• Einstellungen
Freitag, 17.02.2017

Grüne wollen Schulbücher prüfen

In zahlreichen Schulbüchern werde ein negatives Israelbild verbreitet. Das soll sich in Sachsen ändern.

Von Andrea Schawe

Die Grünen-Abgeordnete Petra Zais ist Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.
Die Grünen-Abgeordnete Petra Zais ist Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.

© Juliane Mostertz/Sven Claus

Dresden. Vermitteln Schulbücher in Sachsen ein falsches Israel-Bild? Die Schulbücher, die in den Fächer Geschichte, Geografie und Gemeinschaftskunde in der Sekundarstufe I und II eingesetzt werden, sollen überprüft werden. Das geht aus einem Antrag der Fraktion der Grünen im Landtag hervor. „Wir müssen alles tun, um dem Antisemitismus den Boden zu entziehen, gleich, in welcher Form er auftritt“, sagt Petra Zais, die bildungspolitische Sprecherin der Grünen. „Schule hat hier eine große Verantwortung, und deshalb ist es umso wichtiger, in den Schulbüchern kein einseitiges Bild von Israel zu zeichnen.“

Dafür sollen die Empfehlungen der Deutsch-Israelischen Schulbuchkommission umgesetzt werden. Demnach werde Israel oft verzerrt dargestellt, Zusammenhänge werden vereinfacht und verkürzt. Die Kommission untersuchte zwischen 2011 und 2014 etwa 400 Schulbücher für den Geschichts-, Geografie- und Sozialkundeunterricht, die in Bayern, Berlin/Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen zugelassen waren. In dem vom Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung vorgestellten Bericht heißt es, die Geschichte Israels werde meist nur eindimensional auf den Nahostkonflikt reduziert, die Entwicklung der Wirtschaft in einen Zusammenhang mit strategischen und militärischen Zielen gestellt und die Bedeutung des Landes als historisches Zentrum der Religionen nicht herausgestellt. „Bereits vor 30 Jahren, als die erste Deutsch-Israelische Schulbuchkommission tagte, wurde in zahlreichen deutschen Schulbüchern ein negatives Israelbild verbreitet. Eine positive Entwicklung ist seitdem kaum festzustellen“, so Zais.

Die Grünen fordern außerdem, dass Sachtexte und Quellen einer Qualitätskontrolle unterzogen werden. „Auch das beim Zulassungsverfahren für Schulbücher federführende Sächsische Bildungsinstitut muss in der Zusammenarbeit mit den Verlagen insbesondere bei der Überarbeitung von Schulbüchern die Empfehlungen der Deutsch-Israelischen Schulbuchkommission in Zukunft berücksichtigen“, fordert die Abgeordnete.

Ende Januar wurde öffentlich, dass in einem Schulbuch des Klettverlags für den Politik-, Wirtschafts- und Gesellschaftsunterricht eine antisemitische Abbildung verwendet wurde. Die Grafik des amerikanischen Künstlers David Dees zeigt einen Kugelkopf mit Reißzähnen, der dabei ist, Europa zu verschlingen. Auf dem Raketenschweif, den das Wesen hinter sich herzieht, steht dreimal in blassgelber Schrift: „Rothschildbank“. Seit 2012 wird das Buch in der Oberstufe in acht Bundesländern eingesetzt. In Sachsen wurde es allerdings nicht verwendet. Nach Angabe des Verlages wurde die Schulbuch-Redaktion aufgefordert, die Grafik auszutauschen, den Titel für die Auslieferung zu sperren und die Bestände einzustampfen. Schulbücher werden nur etwa alle zehn Jahre neu erstellt. Nur bei Neuauflagen könnten die Empfehlungen zeitnah umgesetzt werden.

Desktopversion des Artikels