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Donnerstag, 12.10.2017

Gummigeschosse auf Wolfswelpen

Das Vergrämen der Tiere ist Fachleuten vorbehalten. Die behördliche Genehmigung gilt vorerst bis Ende November.

Von Irmela Hennig

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Naturfilmer Sebastian Körner hat schon oft junge Wölfe vor seine Kamera bekommen. Das sind Welpen des Milkeler Rudels aus einem früheren Jahrgang.
Naturfilmer Sebastian Körner hat schon oft junge Wölfe vor seine Kamera bekommen. Das sind Welpen des Milkeler Rudels aus einem früheren Jahrgang.

© Sebastian Koerner

Wartha/Dresden. Die Genehmigung zum Beschuss von Wolfswelpen in der Oberlausitz mit Gummigeschossen gilt vorerst bis Ende November. Das teilte das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ auf Anfrage mit. Sollten die Jungtiere des Milkeler Rudels in der Zeit kaum auftauchen oder schwer zu finden sein, könne die Genehmigung auch verlängert werden. Ausgestellt hat sie die Landesdirektion Sachsen, sagte Wolfsmanager André Klingenberger vom Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft.

Die Landesdirektion ist zuständig für Schutzgebiete wie das Biosphärenreservat, in dem das Milkeler Rudel lebt. Ein Team von Mitarbeitern des Lupus Institutes für Wolfsmonitoring und -forschung und Mitarbeiter des Biosphärenreservats, die einen Jagdschein besitzen, dürfen die Welpen nun gezielt mit Gummigeschossen attackieren. Auf diese Weise sollen sie wieder eine natürliche Scheu vor Menschen entwickeln. Mindesten drei der sechs Monate alten Welpen hatten in den letzten Wochen bei einigen Begegnungen mit Menschen kaum Fluchtverhalten gezeigt. „Sie näherten sich neugierig bis auf wenige Meter heran und untersuchten Gegenstände, ohne aggressiv zu sein“, heißt es in der Begründung. Welche Ursachen oder Umstände zu diesem Verhalten geführt haben, ob die Welpen vielleicht angefüttert wurden, sei gegenwärtig nicht bekannt.

Rudel lebt in einem Sperrgebiet

Dass Wanderer oder Pilzsucher den Welpen begegnen, hält André Klingenberger für unwahrscheinlich. Denn das Rudel lebt in einem Bergbau-Sperrgebiet, in dem das Betreten verboten ist. Allerdings seien Firmen, Flächennutzer und andere Personen, die sich mit Genehmigung in der Gegend aufhalten dürfen, informiert worden. Sie sollten sich unbedingt an das Biosphärenreservat wenden, falls sie auf die Welpen stoßen. Wer nicht ausdrücklich dazu berechtigt ist, darf die Welpen nicht vergrämen, auch nicht, wenn er einen Jagdschein besitzt, erklärt Kingenberger ausdrücklich.

Laut Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ sind die Milkeler Jungtiere derzeit die einzigen auffälligen Welpen. Auf der Internetseite der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf werden für die Oberlausitz derzeit neun Rudel mit Nachwuchs angezeigt. Die Milkeler Wölfe sind nicht erfasst.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 10 Kommentare

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  1. PS

    Das angestrebte Ziel - dass die Wölfe "wieder eine natürliche Scheu vor Menschen entwickeln" (!!) kann aber nur erreicht werden, wenn die mit Gummi beschossenen Wölfe auch in der Lage sind zu erkennen, dass diese Geschosse von Menschen herrühren - das scheint mir überhaupt nicht selbstverständlich zu sein. Andernfalls werden sie nur die betreffende Gegend meiden - da wäre wenig erreicht.

  2. NeueWegeGehen

    Wenn die Wölfe zukünftig Panikattacken vor Menschen oder Hass auf Menschen bekommen, könnte das gerade Attacken und Kurzschlussreaktionen auf Menschen provozieren. Wie will man an die Tiere z.B. bei Krankheiten oder Gefahr im Verzug herankommen, wenn die Wölfe phobische Ängste haben. Vielleicht war für den Todesfall in Griechenland auch eine Wolfsmißhandlung in der Vergangenheit bei dem mordenden Wolf der Grund. Vielleicht blieben hier Menschen verschont, weil wir sie nicht mißhandelt haben. Es müßte bei den Gummigeschossen sichergestellt werden, dass sie keine Schäden verursachen. Es wurde schon von geplanten Angriffen mit Steinen auf Welpen durch diplomierte "Experten" berichtet. Das ist eine Bankrotterklärung! Das sind hochverletzliche Welpen!!! Habt Ihr sie noch alle? Gäbe es z.B. Wildschwein-Experten, die die Tiere mit Anti-Wurm-und Zeckenmitteln versorgen, dann wären die Wildschweine auch keine extremen Seuchenherde! Tierschutz ist auch Seuchen-/Parasiten-/Ungeziefer-schutz.

  3. Ferdy

    Zum Glück sind die Bezeichnungen "Fachleute" oder "Experten" keine geschützten Begriffe. Seit wann qualifiziert ein öffentliches Anstellungsverhältnis und ein Hobbyjagdschein dazu Wölfe mit Gummi zu beschießen? Wenn jemand mit Führerschein im Straßenverkehrsamt sitzt, ist er ja auch noch lange kein Rennfahrer.

  4. Alex

    Warum nur Gummigeschosse. Diese unnützlichen Raubtiere, gehören ausgemerzt. Sie haben bisher mehr Nutztiere als Wildtiere gerissen.

  5. Herr Geheimrat

    Bei einer Überpopulation von Wölfen sollte man Gummigeschosse durch scharfe Munition ersetzen.

  6. Bandit

    @4 Warum sind die Menschen so faul/geizig geworden, dass sie ihre Nutztiere über Nacht auf der Weide lassen? Ich verstehe schon, da müssen diese Tiere weniger ausgemistet und gefüttert werden! Mein Mitleid hält sich arg in Grenzen!

  7. Thomas Rosenberg

    @SZ: Weshalb wird dieses Foto verwendet. Diese Welpen sind deutlich jünger als sechs Monate. @2: Bitte auf dem Teppich bleiben. Die Tiere sind ein halbes Jahr alt. @4: Beim Thema Nutzen Biologienote 6. Bitte setzten. Und Ihre andere Behauptung bedeutet ja fast, dass es in Sachsen kein einziges Schaf mehr gibt. @5: Das gleiche gilt für die Überpopulation an anonym im Netzt agierenden Feiglingen.

  8. Jan

    @4 Können Sie Ihre Behauptung beweisen? Es gibt bestimmt genaue Zahlen darüber, wo nachweislich Wölfe ein Nutztier gerissen haben, aber ich kenne keine Zahlen darüber, wie viele Rehe, Wildschwein, .... die Wölfe gerissen haben. Ich würde so eine Aussage ohne Beleg nicht treffen, sonst steht man schnell als Lügner da. Ich persönlich finde es eine Tierquälerei Tiere wie auch immer zu verletzen.

  9. Alex

    @8 Ich muss das nicht beweisen. Gehen Sie zum Förster Ihres Vertrauens und fragen ihn/sie, wie viele abgenagte Wildtierskelette er/sie im Revier gefunden haben. Genau, ob es ein Wolf oder der beste Freund des Menschen, ein wildernder Hund waren, wird er/sie nicht sagen können. Dann gehen Sie mal zum Biolandwirt Ihres Vertrauens und fragen, wie viele Tiere (Schafe, Ziegen, Kälber, Fohlen, Ferkel) er/sie durch Wolfsmassaker verloren haben. Um eine geknallt zu bekommen, brauchen Sie bloß sagen, sie lieben Wölfe. Ach ja, wenn Sie zum Förster gehen, vergessen Sie nicht ihr Antitierspray. Es könnte sonst sein, der Wolf verwechselt Sie mit Rotkäppchens Oma. Wenn dann trotzdem ein Wolf ihren Sack abgebissen hat, können Sie mich gerne, mit hoher Stimme, einen Lügner nennen.

  10. Jan

    @ 9 Ist das - wie Sie hier schreiben Ihr normaler Umgang mit Ihren Mitmenschen? Wenn ja, bin ich froh, Sie nicht zu kennen :-) Trotzdem - Sie können keine Beweise für Ihre Behauptungen anbieten. Ich habe sie nicht als Lügner bezeichnet. Das würde ich mir auch nicht anmaßen, da auch ich genauso wie Sie keine genauen Zahlen über die gerissen Wildtiere der Wölfe in Deutschland habe. Was mich stört, ist einfach was zu behaupten, was man eben nicht nachweisen kann.

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