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Samstag, 02.12.2017

Schulen können Unterricht nicht garantieren

Stundenpläne werden massiv gekürzt, weil in Sachsen Lehrer fehlen. Nur manche Schulen können voll unterrichten.

Von Andrea Schawe

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Der Mangel an Lehrern wird zu deutlich mehr Unterrichtsausfall führen.
Der Mangel an Lehrern wird zu deutlich mehr Unterrichtsausfall führen.

© Dietmar Thomas

Dresden. Viele Schulen in Sachsen bekommen den Lehrermangel zu spüren. Noch mehr als im vergangenen Schuljahr wirken sich die fehlenden Lehrer auf die Unterrichtsversorgung aus. Im laufenden Schuljahr ist es nicht gelungen, den Unterricht im Grundbereich komplett zu gewährleisten. Das geht aus der vorläufigen Statistik für das laufende Schuljahr 2017/18 hervor. Die Zahlen bekommt das Kultusministerium von den Schulen gemeldet.

Demnach kann der Unterricht, der nach geltender Stundentafel gehalten werden muss, weder in den Grund- noch in den Oberschulen vollständig abgesichert werden. Die Grundschulen unterrichten nur 98,1 Prozent der vorgegebenen Stunden. Zu Beginn des vergangenen Schuljahres waren es noch 99,4 Prozent. Auch in den Oberschulen fehlen Lehrer, um alle Stunden zu unterrichten. Nur 98,3 Prozent des Grundbereichs können geleistet werden – weniger als im Vorjahr. Der meiste Unterricht fällt in den Förderschulen aus: Die Unterrichtsversorgung ist auf 94,5 Prozent gesunken.

In den sächsischen Gymnasien sieht es anders aus. Mit 99,7 Prozent kann der planmäßige Unterricht fast vollständig abgesichert werden. Auch die berufsbildenden Schulen meldeten eine weitgehende Erfüllung der vorgegebenen Stundentafel.

Der Mangel an Lehrern wird so zu deutlich mehr Unterrichtsausfall führen. Dabei erreichten die ausgefallenen Stunden schon im vergangenen Schuljahr mit 4,8 Prozent einen Höchststand. An Sachsens Grundschulen waren das 2016/17 mehr als 6600 Stunden. Im Vorjahr fielen nur 800 Stunden in den Grundschulen geplant aus. An den Oberschulen nahm die Zahl der planmäßig ausgefallenen Stunden schon im vergangenen Schuljahr sachsenweit von etwa 2 800 Stunden auf mehr als 12 180 zu.

In diesem Schuljahr sind viele Schulen in Sachsen schon mit gekürzten Stundentafeln in das neue Schuljahr gestartet. Ein Grund ist, dass mehr als die Hälfte der im September neu eingestellten Seiteneinsteiger noch die dreimonatige Einstiegsqualifikation absolviert haben. Sie können erst ab sofort in den Schulen unterrichten.

Insgesamt sind nach Angaben des Kultusministeriums in diesem Schuljahr 33 580 Lehrkräfte in Sachsens Schulen tätig. Dazu kommen 940 Referendare und Lehramtsanwärter. Sie unterrichten etwa 401130 Schüler – das sind etwa 4 300 mehr als im Schuljahr 2016/17. Besonders in den beiden Großstädten Dresden und Leipzig gibt es mehr Schüler.

Im kommenden Februar will das Kultusministerium weitere neue Lehrer für den Schuldienst verpflichten. 660 freie Stellen stehen zur Verfügung.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 19 Kommentare

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  1. Dresdner

    Vorschlag: höchste Ausfall-Prozentzahl nehmen, mit 3 multiplizieren und um die errechnete Prozentzahl die Bezüge/Ruhestandsgehälter (nach Steuer!) der verantwortlichen Politiker (Finanzminister und -Staatssekretär, Ministerpräsident und CdS sowie Kultusminister und -Staatssekretär) kürzen. Dummheit und Ignoranz gehören bestraft!

  2. Mutter

    @ Gernot: "Die Lehrerverbände rechnen dem Kultusministerium schon seit 20 Jahren genau DAS vor was heute auch tatsächlich passiert." - die Lehrerverbände, allen voran die GEW, sind mit Schuld an der derzeitigen Misere. Auf deren Drängen wurde die Teilzeitregelung der Lehrer beendet und dadurch wurden jahrelang keine neuen Lehrer eingestellt. Die GEW als alte Stasigewerkschaft kann eh nur meckern!

  3. Mick Jagger

    Die Förderschulen sollten schon mal die Kapazitäten erweitern! Nein, es ist zum Kotzen in Sachsen. Jagt endlich diese alte Tillich-Riege zur Hölle. Jahrelanger Stillstand in allen Bereichen, aber man verabschiedet sich in einen hochfinanzierten Ruhestand wie ein Feudalherr. Warum macht Sachsen so etwas mit?

  4. Mutter

    Der tatsächliche Unterrichtsausfall ist viel größer. Die Schulen werden vom Schulamt angewiesen, möglichst wenig Ausfall zu schreiben. Wenn ein Lehrer zwei Klassen auf einmal "unterrichtet", eine Klasse Stillbeschäftigung hat oder Aufgaben für zu Hause bekommt, wird das als fachgerecht gehaltene Unterrichtstunde gezählt.

  5. Steuerzahler

    Solange in Sachsen noch Neiddebatten die schnelle Einführung des Beamtenstatus verhindern, solange ist die Not noch nicht groß genug. Seit Jahren sagt man, in Sachsen dürfen Lehrer nicht verbeamtet werden, weil auch andere Arbeitnehmer - oftmals in der GEW organisiert - in Sachsen weniger verdienen. Warum setzt ihr keine Anreize für Grundschullehrer oder Oberschullehrer mit entsprechender Fächerkombination? Mit entsprechend viel Geld könnt ihr auch mal wieder auswählen. Statt dessen stellt ihr weiterhin in großen Mengen Ethik/GK/Geschichte Lehrer für die Gymnasien oder Nichtlehrer ein. Gleichmacherei hat schon früher nichts gebracht.

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