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Freitag, 29.12.2017

Schleuser arbeiten immer professioneller

Der sächsische Chef der Bundespolizei sieht drei neue Trends, wie Flüchtlinge nach Sachsen gebracht werden.

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August 2015: Die Bundespolizei stoppt einen Transporter mit 33 illegal Eingereisten. Die Schleuser wurden jetzt verurteilt.
August 2015: Die Bundespolizei stoppt einen Transporter mit 33 illegal Eingereisten. Die Schleuser wurden jetzt verurteilt.

© Marko Förster

Markus Pfau (35) leitet die Kripo der Bundespolizei für Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.
Markus Pfau (35) leitet die Kripo der Bundespolizei für Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.

© Ronald Bonß

Herr Pfau, wann haben Sie das letzte Mal einen Schleuser hinter Gitter gebracht?

Das Landgericht Dresden hat vor gut zwei Wochen einen Schleuser zu einer Haftstrafe von über fünf Jahren verurteilt, gegen den wir über ein Jahr ermittelt haben. Er war einer der Köpfe einer bulgarischen Schleuserbande und etwa für eine Schleusung im August 2015 verantwortlich, bei der wir 80 Menschen auf einem Lkw in Berggießhübel fanden. Sie waren über die A 17 gekommen und teils kurz vor dem Kollabieren, weil sie kaum Luft auf der Ladefläche bekamen. Der Fahrer des Lkws ist schon 2016 verurteilt worden.

Geht es nach den Zahlen, geht die illegale oder irreguläre Migration seit 2015 deutlich zurück. Stimmt das Bild?

Wir verzeichnen gegenüber 2015 und 2016 einen Rückgang. Das ist der Tatsache geschuldet, dass wir eine Massenbewegung hatten, die sich bis Frühjahr 2016 auswirkte. Wir registrieren jetzt niedrigere Zahlen, dafür aber eine deutliche „Qualitätssteigerung“. Schleusernetzwerke agieren professioneller und sind besser organisiert.

Was heißt neue „Qualität“?

Wir registrieren drei Trends: Seit dem Sommer steigen die Schleusungen per Lkw oder Kleintransporter wieder an. Da werden bis zu 80 Personen unter Gefahr für Leib und Leben eingepfercht und über die Balkanroute und Tschechien nach Sachsen gebracht. Ein zweiter Trend ist die Ausweitung der Urkundenkriminalität. Migranten werden gefälschte Dokumente angeboten, um sie mit einer scheinlegalen Identität auszustatten. Das dritte Phänomen ist die Erschleichung von Visa: beim Visumsantrag werden falsche Angaben gemacht, um Dokumente zu erhalten. Schleusernetzwerke produzieren diese Trends, sie bieten Strukturen und Dienstleistungen an, um große Profite zu machen. Eine Schleusung kann pro Person bis zu 12 000 Euro kosten.

Stichwort Lkw-Schleusung: Wie funktioniert das genau?

Das geschieht etappenweise über die Balkanroute. Die Menschen werden in Bulgarien oder Rumänien auf Lastwagen verladen und dann meist nonstop über Tschechien und die A 17 oder die A 4 nach Sachsen gebracht. Die Migranten befinden sich also zwölf Stunden unter menschenunwürdigen Bedingungen in den Lastwagen.

Auch die A 4 ist eine Schleuserroute?

In Sachsen münden zwei Routen: die Balkanroute und die sogenannte Ostroute. Auf Letzterer werden über den Grenzübergang Ludwigsdorf immer mehr Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion geschleust. Sie kommen etwa aus der Ukraine. Oft sind es russische Staatsangehörige mit tschetschenischer Volkszugehörigkeit, Moldauer, Weißrussen und andere Osteuropäer. Außer den Tschetschenen kommen sie in den meisten Fällen nicht wegen Asyl, sondern arbeiten zeitweise in Deutschland.

In welchen Branchen sind sie tätig?

Gerade Ukrainer sind im Baugewerbe, bei Paketdiensten oder in der Gastronomie anzutreffen. Dieses Phänomen haben wir im gesamten Zuständigkeitsbereich unserer Pirnaer Direktion, der sich über Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erstreckt.

Was steckt dahinter?

Wir registrieren auch hier Netzwerke und Organisatoren, die das konkret planen und die Leute gezielt reinholen, um sie illegal arbeiten zu lassen. Das Ganze geht natürlich zulasten des Sozialstaats und all jener Unternehmen, die sich an die Regeln halten. Wir hatten erst so einen Fall in Erfurt. Da ging es um einen deutschen Subunternehmer, der für ein großes Logistikunternehmen arbeitet.

Ein Unternehmer als Schleuser?

Er hat vor allem Weißrussen, Ukrainer und Moldauer eingeschleust, um sie dann hier als Paketboten für das Logistikunternehmen durch Thüringen zu schicken. Da geht es klar um sehr viel Profit, weil so ein illegal beschäftigter Paketbote maximal 500 Euro pro Monat bekommt, wenn er es gut trifft. Wir haben in diesem Fall 35 Personen festgenommen.

Was verbirgt sich hinter dem Trend Urkundenfälschung?

Gegenüber Lkw-Schleusungen ist das ein komfortabler Weg, aber teurer. Mit gefälschten Dokumenten wie Pässen und Personalausweisen kann man auch per Flugzeug einreisen. Es gibt dafür einen unwahrscheinlich großen Markt. Die Dokumente werden im Internet vertrieben, über Facebook und WhatsApp. Dort kann man diese Dokumente kaufen oder aber über den herkömmlichen Weg über Mittelsmänner von Schleuserorganisationen. Die Dokumente kommen oft aus Transitländern wie der Türkei und Griechenland. Gegenwärtig sind wir auch auf rumänische Identitätskarten, mit denen man sich frei in Europa bewegen kann und mit Einschränkungen sogar arbeiten könnte, spezialisiert sowie italienische und griechische Dokumente.

Wagen Sie eine Prognose für 2018?

Es gibt keinen Anhaltspunkt für uns, dass der Migrationsdruck auf die EU und Deutschland nachlässt. Wir gehen davon aus, das die Schleusungskriminalität sich auf einem ähnlichen Niveau wie 2017 entwickelt. Osteuropa wird mehr in den Fokus rücken.

Polizeioberrat Markus Pfau ist der Leiter der Kriminalitätsbekämpfung bei der Bundespolizei für Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Das Gespräch führte Tobias Wolf.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 39 Kommentare

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  1. Hundling

    4. Trend: Die Intelligenzflüchtlinge sind montags auf der Demo.

  2. Berg

    Und ich verstehe alle, die sich vor diesen ungezählten jungen Muslimen fürchten, die nichts besitzen als ein Smartphone, um dem nächsten Flashmob folgen zu können.

  3. AFD Wähler

    Macht doch endlich die Grenzen dicht, was soll dieser Wahnsinn. Hilfe und Asyl dem der es wirklich braucht,ihm all unsere Unterstützung. Aber die vielen Migranten, was erwarten diese Menschen von unserem System? Wer kriminell wird...sofort zurück. Sind wir mit solch Vorschägen rechtsradikales Pack.

  4. Peter Kastner

    Habe heute einen zutreffenden Satz gelesen: "Das Prinzip Merkel ist doch: laufen lassen. Irgendwo wird es schon hinführen." Im obigen Artikel der SZ sehen wir, wohin uns das geführt hat.

  5. Sven L.

    Vor Jahren gab es mal diesen Satz zu lesen: "Ein Staat, der seine Schutzfunktion aufgibt, schafft sich selbst ab." Und nun denke man mal an die, die 1945 diesen Staat aus Trümmern wieder aufgebaut haben. Geht man so mit deren Vermächtnis um?

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