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Mittwoch, 13.09.2017

Königin auf dem Weg zur Krönung

Sachsens Weinhoheit Friederike Wachtel paukt für die Prüfung zur Wahl der Deutschen Durchlaucht. Nicht nur ihr Nervenkostüm muss sitzen.

Von Nadja Laske

Charme und Schlagfertigkeit gehören neben Weinwissen und Ausstrahlung zu Friederike Wachtels Königsdisziplinen.
Charme und Schlagfertigkeit gehören neben Weinwissen und Ausstrahlung zu Friederike Wachtels Königsdisziplinen.

© Sven Ellger

So kam es, dass die schöne Tochter des Schmiedes Königin wurde. Man setzte ihr eine goldene Krone auf den Kopf und ließ sie durchs Land reisen, damit sie Gutes tun und das Volk sie kennenlernen konnte. Und weil sie nicht gestorben ist, regiert sie heute noch das sächsische Weinland.

Mit großer Begeisterung übrigens. Dass sich ihr Amtsjahr schon fast dem Ende neigt, kann Friederike Wachtel gar nicht so richtig glauben. Ihre Zeit als Sachsens Weinkönigin ist rasend schnell vergangen. In anderthalb Wochen wird sich die 28-Jährige um die Krone der Deutschen Weinhoheit bewerben, mit allem Wissen und Können, das sie in ihrem Fach zu bieten hat.

Der Gedanke an den Vorentscheid am 23. September ruft Erinnerungen wach – an jenen launigen Abend im Meißner Weingut Ricco Hänsch. Dort stand Friederike mit befreundeten Musikern auf der Bühne. Gesang begleitet sie seit ihrer Kindheit. Bis heute macht sie Musik. Jazz, Pop, auf jeden Fall süffig. Irgendwann entdeckte sie die Werbung für die Wahl der Deutschen Weinkönigin und kam mit dem Winzer ins Plaudern. Ob sie sich nicht vorstellen könnte, sich zu bewerben, fragte er. Nein konnte sie nicht. Friederike Wachtel stammt aus einer Handwerkerfamilie. Ihr Vater ist Schmied und betreibt das fast 140 Jahre alte Familienunternehmen. Die Eltern ihrer Mutter waren Fleischer. Wein? Den gab es zum Essen oder auch ohne. Aber nicht als Wissenschaft. „Ich dachte, es sei eine Anmaßung, Weinkönigin werden zu wollen, ohne eine Winzerfamilie zu haben.“

Ewig hielten sich die Zweifel nicht. Friederike Wachtel dachte gründlich nach und machte sich schlau. Fazit: Warum eigentlich nicht? Sie wäre ja doch nicht die Erste im Amt, deren Vorfahren fern von Weinbergen groß geworden sind. Abgesehen davon ist der Weinbau genau das, womit sie sich von Haus aus gut auskennt: ein Handwerk – alt, schwer und redlich. Die Achtung davor ist ihr in die Wiege gelegt. „Ich bin in recht bescheidenen Verhältnissen groß geworden“, sagt sie und erinnert sich an ihre Kindheit ohne Konsumschwemme, dafür mit dem Bewusstsein, dass nichts von nichts wird. Im Umkehrschluss: aus viel kann viel entstehen. Auf Fleiß, Engagement, Neugier und Mut gründet ihr Studienabschluss in Betriebswirtschaft und Eventmanagement, auch ihre Anstellung als Pressesprecherin des Heinrich-Schütz-Konservatoriums. Sogar eine Weinkönigin kann daraus entstehen. Friederike ist jung und braucht die Herausforderung. „Meine Mutter dachte allerdings zuerst, ich sei übergeschnappt“, erzählt sie lachend.

Nun, knapp zehn Monate nach der Wahl zur Gebietsweinkönigin, ist ihr Erfahrungsschatz voll der großartigen, spannenden, berührenden Erlebnisse. „Ich bin dankbar für die Menschen, Orte und Dinge, die ich kennenlernen durfte.“ Feste und Feiern hat sie in ihrem Ehrenamt begleitet, neue Weine präsentiert, ihre Weinregion im ganzen Land vertreten und zahlreiche Winzer getroffen. Gerade sie sind für Friederike Wachtel das beste Lehrbuch. Zwar blättert sie auch in Fachliteratur, um bei öffentlichen Auftritten zu wissen, wovon sie spricht. Am meisten aber hat sie in der Praxis gelernt. Auf diese Lektionen greift sie am liebsten zurück. Die letzten Tage vor der Prüfung im Rahmen des Vorentscheides füllt die Kandidatin mit Kapiteln aus dem bundesdeutschen und internationalen Weinwissen. Neben Gesprächen mit Winzern setzt sie aufs Internet. „Auf YouTube sind einige gute Erklärungen zu finden, vor allem, wenn es um technische oder naturwissenschaftliche Prozesse geht“, sagt sie. Voran bringt sie außerdem eine Standleitung zum Ursprung ihrer Kandidatur: zu Winzer Ricco Hänsch. Er hat sie nicht nur auf die Idee gebracht, Weinkönigin zu werden, sondern steht ihr auch jetzt mit aller Kraft zur Seite. „Er schickt mir jeden Tag zur Übung eine Prüfungsfrage, die ich beantworten muss.“

Beim Vorentscheid in Neustadt an der Weinstraße wird Friederike drei sogenannten Master-Juroren gegenüberstehen. Sie stellen ihr drei Fragen, für deren Beantwortung exakt 45 Sekunden Zeit bleiben. Eine 70-köpfige Fach-Jury gibt schließlich ihre Bewertung ab. Damit nicht genug: Das Prozedere findet vor rund 1 500 Gästen auf den Zuschauerplätzen und Kamerateams statt.

Doch Friederike Wachtel braucht nicht nur ein exakt sitzendes Nervenkostüm. Neben Wissen kommt es auf Ausstrahlung an. Zur Prüfungsvorbereitung gehört ein perfektes Outfit. Weil eine Weinkönigin übers Jahr auf ihren Terminen stets schick aussehen muss, erhält sie vom sächsischen Weinbauverband für ihre Amtszeit 500 Euro Kleidergeld. Das floss in zwei Blazer und zwei Etuikleider, erzählt Friederike. Ihr Kleid für den großen Tag wird das Label Calesco Couture der Dresdner Designerin Silvia Klos tragen. Für Haare und Make up sorgen Stylisten. Sie sind für alle 13 Gebietsweinköniginnen engagiert. In ihrem Weinköniginnenalltag indes hilft sich Friederike typisch pragmatisch: „Auch für Frisuren ist Youtube echt hilfreich.“

Der Vorentscheid zur Wahl der Deutschen Weinkönigin wird am 23. September, ab 15.45 Uhr, auf www.swr.de im Livestream übertragen, außerdem im SWR-Fernsehen am 24. September, 13.45 Uhr. Das Finale startet am 29. September, 20.15 Uhr live ebenda.

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