• Einstellungen
Dienstag, 12.09.2017

Probleme mit Eltern-Taxis

Jeden Morgen vor Schulbeginn stauen sich Autos vor dem Gymnasium Luisenstift. Eine Kurzzeit-Parkzone soll entlasten.

Von Uta Büttner

5

Stoßstange an Stoßstange. Autos schlängeln sich durch die schmale Zillerstraße am Luisenstift-Gymnasium in Radebeul. Dabei kommt der Verkehr manchmal fast zum Erliegen.
Stoßstange an Stoßstange. Autos schlängeln sich durch die schmale Zillerstraße am Luisenstift-Gymnasium in Radebeul. Dabei kommt der Verkehr manchmal fast zum Erliegen.

© Norbert Millauer

Radebeul. Sieben Uhr auf der schmalen Zillerstraße vor dem Gymnasium Luisenstift in Radebeul. In den nächsten Minuten beginnt der tägliche Wahnsinn. Autos aus beiden Richtungen schlängeln sich durch die enge Straße. Immer nur ein Fahrzeug hat Platz, da auf einer Seite Autos parken. In Höhe der Schule stoppt ein Auto, eine Tür geht auf, ein Schüler steigt hastig aus. Dann geht es weiter. Doch plötzlich steht ein anderes Auto gegenüber. Hupen. Lärm. Abgase. Schnell in eine zum Glück noch freie Parklücke hineinlenken – dann kann der Verkehr weiterfließen. Und schon stoppt das nächste Auto. Dazwischen springen die Schüler über die Straße. Viele kommen auch mit dem Fahrrad. Eine Verkehrssituation, die mit Sicherheit nichts zu tun hat. „Deshalb haben sich die Elternsprecher in Zusammenarbeit mit der Stadt sehr engagiert, um die Verkehrssituation vor der Schule zu entspannen“, sagt Schulleiterin Heike Stolzenhain.

Als Ergebnis vieler Gespräche hat nun der Verkehrsrat der Stadt Ende Juni beschlossen, auf der östlichen Seite der Zillerstraße – also aus Richtung Zillerplatz kommend – eine Kurzzeitparkzone einzurichten. Ein Unternehmen wurde laut Radebeuler Verkehrsbehörde bereits mit der Aufstellung der Verkehrszeichen beauftragt. Wann genau die neuen Schilder stehen werden, kann Ingolf Zill, Leiter der Verkehrsbehörde, nicht sagen. Die Schilder sind im Schilderwerk bestellt. Da es aber nur wenige Hersteller in Deutschland gibt, seien die Lieferzeiten derzeit länger.

„Sobald die Schilder da sind, werden die Arbeiten umgehend ausgeführt“, sagt Zill auf Anfrage der Sächsischen Zeitung. Da das Aufstellen der Schilder also nur von dem Liefertermin abhängt, „gibt es bei normalen verkehrsrechtlichen Anordnungen deshalb keinen festgelegten Fertigstellungstermin“. Die Kurzzeit-Parkzone wird im Bereich des Eingangs zum Gymnasium angeordnet. Dann sei laut Ingolf Zill das Parken tagsüber von Montag bis Freitag für eine Stunde mit Parkscheibe erlaubt. Ob damit das Problem gelöst ist, wird sich zeigen. Denn im ungünstigsten Fall könnten die Parkplätze genau zu den Bringe- und Abholzeiten belegt sein.

Auf der anderen Straße besteht bereits Parkverbot. Eine im Verkehrsrat eventuell angedachte zusätzliche Markierung, eine sogenannte Zick-Zack-Linie zur Unterstreichung des Parkverbotes, wird es laut Straßenverkehrsbehörde nicht geben. Sie sehe an dieser Stelle keine Notwendigkeit dafür.

Die Schule würde sich laut Schulleiterin zusätzlich einen Fußgängerweg auf der Zillerstraße vorm Eingang zum Weinberghaus wünschen. Den wird es jedoch nicht geben. Laut Verkehrsbehörde seien aufgrund straßenverkehrsrechtlicher Regelungen Fußgängerüberwege in Tempo-30-Zonen entbehrlich.

Das Gymnasium ist so gelegen, dass Eltern ihre Kinder auch einige Meter entfernt, beispielsweise auf dem Zillerplatz, verabschieden könnten. Eltern werden vonseiten der Schule immer wieder angehalten, ihre Kinder an dieser Stelle aussteigen zu lassen. Laut Stadt sei sogar eine sogenannte „Kiss and Go Zone“ bei der geplanten Umgestaltung des Zillerplatzes geprüft worden. Ob diese Elterntaxi-Halteplätze angenommen werden, ist jedoch unklar. Denn schon jetzt könnten die Schüler von dort aus entspannt und sicher zum Gymnasium laufen.

Deshalb wäre vielleicht auch die Errichtung einer Einbahnstraße eine Option. So hat zum Beispiel das Franziskaneum Meißen sein Chaos vor der Schule gelöst. Auf jeden Fall würde eine Einbahnstraße auch Heike Stolzenhain gefallen, „da dann – bei Parkverbot auf einer Seite – ein sicheres Aus- und Einsteigen möglich wäre“.

Inzwischen ist es kurz vor halb acht. Ruhe. Kein Auto. Keine Fahrradfahrer. Nur noch ein Schüler, der drei Minuten vor Schulbeginn aus einem Haus an der Zillerstraße kommt und im straffen Lauf Richtung Schule im Eingang verschwindet. Von dem Verkehrschaos hat er zumindest nichts mitbekommen.

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Leser

    Schaut euch vor den Oberschulen um, wo das Aufkommen an Elterntaxis erheblich geringer ist. Gründe für diese Praxis, in dem Fall an Gymn. sind vielfältig und sicher hier und da nachvollziehbar, haben leider aber auch was mit Statusgehabe zu tun. Es sieht einfach schicker aus, wenn der/die Kronprinz(essin) vor den Mitschülern aus dem SUV/Benz etc. aussteigt. So gewöhnt sich der Nachwuchs auch gleich an die Dienste, die er später in leitender Funktion in Anspruch nehmen soll.

  2. Henrik

    @1 Leser, stimme zu. Bei einem Gymnasium gehe ich immer von "größeren Kindern" aus, welche im lauffähigen Alter und gut zu Fuß ebenso weitere Distanzen, auch unter Einbindung öffentlicher Verkehrsmittel überwinden sollten. Leider ist das aber total uncool. Zudem etwas unterhalb ein kleiner Parkplatz ist aber nein, man muss bis vor die Tür fahren. Selbst in der Grundschule Oberlössnitz wird ohne Rücksicht auf Verluste im Halteverbot das Mercedes Cabrio abgeworfen. Wir reden hier von Grundschulkindern, welche zu Fuß dann kaum mehr eine Chance haben gefahrlos eigentlich einsichtige Passagen zu überqueren. Unsere Tochter ist 1. Klasse und läuft gute zwei Kilometer. Jeden Tag hin und zurück. Hab schließlich keinen Taxischein und auch keinen Bock mir diesen Stress anzutun. Mal drüber nachdenken und nicht vermeintliche Probleme wieder abwälzen...

  3. Leser

    Wie gesagt, es gibt nachvollziehbare Gründe den Nachwuchs zu bringe/holen. Was ich ausdrücken will ist der "Status"-Grund, sicher auch, dass es schon deswegen in der Klasse eine Zweiklassen-Teilung in die die gebracht werden und den Chauffierten gibt.

  4. Mutter

    Vielleicht sollte man für die immer mehr werdenden Helikoptereltern auf jeder Schule einen Hubschrauberlandeplatz einrichten ;)

  5. Uta

    Ich arbeite -und suche täglich einen Parkplatz- in DD-Neustadt, in unmittelbarer Nähe einer Grundschule und einer Kita. Die Strassen sind eng, zugeparkt, schlecht einsehbar und wenn dort das Kind aus dem Auto gelassen wird, ist die Straße dicht. Dann wird noch geküßt, motiviert, gewunken etc. bis das Kind endlich in der Tür verschwunden ist. Dann gehts daran, den Stau aufzulösen. Das Gegenstück dazu sind die Radfahrer in der Neustadt. Helm und Hundeleine am Lenker, Handy am Ohr, Kind im Tuch auf den Rücken geschnallt und das während der Fahrt! Dort öfter mal eine Präsents des Ordnungsamtes wäre wünschenswert.

Alle Kommentare anzeigen

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.