befindet, so die Stadt. Eine Baugenehmigung für den Neubau des Daches könne erst erteilt werden, wenn die Löschwasser-Versorgung gesichert sei, sagt Oser.

Jürgen Lohmann ist in Gesprächen mit der Bauaufsicht. Die Forderungen nach der Löschwasser-Versorgung bereiten ihm Sorge. „Ich müsste mir einen eigenen See oder Tank anlegen. Laut Angeboten, die ich eingeholt habe, würde das zwischen 20 000 und 60 000 Euro kosten – sehr viel Geld“, sagt er. Um eine Lösung wird er nicht herumkommen, wenn er wieder öffnen will.

Die Zeit drängt

Und das wünschen sich viele. Die SZ erreichen immer wieder Briefe mit Solidaritätsbekundungen. „Ich wünsche dem Mann viel Kraft für die Hürden und komme sicher als Gast vorbei, wenn wieder geöffnet ist“ oder „Kaum zu glauben, was dem Mann für Steine in den Weg gelegt werden“ ist zu lesen.

Bei Jürgen Lohmann drängt die Zeit. Seit zwei Jahren verdient er mit seinem Gasthaus keinen Cent. Wie finanziert er aktuell seinen Lebensunterhalt? Zurzeit arbeitet er wieder in seinem alten Beruf als Unternehmensberater. Doch der Wiedereinstieg in die Branche war hart. „Ich war komplett raus und habe vorher zu hundert Prozent im Schänkhübel gearbeitet“, erzählt er. Von der Versicherung hat er zwar Geld bekommen nach dem Brand – 160 000 Euro. „Allein 50 000 Euro hat die Beseitigung der Brandspuren gekostet“, so Lohmann. Insgesamt habe er bereits 200 000 Euro investiert.

Wenn er die Baugenehmigung bekommt, wartet viel Arbeit auf ihn. Besonders bei der Sanierung des Obergeschosses. Das Feuer breitete sich in Sekundenschnelle aus und zerstörte die obere Etage sowie das Dach. Das Löschwasser hinterließ einen großen Schaden „Zehn Stunden lang ist das Wasser geflossen“, so der Betreiber. Das Wasser durchweichte Böden und Wände. Im Obergeschoss will er statt der vier Pensionszimmer, die er bisher betrieb und die auch zerstört wurden, einen Veranstaltungsraum bauen lassen.