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Montag, 13.11.2017

Fliegerbombe in Heidenau entschärft

Nach dem Fund des Blindgängers mussten am Montagabend Tausende Anwohner ihre Häuser verlassen. Die Entschärfung gelang erst weit nach Mitternacht.

Von Tobias Hoeflich, Thomas Hoffmann und Heike Sabel

29 Eine lange Nacht in Heidenau

Sprengmeister Holger Klemig nach dem Einsatz.
Sprengmeister Holger Klemig nach dem Einsatz.

© Marko Förster

Heidenau. In der Nacht zum Dienstag ist auf einem Grundstück an der Mühlenstraße eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft worden. Den Sprengmeistern Hans-Peter Schmidt und Holger Klemig gelang es kurz vor 3 Uhr 30, den Blindgänger unschädlich zu machen. Nach stundenlangem Ausharren konnten auch die betroffenen Anwohner wieder in ihr Zuhause zurück.

Die 250 Kilo schwere Bombe wurde bereits am Montagnachmittag bei Baggerarbeiten entdeckt. Am Abend schließlich vermeldete die Polizei den Fund und kündigte kurz darauf eine großräumige Evakuierung an. Davon waren über 4 000 Bewohner im Umkreis von 650 Metern betroffen. Unter anderem musste auch das Betreute Wohnen an der Dresdner Straße während der Entschärfung vorübergehend geräumt werden.

Eine lange Nacht in Heidenau

Einsatzkräfte sperrten zunächst den unmittelbaren Fundort ab. Spezialisten der Kampfmittelbeseitigung untersuchten daraufhin das explosive Fundstück. Wie sich herausstellte, handelte es sich um eine Fliegerbombe deutscher Bauart aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie war mit zwei Zündern ausgestattet und musste laut Polizei vor Ort entschärft werden.

Für die Evakuierung wurden Busse bereitgestellt. Wer nicht privat irgendwo unterkam, konnte im Schulzentrum Mügeln oder in der Schule in Dohna Unterschlupf finden. Laut Polizeiangaben wurden etwa 300 Leute in die Notunterkünfte gebracht. In der Mügelner Turnhalle bauten Helfer binnen kürzester Zeit hundert Feldbetten auf. „Das Gros von den Betroffenen ist offenbar bei Verwandten oder Bekannten untergekommen“, so die Polizei. Während der Entschärfung sicherten Beamte die vorübergehend leerstehenden Häuser.

Nach dem Bombenfund hatte die Stadtverwaltung Heidenaus ein Infotelefon eingerichtet. Via Facebook und Twitter informierte sie zudem regelmäßig über den Stand der Evakuierung und Entschärfung der Bombe, ebenso die Polizei. Ursprünglich sollte schon 22 Uhr die Evakuierung abgeschlossen sein. Weil es aber zu Verzögerungen kam, wurde die Evakuierungszeit bis nach 1 Uhr nachts verlängert. Vor allem die Räumung des Seniorenheims nahm viel Zeit in Anspruch. So mussten laut einer SZ-Reporterin vor Ort 74 Bewohner in Sicherheit gebracht werden, davon mehrere bettlägerige.

Der Bombenfund und die damit verbundene Entschärfung hatten auch Konsequenzen für den Verkehr. So mussten zeitweise mehrere Straßen, darunter die S172, sowie die Bahnstrecke zwischen Heidenau und Pirna gesperrt werden. Schulen und Kitas sollen indes am Dienstag wie üblich geöffnet sein, teilte die Stadtverwaltung Heidenaus mit. „Wir sind uns aber sicher, wenn ein Kind morgen nicht in der Schule erscheint, akzeptiert die Schule einen entsprechenden „Entschuldigungszettel“ der Eltern.“

Bei dem Einsatz waren rund 280 Polizeibeamte sowie 180 Feuerwehr- und Rettungskräfte im Einsatz. Die Bombe wird nun zur Entsorgung in die zentrale Sammelstelle nach Zeithain gebracht.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 29 Kommentare

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  1. SI

    Als betroffene vierköpfige Familie von den 4000 die evakuiert werden mussten, ist es mir schleierhaft, wie Menschen ein politisches Gebaren und sich ein solches Regime herbeiwünschen können, welches solche Situationen wie diese hier nach über 70 Jahren immer noch zu verantworten hat. Eine AfD versucht die Ursache, die heute noch Kinder, Alte, Behinderte und Kranke Nachts zur FLUCHT aus ihren Häusern zwingt, zu bagatellisieren und zu verklären. Diese Nacht zeigt für mich eindeutig, dass es noch lange nicht vorbei ist mit dem Erinnern an die Folgen des Krieges und des Terrors, der damals von Deutschland ausging. Zu Leiden hatten nicht nur die angegriffenen und ermordeten, sondern bis Heute auch die hier lebenden Menschen. Das sollte jedem vernebelten AfD Wähler bewusst sein.

  2. Mueller

    @SI: Es erschliesst sich mir zwar nicht was die AFD mit einer anglo-amerikanischen Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg zu tun hat, aber Danke für die Aufklärung:-) Ihre Auffassung zu Folge ist dann auch die CDU für die Kreuzzüge nach Jerusalem verantwortlich. Ich würde dringend einen Arztbesuch empfehlen....

  3. Mateo

    @1 Wo hat wer auch immer nach 70 Jahren noch etwas zu verantworten und was hat, dass mit der aktuellen Problematik zu tun bzw. wo möchte die AFD so etwas? Ich mache mir eher sorgen wie sich Deutschland immer mehr zum negativen durch sogenannte Flüchtlinge verändert. Distanz schafft Toleranz, noch ist es hier in Sachsen verhältnismäßig ruhig aber wenn es erst mal vor der eigenen Haustüre soweit ist oder auf dem Nachbar Grundstück eine Moschee gebaut werden soll geht das gejammer los. Toleranz und Nächstenliebe ja aber bitte nicht in meiner nähe, so sieht es doch eher bei vielen aus die hier den (schein) heiligen Samariter heraushängen lassen.

  4. Kalle

    @Mueller Die Bomben der Befreier waren die Antwort auf die Verbrechen der deutschen Soldaten. Hätte die Großeltern kein Krieg angezettelt, müsste man heute keine Blindgänger entschärfen. Wenn ein Bernd Höcke nun fordert es müsse eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" geben oder der Vorsitzende Gauleiter meint man könne stolz auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen sein und bräuchte sich diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten lassen, dann glorifizieren sie damit die Kriegstreibereien der Vergangenheit. Wie sagt man doch: "Wer das eine will muss das andere mögen"

  5. Ralf

    Erstmal danke für den tollen Job, man mag sich gar nicht ausmalen was passiert, wenn so eine Bombe mal wirklich hochgeht. Vielen Dank von einem betroffenen Menschen + Katze :-) @1 laut ihren Äußerungen, soll sich die Gesellschaft von früh bis spät die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und über einen größenwahnsinnigen Österreicher nachdenken der am liebsten die ganze Welt unter sich haben wollte, darum geht es ihnen doch mit der Aussage. Mir ist es genau so wider jemals solche Zustände erleben zu müssen aber ich differenziere auch zwischen dem was mal war und was aktuell geschieht.

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