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Samstag, 30.12.2017

Schweres Jahr für Moritzburger Fischer

Gerade einmal 100 Tonnen Karpfen wurden aus den 24 Teichen geholt. Normal wären 160 Tonnen gewesen.

Von Sven Görner

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Die Moritzburger Teichfischer sind es gewohnt, dass das Ergebnis ihrer Arbeit wie bei den Landwirten und den Winzern auch von der Natur abhängt. Trotzdem hat sie der Ertrag der diesjährigen Karpfenernte überrascht. Denn Anzeichen für die hohen Verluste gab es nicht.
Die Moritzburger Teichfischer sind es gewohnt, dass das Ergebnis ihrer Arbeit wie bei den Landwirten und den Winzern auch von der Natur abhängt. Trotzdem hat sie der Ertrag der diesjährigen Karpfenernte überrascht. Denn Anzeichen für die hohen Verluste gab es nicht.

© dpa/Matthias Hiekel

Moritzburg. Seit der Woche vor Weihnachten herrscht Hochbetrieb bei der Teichwirtschaft Moritzburg. Damit jeder zu seinem Wunschkarpfen kommt, muss wie am Fließband geschlachtet, ausgenommen, portioniert, filetiert und auch geräuchert werden. Da wird jede geübte Hand gebraucht. Nicht nur die der Mitarbeiter, sondern auch von bewährten Aushilfskräften. Am Sonnabend ist auch der Hofladen in Bärnsdorf noch einmal von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Erst dann zieht Ruhe ein.

Für den Geschäftsführer Henry Lindner und seine Mitarbeiter ist das normal. In den letzten beiden Wochen des Jahres werden in der Regel zwischen 20 und 30 Tonnen Karpfen verkauft. Das ist dann aber auch fast schon alles, was für die Binnenfischer in diesem Jahr normal verlief. Denn 2017 ist eines der schlechtesten Jahre der Teichwirtschaft Moritzburg seit Langem. „Wir haben gerade ´mal 100 Tonnen aus den 24 von uns bewirtschafteten Teichen geholt“, sagt Henry Lindner.

Er ist seit 15 Jahren dabei und kann sich nicht daran erinnern, von einem vergleichbaren geringen Fischertrag gehört zu haben. In guten Jahren, wenn im Frühjahr ausreichend Satzfische zur Aufzucht in die Teiche gebracht werden können, beträgt die Ernte schon mal um die 180 Tonnen. Für dieses Jahr hatte Henry Lindner eigentlich auf 160 Tonnen gehofft.

Bis zum Abfischen der ersten Teiche war kaum damit zu rechnen gewesen, dass es anders kommen könnte. Schon gar nicht so deutlich. Denn im Frühjahr waren die Teiche gut gefüllt, und auch der Sommer war mit Wassertemperaturen um die 23 Grad optimal für die Fische. Nur einmal gab es eine brenzlige Situation am Oberen Waldteich, als dort zwei Tage der Sauerstoff knapp wurde. Am Ende fing sich der Teich aber wieder selbst, ohne dass er zusätzlich belüftet werden musste.

Umso überraschter war der Geschäftsführer dann auch, als aus den ersten großen Teichen deutlich weniger Karpfen als erwartet geholt wurden. Am Ende summierten sich die Verluste im Vergleich zu den eingesetzten Fischen so schließlich auf die Anfang Oktober befürchteten 40 bis 50 Prozent.

Doch das war nicht der einzige Schlag, der das Unternehmen in diesem Jahr getroffen hat. Wegen Sturm Herwart musste am letzten Oktoberwochenende das traditionelle Fisch- und Waldfest abgebrochen werden. Gefeiert wurde so nur an einem statt an zwei Tagen. Der Aufwand für Auf- und Abbau war der Gleiche. Auch das bedeutete für die Teichfischer Verluste. „Wenn wir unsere Fische direkt an die Endverbraucher verkaufen, ist unsere Gewinnspanne höher, als wenn wir an den Großhandel liefern“, sagt Henry Lindner.

Ein großes Problem ist für den Geschäftsführer zudem, dass nicht klar ist, warum die Ernte so gering ausgefallen ist. Kormoran und Fischotter allein können nicht für den Ausfall verantwortlich sein. Möglich, dass ein Teil der Satzfische geschwächt oder gar krank war. „Wenn immer nur einige Karpfen verenden und es kein großes Fischsterben gibt, fällt das nicht auf, denn die toten Fische werden von anderen Tieren gefressen.“ Als eine Maßnahme sollen die Satzfische daher im nächsten Jahr nicht nur auf den gefährlichen Koiherpes-Virus, sondern auch auf andere Krankheiten hin untersucht werden.

Wirtschaftlich haben die Bärnsdorfer versucht, einen Teil der Verluste aufzufangen, indem mehr veredelte Ware verkauft wurde. „Wir haben diesmal nur geringe Mengen an lebenden Karpfen geliefert.“ Stattdessen wurde mehr Fisch küchenfertig, halbiert, filetiert und geräuchert angeboten. Auch der Preis je Kilo sei leicht um fünf Cent angehoben worden.

„Wie groß das finanzielle Minus genau ist und welche Sparmaßnahmen notwendig sind, werden wir erst nach der Abrechnung des Jahresendgeschäfts wissen.“

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Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Hundling

    Eine Ertragsverfehlung um 40-50 Prozent? Und die Ursachen weiterhin unklar? Klingt vor allem nach unfähiger Geschäftsführung.

  2. Frosti

    Sind hundert Tonnen nicht genug? Was passiert mit dem Fisch? Wer braucht so viel Karpfen?

  3. Biker

    @ 1 und 2: Bei Fischerei kann es immer passieren, dass man weniger aus dem Teich holt als erwartet, Verluste durch Fischotter und -reiher, sterbende Fische... das kann keiner voraussagen. Das hat nichts mit unfähiger Geschäftsführung zu tun. „Wenn wir unsere Fische direkt an die Endverbraucher verkaufen, ist unsere Gewinnspanne höher, als wenn wir an den Großhandel liefern“ - geklärt, wo die Fische hingehen?

  4. Vincent

    Danke Merkel!!!

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