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Montag, 16.04.2018

„Es fehlt der Respekt vor unserer Arbeit“

Nach dem Vorfall mit Vratislav Prejzek meldet sich ein weiterer Görlitzer Notarzt zu Wort. Er kritisiert den Umgang mit Ärzten.

Von Daniela Pfeiffer

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Der Allgemeinmediziner und Notarzt Ralph Tinzmann schaltet sich jetzt in die Diskussion um den Umgang mit Notärzten ein.
Der Allgemeinmediziner und Notarzt Ralph Tinzmann schaltet sich jetzt in die Diskussion um den Umgang mit Notärzten ein.

© Pawel Sosnowski

Vratislav Prejzek (34) führt eine Allgemeinarztpraxis und fährt Notdienste.
Vratislav Prejzek (34) führt eine Allgemeinarztpraxis und fährt Notdienste.

© Pawel Sosnowski

Görlitz. Vratislav Prejzek hat dann wohl doch einen Fehler gemacht. Da sind sich jedenfalls Stadt, Kassenärztliche Vereinigung und Arzt-Kollegen einig. Auch wenn der 34-Jährige den Fehler so nicht einräumt, hat er doch nach einem Gespräch mit OB Deinege und dem pensionierten Arzt Rolf Weidle, Widerspruch gegen seinen Bußgeldbescheid eingelegt und seine Ankündigung, die Hausarztpraxis in der Gersdorfstraße zu schließen, zurückgenommen.

Ob es am Ende nun tatsächlich so war, dass der Arzt doch nicht direkt im Notarzteinsatz war, als er geblitzt wurde, oder, wie er beteuert, von Lebensgefahr des Patienten ausgehen musste – der Fall hat letztlich eine neue Diskussion um die Inanspruchnahme von Sonderrechten und Sondersignalen ausgelöst. Denn die haben letztlich nur Notärzte in Notarzt- oder Rettungswagen, nicht aber Bereitschaftsärzte des Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes, die in ihren Privatfahrzeugen unterwegs sind. Ralph Tinzmann, Allgemeinmediziner und Notarzt in Görlitz, kritisiert das aufs Heftigste. Aufgrund von schlechten Erfahrungen kämpfte er vor einigen Jahren vergeblich um das Recht, Blaulicht aufs Dach setzen zu können. Das sei vor allem wichtig, wenn der erste Notarzt woanders im Einsatz ist: Dann komme der sekundäre zum Einsatz, der aber mit eigenem Auto fahren muss und damit keine Sonderrechte hat. „Das war bei dem tragischen Schwimmunglück vor einigen Jahren im Neißebad so“, erinnert Tinzmann. „Damals war ich der sekundäre und wurde gerufen. Zum Glück hat mich die Feuerwehr damals gefahren.“

Auch ihm ist es schon passiert, dass er auf dem Weg zum Noteinsatz in Weinhübel bei rot geblitzt wurde. Ein Anruf bei der Leitstelle, die ihm den Einsatz bescheinigte, half nichts: Ein Bußgeldbescheid kam trotzdem. „Ich musste dann zusehen, dass er zurückgenommen wird. Und genau das kann nicht sein. Wenn ich etwas Gutes für die Allgemeinheit tue, erwarte ich Respekt dafür und nicht, dass ich mich dann um solche Dinge noch kümmern muss. Das ist es, was viele Ärzte genau wie Dr. Prejzek nervt: Dass die Ämter sich allzu oft so strikt auf Paragrafen berufen.“ Wegen seines Blaulicht-Anliegens bekam Tinzmann damals eine Abfuhr vom Landkreis. Begründung: Das sei nicht nötig, 96 Prozent der Einsätze seien ohnehin mit Notarztwagen. Doch Tinzmann sagt: „Natürlich brauchen wir eine gesonderte Kennzeichnung. In Bayern geht das doch auch.“ Dass hier kein Weg hineinführt, mindere auch die Bereitschaft von Ärzten, in Sondersituationen als Notarzt bereitzustehen, so Tinzmann.

Klaus Heckemann, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, hält Blaulicht für Bereitschaftsärzte nicht für nötig. Mahnt aber: Natürlich gilt auch für Notärzte die StVO. Bei 20 km/h Überschreitung und mehr gibt es Ärger. Da würde aber auch schon jedes Fahrzeug mit Sondersignalen Ärger bekommen. Ab Juli soll sich sowieso einiges ändern. Görlitz ist Modellprojekt bei der Neuaufteilung der Einsatzgebiete der Bereitschaftsärzte, bestätigt Heckemann. Aus 90 Dienstgebieten werden demnächst 23. Gab es für Tinzmann und seine Kollegen bislang die Gebiete Görlitz-Nord und -Süd zu betreuen, kommt jetzt noch Niesky hinzu. „Dann werden die Ärzte mit einem Fahrdienst zu ihren Einsätzen gefahren“, erklärt Klaus Heckemann.

Das ist für Tinzmann ein Unding. Denn so müssen die Bereitschaftsärzte bei Hausbesuchen nun enorme Entfernungen zurücklegen. Im ungünstigen Falle fahren sie nach Niesky und anschließend nach Boxberg. „Und was ist, wenn dann der erste Notarzt in Görlitz bei einem Einsatz gebunden ist und es passiert etwas? Dann ist die ganze Stadt notarztlos. Von Niesky aus könnte ich niemals zeitnah in Görlitz sein.“ Tinzmann selbst fährt seit 10 Jahren Einsätze als Bereitschaftsdienst und Notarzt, für viele Kollegen in Görlitz übernimmt er die Dienste mit. Deshalb sei die Rechnung, es stünden 160 Ärzte zur Verfügung, falsch. Gerade den älteren Kollegen sei das nicht mehr zuzumuten. Und grundsätzlich seien vor allem die Wochenenddienste auch bei jüngeren Kollegen unbeliebt. Ganze vier Ärzte sind es zurzeit, die sich hineinteilen – darunter Prejzek.

Gegen die Neuaufteilung der Gebiete organisiert Tinzmann zurzeit Protest. Zusammen mit dem Internisten Norbert Sickor habe er bereits ein Schreiben an die Regionalvertreterversammlung der KV geschickt – ohne Erfolg. „Die Neuerung wurde von den Regionalvertretern beschlossen, ohne dass Görlitzer Ärzte dabei waren.“ Deshalb hat er nun Kollegen mobilisiert, Widerspruch einzulegen und wird das auch selbst tun. Als völlig irrsinnig bezeichnet er die Idee des Fahrdienstes, noch dazu, da dieser europaweit ausgeschrieben werden solle. Da zeige sich, dass der Respekt vor der Arbeit der Ärzte fehlt. „Wenn das neue Modell nicht noch gekippt wird, würde Tinzmann sich nicht wundern, wenn weitere Kollegen ihre Praxen dichtmachen – zumindest jene, die die Rente schon vor Augen haben.“ Auf ein Wort

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 17 Kommentare

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  1. Hartmut Grün

    "Wenn ich etwas Gutes für die Allgemeinheit tue, erwarte ich Respekt dafür und nicht, dass ich mich dann um solche Dinge noch kümmern muss." Geht´s noch? Für wen hält sich dieser Halbgott in Weiß? Ich bin der festen Überzeugung, dass einem Arzt sehr viel Respekt entgegengebracht wird. Aber das klingt schon mächtig nach Selbstherrlichkeit! Nur weil man was Gutes tut, darf man Gesetze übertreten? Respekt vor der Gesundheit derer, die ich mit meiner überhöhten Geschwindigkeit gefährde wäre auch angebracht!

  2. Henrik

    @1 Ja - da stimme ich Ihnen zu. Respekt habe ich insbesondere vor Leuten, die etwas aus Ihrer Überzeugung uneigennützig tun. Dieser Berufsstand erhält für seine Leistung bereits eine Vergütung (ob angemessen oder nicht, erlaube ich mir nicht zu beurteilen)! Damit sind erbrachte Leistungen abgegolten. Natürlich geht es bei Rettungseinsätzen um Leben und Tod, keiner fährt aus Langeweile mit Sondersignal durch die Gegend. Für nicht BOS Teilnehmer ist aber ein Zivilfahrzeug ohne Einsatzsignal ja nun einmal nicht als Einsatzfahrzeug erkennbar insbesondere stellt mit überhöhter Geschwindigkeit, Rotlichtverstoß, etc. ein unkalkulierbares Risiko dar. Deutlich gekennzeichnete Rettungsfahrzeuge dagegen mit Einsatzsignal dagegen mindern deutlich das Risiko. Vielleicht ist da eine Gesetzesänderung/-ergänzung notwendig (Magnetschilder, Folie, ...)

  3. Heinz Seyfarth

    Ich bin für Sonderrechte eines Notarztes im Einsatz, wenn es der mitgeteilte Zustand des Patienten erfordert. Der Notarzt wird im Interesse des zu Behandelnden und im eigenen Interesse auch bei erhöhter Geschwindigkeit verantwortungsbewusst fahren. Einzelne Notärzte sind ohnehin nicht das Problem von Unfällen durch Überschreiten der Tempogrenzen. Die Aufmerksamkeit ist mehr auf die Vielzahl von Autofahrern zu richten, die ohne sachlichen Grund und ohne Unrechtsbewusstsein gegen die Temporegelungen verstoßen.

  4. dasklo

    Selber erlebt, Stau und Blaulicht an, damit man sich nicht anstellen muss. Ich bin der Meinung, wenn der Arzt schnell zu einem Einsatz fahren muss, weil ein Notarzt nicht zur Verfügung steht, dann sollte es auch ohne Sonderrechte wie Blaulicht gehen können. Ich kenn das von der Großstadt, da kommt der Heli auch ohne Sondersignal ..

  5. Dieselautofahrer

    @1 Hartmut Grün Du bist ja ein ganz Schlaue.Ich möchte Dich mal in einer Notsituation sehen wenn dann der "Halbgott"sagt ich habe jetzt Feierabend/meine bezahlte Zeit ist um.Ganz zu Schweigen von der Last welche Notärzte und andere Retter nach Einsätzen bei VKU zu tragen haben.

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