• Einstellungen
Mittwoch, 15.11.2017

Junge Familie sucht Häuschen

Die Chancen im Kreis Meißen sind sehr unterschiedlich. In Dresden-Nähe wird es aber immer schwieriger.

Von Peter Redlich

27

Ein typisches Einfamilienhausbaugebiet im Kreis Meißen – wie hier in Coswig. Junge Familien, auch aus Dresden, schauen immer öfter nach Bauland. Das treibt die Preise. Mittlerweile auch über das Gebiet der S-Bahn-Erreichbarkeit hinaus.
Ein typisches Einfamilienhausbaugebiet im Kreis Meißen – wie hier in Coswig. Junge Familien, auch aus Dresden, schauen immer öfter nach Bauland. Das treibt die Preise. Mittlerweile auch über das Gebiet der S-Bahn-Erreichbarkeit hinaus.

© Arvid Müller; Montage SZ

Wichtig ist eine Neuausrichtung der Familienpolitik. Drei Kinder pro Familie sollten Leitbild für die Politik im Freistaat und den Kommunen werden. Stellen wir eine Familie mit drei und mehr Kindern so wie eine Familie mit einem Kind, bei Kitabeiträgen, Klassenfahrten, Eintrittsgeldern, Fahrkarten – Gedanken, die gerade die Radebeuler CDU verbreitet hat.

Eine junge Radebeuler Familie richtet sich zwar nicht nach den Gedanken, die eine Partei gerade in die Welt setzt. Aber die beiden Mittdreißiger werden in den nächsten Wochen zum zweiten Mal Eltern. Sie brauchen eine größere Wohnung. Knapp 1000 Euro Kaltmiete müsste das Pärchen für ein passendes Heim um die 90 bis 100 Quadratmeter zahlen. Ziemlich viel Geld sagen sich die beiden, welches ja eigentlich besser in was Eigenes gesteckt werden könnte.

Seit Monaten sind sie schon auf der Suche nach einem Häuschen, besser noch einem Grundstück. Bezahlbar muss es sein, Haus und Grund etwa für maximal 300 000 Euro. Sie könnten wahrscheinlich 50 000 Euro Eigenkapital – auch mithilfe der Eltern – zusammenkratzen. Das monatliche Nettoeinkommen der beiden liegt bei reichlich 3 000 Euro. Die Eltern denken an eine Kita und eine Schule in der Nähe. Nahverkehr, um auch mal ohne das Auto auszukommen, sollte in der Nähe sein.

Nach einem Kredit haben sich die jungen Leute gerade erkundigt. Dirk Kloppisch ist bei der Sparkasse Meißen dafür zuständig. Er sagt, wie es funktionieren könnte: „Wichtiger noch als die möglichen Sicherheiten ist uns bei jungen Familien die Bonität. Welches Einkommen ist da? Kann auf lange Frist der Kredit bedient werden? Auch bei steigenden Zinsen.“ Natürlich, so Kloppisch, ist Eigenkapital sehr nützlich. Er rät zu mindestens zehn Prozent von den Gesamtkosten. Als Eigenkapital werde auch ein Grundstück angerechnet.

Bei der genannten Größenordnung von um die 300 000 Euro an Gesamtkosten müsste das Nettoeinkommen zwischen 3 000 und 4 000 Euro liegen, sagt Kloppisch. Er rät bei einem hohen Kreditanteil auch Berufsunfähigkeit, Todesfall und eventuell auch Arbeitslosigkeit zu versichern.

Das mit dem Geld könnte also funktionieren. Doch wo gibt es ein Häuschen oder ein Grundstück. Matthias Möbius, Makler auch im Auftrag der Sparkasse Meißen, nennt die Suche in Radebeul die nach einer Stecknadel im Heuhaufen. Und wenn es ein Grundstück gibt, dann zu Preisen, die den Rahmen der jungen Familie sprengen.

Radebeuls ordentliche Lagen haben de facto Dresdner Preisverhältnisse, sagt der in beiden Städten agierende Radebeuler Maklerkollege Jens Beck. Zumeist werden solche Flächen auch gar nicht annonciert, weil sie ohnehin wie warme Semmeln gehandelt werden.

Wer allerdings ein Grundstück ergattert, hat eine relativ hohe Preisstabilität. Die Postbank hat in ihrer gerade veröffentlichten Immobilienstudie festgestellt, dass Dresden und dessen Speckgürtel nach München zu den Bereichen in Deutschland mit den größten Wertsteigerungen gehört.

Makler Möbius nennt noch Weinböhla, wo es hin und wieder ein Grundstück gibt – aber auch teuer, an die 200 Euro kostet hier inzwischen der Quadratmeter. Preise, die Radebeul noch vor fünf Jahren hatte. Heute sind es bis zu 500 Euro. Meißen und dessen Umland könnte noch passen. Zwischen 90 und 115 Euro liegen hier die Bodenpreise nahe an der Kreisstadt. Matthias Möbius sagt, dass er aktuell drei Grundstücke um die 700 Quadratmeter bauträgerfrei anbieten könne. Wer das nicht stemmen kann, so der Makler, dem bleibe nichts weiter übrig, als weiter raus aufs Land zu ziehen.

Großenhain und dessen Umgebung vielleicht? Makler Jürgen Richter dämpft allerdings die Hoffnungen zumindest für die Stadt direkt. „Hier liegen die Bodenpreise inzwischen auch bei um die 100 Euro, Tendenz steigend“, sagt er. Auch von Großenhain ist man schnell in Dresden am Arbeitsplatz. Er zählt die Kleinstadt inzwischen zum erweiterten Speckgürtel der Landeshauptstadt Dresden.

Ein frei stehendes Einfamilienhaus in Großenhain-Nähe habe er gerade angeboten: 215 000 Euro, großes Grundstück, aber DDR-Standard, etwa 100 000 Euro Modernisierungsaufwand. Mit 300 000 bis 350 000 Euro müsse eine junge Familie auf der Suche inzwischen auch in der Großenhainer Gegend rechnen.

Günstiger wird es im Kreis Meißen nur in und um Riesa. Makler Jan Sperschneider sagt zwar, dass auch in Riesa selbst die Nachfrage nach Bauland größer sei als das Angebot. Aber in Zeithain, Nünchritz und Glaubitz würde es noch Möglichkeiten geben. Die Preise liegen beispielsweise in Zeithain je Quadratmeter bei 55 bis 75 Euro. In Riesa klettern sie auch schon bis zu 120 Euro.

Sperschneider: „Viele junge Familien weichen wegen fehlenden Baulands inzwischen auf Bestandsimmobilien aus.“ Ein kleines Reihenhaus mit reichlich 80 Quadratmetern Wohnfläche koste ab 75 000 Euro in Riesa. Ein Haus aus den 1990er Jahren mit Keller, Garten und 130 Quadratmetern Wohnfläche werde für um die 180 000 Euro gehandelt.

Es wird nicht preiswerter in den nächsten Jahren – auch für den Kreis Meißen, so die Prognose der Postbank und der Sparkasse Meißen.

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Seite 1 von 6

Insgesamt 27 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Klaus

    Einfamilienhäuser sind eine gigantische Platzverschwendung. Wie seit soll denn die Zersiedelung der Landschaft noch gehen?

  2. Rechner

    Diese Familie ist für mich nicht kreditwürdig. Jede halbwegs seriöse Bank würde den Kunden ausrechnen, dass für ein 300.000€-Heim eine Annuität von 6% jährlich zu erbringen sein sollte, also 1.500€ monatlich. Bei 3 Kindern und 3.000€ Einkommen plus. Nebenkosten? Eigenkapital sollte vorhanden sein, und nicht "zusammen gekratzt" werden. Jeder Geringverdiener ist der Meinung, dass er ein Haus bräuchte, denn die Miete sei ja die größte Verschwendung. Wenn die Bank dann eine Absage erteilt folgt nur pampiges Unverständnis...

  3. Jens

    Da ständige Betonen steigender Immobilienpreise ändert an der freien Marktwirtschaft auch nichts. Das müssen Ossis aber immer noch lernen. München, Hamburg, Köln, Frankfurt, Hannover haben das schon viele Jahre hinter sich. Alle raus aufs Land für hanebüchende Preise zum Wohle der Makler, Baufirmen und Grundbesitzer. Dann lebenslang verschuldet und jeden Morgen und Abend komplettes Verkehrschaos im Umkreis der Landeshauptstadt. Denn eines ist sicher, die öffentliche Hand wird die Verkehrswege nicht endlos weiter ausbauen können und wollen. Dresden als Durchgangsstadt im Ost-West Lieferverkehr ist da ohnehin bereits schwer mit Verkehr belastet. Hurra, wir lernen nicht dazu.

  4. Thomas

    Solche hässlichen Flach-Häuser, wie das orangene links, sind viel schlimmer und seelenloser als die grauen Beton-Klötzer in Dresden. Wie kann man sich sowas nur hinstellen?

  5. Volker W.

    90 bis 100 qm für 4 Personen? Warum so viel?

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 6

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein