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Mittwoch, 15.11.2017

Mit 35 wieder Azubi

Ein syrischer Lehrer ist einer von über 50 Ausländern, die einen Lehrvertrag bekommen haben. Der Weg dahin ist weit.

Von Maria Fricke

Ist eigentlich Englischlehrer, wollte Dolmetscher werden und lernt nun bei der Agentur für Arbeit in Freiberg: der syrische Flüchtling Basam Istanbuli. Am 1. September begann er seine Ausbildung bei der Arbeitsagentur.
Ist eigentlich Englischlehrer, wollte Dolmetscher werden und lernt nun bei der Agentur für Arbeit in Freiberg: der syrische Flüchtling Basam Istanbuli. Am 1. September begann er seine Ausbildung bei der Arbeitsagentur.

© Arbeitsagentur Freiberg

Freiberg/Döbeln. Mit 35 Jahren wechselt Basam Istanbuli noch einmal den Beruf. Der Syrer ist Flüchtling, kam mit Schlauchboot und zu Fuß nach Deutschland. Jetzt lebt er mit Frau und Kind in Freiberg. In Mittelsachsen ist er sesshaft geworden. Dazu gehört für Istanbuli auch, hier zu arbeiten. In Syrien war er Englischlehrer. Aber: Sein Abschluss wird in Deutschland nicht anerkannt.

Also ging auch er zur Agentur für Arbeit. Sein Ziel war es eigentlich, Dolmetscher beim Jobcenter zu werden. Mit der Behörde stand er als Leistungsbezieher bereits in Kontakt. „Das war jedoch nicht möglich“, sagte Antje Schubert, Sprecherin der Agentur für Arbeit Freiberg. In der Jobbörse der Agentur fand Istanbuli eine Ausschreibung zur Ausbildung „Fachangestellter für Arbeitsmarktdienstleistungen“. Er bewarb sich. Der Syrer wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Er nahm an einem Eignungstest teil. Diesen sowie das Auswahlverfahren überstand der 35-Jährige. Er überzeugte Agenturchefin Susan Heine. Sie nahm ihn bei der Arbeitsagentur als Lehrling auf. Am 1. September begann für den Syrer das zweite berufliche Leben.

Tischler, Bäcker, Bankkaufmann

Insgesamt 54 ausländische Azubis haben im Bereich der Regionalkammer Mittelsachsen der IHK Chemnitz für das Ausbildungsjahr 2016/17 einen Vertrag mit einem Betrieb abgeschlossen. 2016 waren es noch 42. Diese Zahlen nannte Andrea Tippmer, Referentin für Aus- und Weiterbildung der Regionalkammer. Die Mehrheit der Auszubildenden seien dabei Vietnamesen (22). „Sie sind gut versorgt. Es gibt viele positive Berichte von Unternehmen zum Beispiel aus den Bereichen der Pflege oder dem Bau“, so Tippmer. Im Bereich der Agentur für Arbeit hatten sich insgesamt 56 Ausländer um einen Ausbildungsplatz beworben. Darunter nur zehn junge Frauen, informierte Antje Schubert. Von 40 sei bekannt, dass sie die Chance erhalten haben, eine Lehre zu absolvieren, sagte Susan Heine, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Freiberg.

Speziell im Bereich Döbeln sind im Ausbildungsjahr 2016/17 sieben junge Flüchtlinge, die Leistungen des Jobcenters bezogen haben, in eine Ausbildung beziehungsweise ein Studium vermittelt worden, informierte Sprecherin Annett Voigtländer. Sie lernen nun unter anderem Tischler, Bäcker, Bankkaufmann oder studieren Informatik in wie außerhalb der Region. Die Bereitschaft der Unternehmen, ausländischen Azubis eine Chance zu geben, steige, bilanzierte Antje Schubert. „Wir sind auf einem guten Weg, aber die Situation ist noch nicht befriedigend“, meinte Frank Wagner, Präsident der Handwerkskammer Chemnitz.

Unmittelbar in die Ausbildung steigen die wenigsten ein. „Die meisten finden den Einstieg über eine Berufsqualifizierung. Wenn sie diese sehr gut absolvieren, kann sie sogar als erstes Lehrjahr anerkannt werden“, sagte Susan Heine. Bisher sei das jedoch noch nicht vorgekommen. Auch Basam Istanbuli hat vor Beginn seiner Ausbildung von März bis August ein solches Langzeitpraktikum mit Vergütung absolviert. Dabei sei er sowohl sprachlich gefördert als auch in diverse Fachbereiche des Arbeitsagentur mit eingebunden worden, berichtete Schubert.

Prüfung wie deutsche Azubis

Das Mittel hat sich bewährt. Denn die Qualifizierung ermögliche es den Arbeitgebern, die potenziellen Auszubildenden über eine längere Zeit im Betrieb kennenzulernen, fasste Voigtländer die Vorteile zusammen. Aus dem Bereich des Jobcenters befänden sich im Raum Döbeln derzeit vier Asylbewerber in einer solchen Maßnahme, um sie auf den Ausbildungsbeginn 2018 vorzubereiten, so Voigtländer.

Großes Problem für die meisten Flüchtlinge und Ausländer sind nach wie vor die Sprachkenntnisse. Es bestehe die Herausforderung, dass auch die ausländischen Auszubildenden mit ihren Sprachkenntnissen vor denselben Anforderungen in der Lehre stehen wie deutsche Bewerber. Und am Ende müssen sie ebenso die Prüfungen ablegen, in Deutsch. „Da gibt es keine Ausnahme für die Ausländer“, meinte Andrea Tippmer.

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