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Montag, 19.06.2017

Nach Bahn-Chaos - Züge rollen wieder

Brandanschläge haben Montagmorgen die Bahn in Sachsen und anderen Teilen Deutschlands großflächig lahmgelegt. Das OAZ ermittelt, ein politischer Zusammenhang wird vermutet.

Lange ging gar nichts. Seit 10.30 Uhr rollen aber erste Bahnen wieder. Auf der großen Anzeigetafel im Dresdner Hauptbahnhof stehen wieder Abfahrtszeiten.
Lange ging gar nichts. Seit 10.30 Uhr rollen aber erste Bahnen wieder. Auf der großen Anzeigetafel im Dresdner Hauptbahnhof stehen wieder Abfahrtszeiten.

© Stefan Becker

Leipzig/Dresden. Montagmorgen um 7 Uhr - mitten im Berufsverkehr - musste die Deutsche Bahn den Zugverkehr in Dresden und weiten Teilen Sachsens einstellen. Betroffen waren der Fernverkehr, der Regional- und der S-Bahn Verkehr. Der Grund: Vandalismus, so twitterte es die DB.

Nichts ging mehr im Zugverkehr

Das Wichtigste in Kürze ...

  • Mindestens zwölf Brandanschläge in Leipzig, Berlin und Hamburg haben zu einem großflächigen Ausfall bei der Bahn gesorgt.
  • In Sachsen waren die Großräume Dresden, Chemnitz und Leipzig betroffen.
  • Auch Trilex-Züge in Ostsachsen und der Lausitz standen still.
  • Das OAZ hat in Sachsen die Ermittlungen übernommen.
  • Seit 10.30 Uhr ist der Verkehrsknoten in Dresden wieder am Netz. S-Bahnen, Trilex und Fernzüge nach Berlin fahren wieder.
  • Die Bahn informiert auf bahn.de über Verspätungen.

In einer Presseinformation teilte das OAZ am Vormittag mit, was die genaue Ursache der Großstörung war: Demnach gab es in der Nacht zwischen 1.00 Uhr und 4.30 Uhr bundesweit mindestens zwölf Brandanschläge auf Bahnstrecken der Deutschen Bahn AG. „Die Bundespolizei stellte in Niedersachsen, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Sachsen mehrere brennende Kabelschachte fest“, hieß es. In Leipzig seien an vier Tatorten Brandvorrichtungen hochgegangen; in Leutzsch, an der Riesaer Straße/Wurzener Straße, in Wiederitzsch und in der Slevoigtstraße.

Die Extremismusermittler gehen davon aus, dass zwischen den Bränden möglicherweise ein Zusammenhang besteht. „Eine politische Motivation beziehungsweise ein Bezug zum G20-Gipfel in Hamburg kann nicht ausgeschlossen werden“, hieß es in der OAZ-Mitteilung. Im Internet kursieren seit dem Vormittag Informationen, die diesen Verdacht nahelegen. Ein auf dem Portal linksunten.indymedia.org erschienener Artikel im Stile eines Bekennerschreibens endet mit den Worten „Shutdown G20 – Hamburg vom Netz nehmen!“

OAZ, Bundesländer und das BKA arbeiten zusammen und ermitteln gegen die unbekannten Täter wegen Verdachts des gefährlichen Eingriffes in den Bahnverkehr. Wer Hinweise geben kann, wird gebeten, sich bei der Leipziger Kriminalpolizei unter (0341) 966 46666 oder jeder anderen Polizeidienststelle zu melden.

Wer am Morgen Radio hörte oder ständig im Smartphone die Nachrichtenlage verfolgte, erfuhr schnell, dass die Signalanlagen infolge von Kabelbränden gestört und Streckenteile nicht befahrbar waren. Reisende und Pendler auf den Strecken Leipzig-Dresden, Leipzig-Coswig, Leipzig-Chemnitz, Leipzig-Halle und Leipzig-Erfurt sollten deshalb mehr Zeit einplanen, so die Bahn.

Bahnverkehr rollt wieder an

Aufatmen um 10.30 Uhr: Die elektronischen Stellwerke in Dresden-Neustadt und am Dresdner Hauptbahnhof sind wieder in Betrieb genommen worden. Kurze Zeit später rollte im Hauptbahnhof der erste Zug. Die S1 von Dresden nach Schöna fuhr aus. Auch der Fernverkehr auf der Strecke nach Berlin lief wieder an. Ebenso normalisierte sich die Lage rund um Leipzig. Bis die Züge nach der Großraumstörung wieder überall planmäßig fahren, sollte es aber noch bis zum späten Nachmittag dauern.

Die Züge des Verkehrsunternehmens Trilex in der Lausitz und in Ostsachsen waren am Nachmittag ebenfalls wieder unterwegs. „Aufgrund der massiven Beeinträchtigung des Nah- und Fernverkehrs wird es allerdings noch etwas dauern, bis alle Züge wieder fahrplanmäßig verkehren“, erklärte Trilex-Sprecher Jörg Puchmüller.

Video: Kein Zug fährt am Dresdner Hauptbahnhof

An den Bahnhöfen in den sächsischen Großstädten bildeten sich am Morgen schnell lange Schlangen. Fahrgäste und Pendler wollten wissen, wie sie weiterkommen nach Berlin, Leipzig oder zur Arbeit ins Dresdner Umland. Doch auf die Schnelle konnten die Bahnmitarbeiter die vielen Fragen nach Schienenersatzverkehr oder Kostenübernahme für die Mietwagen oder Fernverkehrsbusse nicht beantworten. „Sie können es probieren“, sagte ein DB-Service-Mann im Neustädter Bahnhof und musste sich die Schimpftiraden der gestrandeten Fahrgäste anhören, die immer wieder mit „Typisch Bahn“ loslegten.

Doch die Bahn konnte für das Chaos zum Wochenbeginn nichts, schließlich kam es infolge der Anschläge auf das Kabelnetz zu den Störungen. Große Verkehrsbeeinträchtigungen gab es auch in Hamburg, wo zwei Brände gemeldet worden waren. Die Strecke nach Lübeck war unterbrochen. In Berlin brannte es im S-Bahnhof Treptower Park. Im Berufsverkehr der Millionenstadt kam es deshalb zu erheblichen Einschränkungen. Betroffen waren zahlreiche S-Bahnlinien, teilte die S-Bahn auf Twitter mit. (fsc/nm/dpa)

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 52 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Hartmut Krien

    Vor 50 Jahren haben grün-links gestrickte Studenten das Klopapier auf dem Uniklo gemaust um ihrem Systemprotest Ausdruck zu verleihen. Heute sind im Windschatten grün-rot-linker Parlamentseinflüsse daraus organisierte vernetzte Straftäter geworden. Die Polizei wird mit Vorwänden -wie Datenschutz oder vorgeschobenen Untersuchungen- gehindert effektiv zu arbeiten. Wie kann es sein, daß so eine Aktion nicht von 3 Spinnern an einem Ort sondern, koordiniert in halb Deutschland durchgezogen wird. Ich würde mir wünschen, daß das an den Bahnhöfen stillstehende Volk nicht nur vodergründig auf die Bahn schimpft oder stur nur wartet, daß alles vorbei ist; sondern sich überlegt auf wessen Nährboden so etwas wächst - und das das Volk dann auch handelt.

  2. Eisenbahner

    Es gab Zeiten da war rund um die die Transportpolizei auf den Bahnhöfen unterwegs um solche Personen rechtzeitig zu ertappen aber wenn ich heutzutage eine meldung abgebe das unbekannt personen an oder im gleisbereich unterwegs sind dauert es zwei bis drei stunden bevor die BP vor Ort ist vorausgesetzt sie findet den ort überhaupt und muss sich nicht erst von bahnhof zu bahnhof und stellwerk zu stellwerk durchfragen.

  3. andy

    Politisch oder"neuerdings" auch religiös motivierte Taugenichtse , die es mit sich nicht auf die Reihe bekommen

  4. Andreas Mönch

    Herr Krien, bezugnehmend auf Ihren Kommentar: woher nehmen Sie Ihre Weisheiten? ich wundere mich dass Sie nicht im selben Atemzug auch noch die Asylsuchenden nennen .... bevor diese Taten nicht aufgeklärt sind bitte keine Vorverurteilungen!

  5. Franz Jäger

    ...das erinnert an ein berüchtigtes Herrenquartett aus Kopenhagen

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