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Mittwoch, 22.06.2016

Meissen ja, aber wie?

Handbemalt oder nicht? In Sachsen ist eine Debatte darüber entbrannt, ob die Porzellan-Manufaktur Meissen den Kurs erneut ändern soll. Die alte Geschäftsführung hat Scherben hinterlassen.

Porzellan aus Meißen wird es weiter geben. Wie die Zukunft der Manufaktur genau aussieht, ist aber noch unklar.
Porzellan aus Meißen wird es weiter geben. Wie die Zukunft der Manufaktur genau aussieht, ist aber noch unklar.

© dpa

Dresden. Sachsens Landtag hat sich einhellig zur Zukunft der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen bekannt. Allerdings gibt es über die künftige Ausrichtung des Unternehmens und seine Struktur unterschiedliche Ansichten. Das ist das Fazit einer emotional geführten Debatte am Mittwoch im Parlament. „Die Herstellung von hochwertigem Porzellan bleibt das Kerngeschäft der Manufaktur“, sagte Finanzminister Georg Unland (CDU). Sie gehöre zum kulturellen Erbe des Freistaates und sei ein Teil der Identität Sachsens. Deshalb werde sie auch fortan ein sächsisches Unternehmen bleiben. Der Freistaat ist hundertprozentiger Gesellschafter der Firma.

Meissen hatte unter dem früheren Geschäftsführer Christian Kurtzke 2009 einen Strategiewechsel vollzogen. Der ehrgeizige Chef wollte die Manufaktur zu einem Luxuskonzern umbauen und ließ auch Schmuck, Kleidung und andere Accessoires produzieren. Allerdings misslang das Konzept. 2014 stand ein Verlust von 19,2 Millionen Euro zu Buche. Laut Geschäftsführer Tillmann Blaschke war die italienische Tochter Meissen Italia maßgeblich dafür verantwortlich. Zuletzt hatte Blaschke öffentlich darüber nachgedacht, mit bedrucktem Porzellan ein neues Geschäftsfeld zu eröffnen. Bislang steht Meissen für teures, handgemaltes Porzellan. Daran entzündete sich die aktuelle Debatte.

Unland versuchte am Mittwoch die Gemüter zu beruhigen. Aufsichtsrat und Geschäftsführung würden derzeit „über mögliche Anpassungen der gegenwärtigen Strategie“ beraten. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Aus wettbewerblichen Gründen könne man nicht über jede unternehmerische und strategische Überlegung öffentlich informieren.

Zuvor lieferten sich Politiker aller im Landtag vertretenen Parteien ein Wortgefecht. Die Linken, auf deren Antrag hin das Thema auf die Tagesordnung der Aktuellen Stunde gelangte, argumentierten sogar mit einem alten CDU-Wahlkampfslogan: „Keine Experimente!“ Sebastian Scheel, Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion, warnte davor, die Chancen der Manufaktur mit einem neuerlichen Kurswechsel aufs Spiel zu setzen. Er monierte auch, dass bei den Entscheidungen zu Meissen das Parlament bislang kein Mitspracherecht besaß.

Die CDU warf den Linken vor, die „stärkste Marke“ des Landes schlecht zu reden. „Die Linke verhält sich wie ein Elefant im Porzellanladen. Die Marke Meissen wird durch die von den Linken angezettelten öffentlichen Debatten stark beschädigt“, sagte Finanzexperte Jens Michel. Der Koalitionspartner SPD erinnerte daran, dass Sachsen als Gesellschafter nicht in die Geschäftsführung eingreifen könne. SPD-Politiker Mario Pecher konnte sich vorstellen, das „hochwertige Image“ von Meissen auch auf Gebrauchsporzellan zu übertragen.

Franziska Schubert von den Grünen widersprach vehement: „Entweder ich will Meissener Porzellan oder ich will Gebrauchsgeschirr.“ Damit wären ganz andere Käuferschichten verbunden. Meissen gelte es wieder auf seinen Kern - handgemaltes Porzellan - zu reduzieren. Die „zweifelhafte Expansionsstrategie“ mit Franchise-Methoden auf anderen Märkten müsse ein Ende haben. Sachsen stehe als Gesellschafter für Ausfälle in Millionenhöhe gerade. Der damalige Strategiewechsel sei eine fahrlässige Entscheidung gewesen. Zugleich verlangte sie mehr Transparenz bei Unternehmensbeteiligungen des Freistaates.

Mehr Transparenz lautete auch eine Forderung von AfD-Fraktionschefin Frauke Petry. Darauf hätten die Steuerzahler ein Recht. Petry sieht in einer Teilprivatisierung von Meissen einen Weg, „defizitäres Handeln“ zu beenden. (dpa)

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