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Donnerstag, 04.01.2018

Hund trennte Arm fast ab

In Roßwein ist ein Mann tödlich von einem Rottweiler verletzt worden. Vor dem Angriff soll ihn das Opfer angeschrien haben.

Von Maria Fricke

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© Symbolfoto: dpa/Bernd Thissen

Roßwein. Nach und nach werden immer mehr Details zu dem tödlichen Angriff eines Rottweilers auf einen 47-Jährigen in Roßwein bekannt. Nach Vorliegen des vorläufigen Obduktionsergebnisses äußerte sich Oberstaatsanwältin Ingrid Burghart von der Staatsanwaltschaft Chemnitz zum Verlauf des Unglücks am 16. Dezember.

„Nach dem gegenwärtigen Ermittlungsstand kam es zu dem Angriff des dreijährigen Rüden, nachdem der Hund bei einem Spaziergang auf dem am Grundstück entlang laufenden Rundweg herumgesprungen war. Dabei hatte sich die Leine zwischen den Beinen des Mannes verheddert und dieser den Hund angeschrien“, sagte Burghart. „Das Tier soll eine Abwehrhaltung eingenommen und nochmals von dem Mann angeschrien worden sein. Daraufhin soll der Hund den Mann angefallen, zu Boden gebracht und wahllos auf den Geschädigten eingebissen haben.“ Die Mutter des Opfers, die den Sohn beim Spaziergang begleitet hatte, habe mehrfach versucht, das Tier zurückzuziehen und auch in dessen Gebiss gegriffen. „Es gelang ihr aber erst nach etwa 15 Minuten, den Hund wegzuziehen und nach Hause zu laufen“, so die Oberstaatsanwältin weiter.

Kein Strafverfahren eingeleitet

Der Hund hatte dem Mann mehrfach, großflächige Verletzungen zugefügt und den Unterarm zum Teil abgetrennt. Gestorben ist der 47-Jährige vermutlich durch den erheblichen Blutverlust infolge der Verletzungen. „Das endgültige Obduktionsergebnis steht noch aus. Derzeit werden – um auch eine mögliche Beeinflussung der Handlungsfähigkeit des Getöteten abzuklären – noch chemisch-toxikologische Untersuchungen durchgeführt“, so Ingrid Burghart. In der Vergangenheit sei das Tier nicht aggressiv aufgefallen. So teilte es das Ordnungsamt der Stadt der Staatsanwaltschaft mit. Es habe keine Auflagen für den Halter gegeben. Auch sei dem Ordnungsamt kein Vorfall gemeldet worden, bei dem das Tier durch Beißattacken oder aggressives Verhalten auf sich aufmerksam gemacht habe. „Daher musste der Hundehalter, bei dem es sich um den Vater des Getöteten handelt, auch nicht damit rechnen, dass der bislang nicht aggressive Hund andere Personen anfällt oder beißt“, sagte Burghart.

Für ein strafrechtlich relevantes Verhalten des Hundehalters oder der vor Ort anwesenden Mutter des Getöteten gebe es demnach derzeit auch keine Anhaltspunkte. Nach gegenwärtigem Ermittlungsstand sei daher auch kein Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung oder unterlassener Hilfeleistung oder ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verstoßes gegen das Gesetz zum Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Hunden eingeleitet worden. Eine endgültige Entscheidung der Staatsanwaltschaft in diesem Fall steht noch aus.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 19 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Willy

    DAS sind die wahrhaft traurigen, erschütternden und schlimmen Begegnungen mit Tieren - nämlich die mit "domestizierten" Tieren! Falls noch mal jemand gegen die "wieder angesiedelten" Wölfe schimpft: die benehmen sich in Summe viel besser und noch keiner von ihnen hat in Deutschland einen Menschen angefallen!

  2. Alles Gut

    Solange es in der Familie bleibt, ok, da müssen die Angehörigen mit fertig werden. Aber das Argument, er ist noch nie Aufgefallen, lass ich trotzdem nicht gelten. Einmal ist immer das erste Mal, beim Zweiten ist es vielleicht Nachbars Kind ? Tierwohl geht vor Menschenrecht. Alles klar !

  3. Hundeskeptiker

    Wozu muss man sich solch gefährliche Tiere halten? Aber der Gute war ja immer so lieb und würde bestimmt nie jemanden angreifen. Neben dem Verstand potentieller Hundehalter ist hier vor allem der Gesetzgeber gefordert, die Zucht solcher Killerrassen zu verbieten.

  4. PS

    Es sieht ja so aus, dass es kein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten der Beteiligten, womöglich auch kein Fehlverhalten überhaupt gab. Wenn das wirklich so ist, dann sollte die Staatsanwaltschaft sich nicht scheuen, klare Schlussfolgerungen für den Gesetzgeber zu formulieren. Auch wenn das nach bundesdeutscher Gesetzeslage leider nicht direkt ihre Aufgabe ist - es ist ihr auch nicht verboten und wohl von ihren grundsätzlichen Aufgaben her auch nötig.

  5. Bernd

    Warum suchen die Kommentatoren die Schuld beim Hund? Kein Hund fällt einen Menschen einfach so an und erst recht nicht seinen Besitzer! Es gibt keine "Killerrassen" etc. Da muss im Vorfeld schon einiges mit den Erziehungsmethoden nicht gestimmt haben. Leider kann sich ja jeder A...h ein Tier anschaffen und seine Wut und Unfähigkeit dran auslassen. Man muss sich wundern, dass sich nicht noch mehr Hunde gegen Misshandlungen wehren. Er hat seinen Hund auf der Straße angeschrien. Möchte nicht wissen, was sie mit dem Hund zu Hause gemacht haben... Es wird Zeit, dass der Gesetzgeber berücksichtigt, dass es sich bei einem Tier nicht um eine "Sache" sondern um ein Lebewesen handelt, welche ein Recht auf eine artgerechte und gewaltfreie Haltung haben!

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