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Freitag, 12.01.2018

Kettensägen beenden Streit um Wald

Das Wäldchen am Birkenhainer Weg in Wilsdruff wird gerodet. Anwohner und Umweltschützer sind enttäuscht.

Von Hauke Heuer

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Mit großem Gerät rücken die Waldarbeiter den Bäumen seit Donnerstag zu Leibe.
Mit großem Gerät rücken die Waldarbeiter den Bäumen seit Donnerstag zu Leibe.

© Hauke Heuer

Wilsdruff. Das Aufbegehren der Anwohner des Birkenhainer Weges trug letztendlich keine Früchte. Am Donnerstag wurde mit der Rodung des Wäldchens zwischen dem Birkenhainer Weg und der Straße Am Wasserhäuschen begonnen. Mehrere Waldarbeiter mit Kettensägen rücken den Bäumen auf dem Areal zu Leibe. Eine große Fräse arbeitet sich lautstark Meter für Meter voran und zerstückelt die noch jungen Buchen zu Mulch und Sägespänen.

Katrin Friese kann das Schauspiel von ihrem Fenster aus beobachten. Sie und viele andere Anwohner hatten sich in der Vergangenheit gegen die Rodung und den geplanten Bau von Einfamilienhäusern auf den dann freien Grundstücken eingesetzt. Jetzt zeigt sie sich überrascht darüber, dass die Bäume so schnell gefällt werden: „Mit der Rodung wurde uns jede Chance genommen, noch irgendetwas zu bewirken“, sagt sie. Friese und ihre Mitstreiter hätten das Gefühl, dass es keinen Unterschied mache, ob Anwohner Widerspruch gegen Vorhaben einlegen. „Diese Ignoranz macht uns wütend“, sagt sie und schüttelt verärgert mit dem Kopf.

Die Abholzungsgegner hatten zuletzt Unterstützung von Naturschützern bekommen und gehofft, dass eine Stellungnahme des Landesvorsitzenden des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) die Rodung noch aufschieben oder gar verhindern könnte. David Greve hatte in einem Schreiben vom Dienstag massive Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Fällung geäußert. Der Umweltbericht, welcher der Ausweisung des Grundstückes als Bauland zugrunde liegt, würde nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Unter anderem seien die Biotope auf dem Areal nicht beschrieben worden. Da in dem Gebiet beispielsweise Fledermäuse heimisch wären, würde gegen artenschutzrechtliche Verbote verstoßen. Die Stadt Wilsdruff würde versuchen, auf Basis einer veralteten Bauleitplanung mit der Rodung Tatsachen zu schaffen, damit die Ausweisung als Bauland zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr infrage zu stellen ist. Die Grundstücke müssten stattdessen im neuen Flächennutzungsplan, der noch bis 12. Januar im Rathaus ausliegt, als Waldflächen deklariert werden. „Wir denken, dass hier bewusst Gesetze ausgehebelt werden, und behalten uns vor, juristisch gegen die Stadt vorzugehen“, teilt Greve mit.

Bleibt das Damwild weg?

Auch die Wilsdruffer Jäger halten die Abholzung des Wäldchens für problematisch, da die dicht stehenden Bäume ein wichtiger Rückzugsort für Reh- und Damwild seien. Letzteres sei erst in den vergangenen Jahren wieder in die Region eingewandert und insbesondere im Bereich westlich der Stadt heimisch geworden. Die Rodung könnte die Fortschritte wieder zunichtemachen, so Jäger Wolfram Niegel, der die Jagd in dem Gebiet gepachtet hat.

Die Stadt Wilsdruff sieht sich rechtlich auf der sicheren Seite und hat dazu objektiv betrachtet auch allen Grund. Die Verwaltung verwies bereits in der vergangenen Woche auf die rechtskräftige Fällgenehmigung im Rahmen einer Waldumwandlung, die das Landratsamt erteilt hat. Die Erschließung durch Rodung der Bäume habe nichts mit der Ausweisung im Flächennutzungsplan zu tun. Die Bauleitplanung für das Gebiet bestünde bereits seit 20 Jahren und würde nun umgesetzt.

Abgesehen davon hat die Verwaltung alleine deshalb ein großes Interesse daran, das Projekt voranzutreiben, weil in Wils-
druff Wohnraum fehlt. Derzeit würden rund 60 Anfragen für Grundstücke im Bauamt vorliegen, so Bauamtsleiter André Börner. Für die Entwicklung der Flächen am Birkenhainer Weg wurde ein privater Investor gefunden. So muss die Stadt das finanzielle Risiko bei der Entwicklung der Flächen nicht selber tragen.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Vorschlag

    Vorschlag: Einfach die Häuser der Gegner abreißen, Gebiet renaturieren und die Besserwisser vom BUND ansiedeln. Die kann dann der Jäger bejagen.

  2. Karl

    @Vorschlag: Sie sind ein sehr sympatischer Zeitgenosse! Wie geht es Ihnen?

  3. Anwalt für Baurecht

    Ich hätte gern die Meinung von Frau Friese gehört /gelesen wenn sie Eigentümer des Grundstücks wäre und es nun die Gelegenheit gibt es zum Zwecke des baues von Einfamilienhäusern Geld in ihre Tasche fließt. Auch Herr Greve vom Nabu scheint Gesetze nicht anzuerkennen ausgewisenes Bauland auf dem sich ein Wildwuchs entwickelte. Nun müssen auch wieder nichtvorhandene Fledermäuse herhalten analog der Waldschlösschenbrücke- Wenn Herr Herr Greve nun auch noch Gerichte beanspruchen will sollte man ihm auch die Kosten auferlegen.

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