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Samstag, 12.08.2017

Milliarden zum Schutz gegen neues Hochwasser

Nach der Flutkatastrophe 2002 baut Sachsen ein modernes Schutzsystem auf – und verteilt Hilfsgelder heute anders.

Mitte August 2002: Die Verteidigung der Semperoper. Tausende Dresdener packen mit an, um ihre Stadt mit Sandsäcken vor den Wassermassen zu schützen.
Mitte August 2002: Die Verteidigung der Semperoper. Tausende Dresdener packen mit an, um ihre Stadt mit Sandsäcken vor den Wassermassen zu schützen.

© ddp/Michael Kappeler

Dresden. Plötzlich kam von überallher das Wasser: Vor 15 Jahren sorgten die Bilder einer gewaltigen Naturkatastrophe in Sachsen zuerst für Entsetzen und dann für eine Welle der Solidarität mit den Betroffenen.

Als die Weißeritz Dresden flutete

21 Menschen starben im Freistaat bei dem Ereignis, das als „Jahrhundertflut“ in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Neben dem schmerzlichen Verlust von Menschenleben sorgten die Wassermassen für Schäden in Milliardenhöhe. Nötig war ein umfangreiches Wiederaufbauprojekt.

Insgesamt 2,6 Milliarden Euro, so die aktuelle Bilanz des sächsischen Umweltministeriums, sind dabei inzwischen in den Aufbau eines landesweiten Schutzsystems geflossen – Deiche und Rückhaltebecken wurden saniert oder neu gebaut, Schutzmauern entstanden in gefährdeten Siedlungsgebieten und ein modernes Hochwasserwarn- und Meldesystem kann heute bis zu 60 Stunden im Voraus landesweit auf drohende Gefahren aufmerksam machen.

Minister Thomas Schmidt (CDU) sieht dennoch weiter Handlungsbedarf. „Trotz aller Maßnahmen, die der Freistaat ergriffen hat und die deutliche Wirkung zeigen – einen absoluten Schutz vor jeder nur denkbaren Naturkatastrophe kann es auch künftig nicht geben.“ Deshalb sei weiterhin die Eigenvorsorge jedes Einzelnen erforderlich, zum Beispiel durch ausreichenden Versicherungsschutz, so Schmidt. Das Thema Flutversicherung sorgt aber für Probleme. Nicht jeder Hauseigentümer kann sich die entsprechende Police leisten, nicht alle Versicherungen wollen für jedes hochwassergefährdete Gebäude einstehen und für eine generelle gesetzliche Pflichtversicherung fehlt die politische Mehrheit.

Reagiert hat man in Sachsen aber bei einem anderen Problem: So waren staatliche Fluthilfegelder nach der Katastrophe von 2002 zunächst ohne genaue Prüfung der tatsächlich entstandenen Schäden vergeben worden. In der Folge kam es zu etlichen Missbrauchsfällen und jahrelangen Rückforderungsverfahren. Inzwischen gilt ein neues System: Betroffene wie die des Hochwassers im Jahr 2013, erhalten Hilfsgelder seitdem nur noch gegen Vorlage von Rechnungen nach dem Erstattungsprinzip.

Letztlich bleibt der Flutschutz ein langwieriges und teures Projekt. So stehen dem Freistaat noch immer 100 Millionen Euro aus dem Aufbauhilfefonds von 2002 zur Verfügung. Dieses Geld soll nunmehr aber bis 2020 komplett investiert werden, heißt es. Zudem plant Sachsen – unter anderem im Rahmen des Nationalen Hochwasserschutzprogramms – zusätzliche Investitionen von 630 Millionen Euro. Bis 2023 sollen neue Polder, eine Deichrückverlegung und zwei Rückhaltebecken entstehen.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. R.B.

    Warum wurde bisher nirgends darüber geschrieben, daß die Maltertalsperre zuvor extra voll gefüllt wurde und warum steht die sehr große Eibenstockstalsperre für den Hochwasserschutz so gut wie nicht zur Verfügung - Berichtssperre!! R.B.

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