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Mittwoch, 03.01.2018

Ein Amerikaner auf Wackerbarth

Als Werbefotograf und bekennender Biertrinker kam John Oaks nach Deutschland. Jetzt lernt er Winzer.

Von Uta Büttner

John Oaks berät Kunden im Gutsmarkthof des Staatsweinguts Wackerbarth in Radebeul. Der einstige Fotograf erlernt dort seinen zweiten Beruf.
John Oaks berät Kunden im Gutsmarkthof des Staatsweinguts Wackerbarth in Radebeul. Der einstige Fotograf erlernt dort seinen zweiten Beruf.

© Norbert Millauer

Radebeul. Stolz und glücklich steht John Oaks hinter der Verkaufstheke im Gutsmarkthof des Sächsischen Staatsweinguts Schloss Wackerbarth in Radebeul. Er berät Kunden aus aller Welt bei der Verkostung der edlen Weine – zum ersten Mal. Die Morgensonne scheint durch die großen Glasfenster und lässt die weihnachtliche Stimmung in dem hellen Raum in einem ganz besonderen Licht erscheinen. „Das Arbeitsumfeld ist unglaublich schön“, sagt er.

Noch vor ein paar Monaten hätte sich das der aus Cincinnati/Ohio stammende 44-Jährige nicht vorstellen können. Zumal er fast ausschließlich Bier trank. „Jetzt probiere ich jeden zweiten Tag einen Wein, den ich noch nicht kenne und mache mir Notizen zum Geschmack und wie er riecht“, sagt John Oaks. Das ist wichtig für seine Winzer-Ausbildung. In seinem für eine Lehre relativ hohen Alter hat er sich entschieden, noch einmal ganz neu anzufangen. Die Arbeit als Werbefotograf bei seinem alten Arbeitgeber, weshalb er vor fünf Jahren nach Mittweida kam, füllte ihn nicht mehr aus. Er schoss vorher tolle Fotos für große Firmen. „Aber hier hatte ich es satt, am Tag 200 Hundefutterbilder zu fotografieren“, sagt John Oaks.

Eine Kollegin seiner Freundin, die er in Mittweida kennenlernte, besuchte vor etwa eineinhalb Jahren das Erlebnisweingut. Als sie Fotos ihres Ausflugs zeigte, „war ich begeistert von der Umgebung, der Landschaft und dem Weingut. Da wusste ich, da muss ich unbedingt mal hin.“ Zu diesem Zeitpunkt wusste er noch nicht, dass er eines Tages bei Wackerbarth lernen würde.

In Mittweida, gemeinsam mit seiner Freundin, entdeckte John Oak erst einmal die Leidenschaft für das Kochen und den Garten mit Anbau von Gemüse und Obst. „Bei uns in Amerika hatte niemand eigenes Obst. Hier hat das jeder“, sagt er begeistert. Und so probierte er sich auch schon an der Herstellung eigenen Obstweins. Aber alles war nur Hobby. Er wollte es richtig lernen. Und dabei entstand die Idee, in das Winzerhandwerk einzusteigen. Dabei fiel John Oaks sofort wieder Wackerbarth ein, dieser Name war in sein Gedächtnis eingebrannt. Er schrieb eine Bewerbung und seit Sommer dieses Jahres erlernt er alles, was ein Winzer braucht. So begann seine Ausbildung mit der Weinlese. Etwa sechs Wochen war er mit der Handlesemannschaft im Hang unterwegs – an manchen Tagen bei Temperaturen von 30 Grad und mehr. „Das war schon ziemlich hart.“ Aber er bereut keinen einzigen Moment. „Der Ausblick begeistert mich immer wieder. Dabei frage ich mich, ob die Leute, die das erbaut haben, diese Schönheit auch immer gesehen haben.“ Die körperliche Arbeit wurde ihm nie zu viel, im Gegenteil: „Da spare ich mir das Fitnessstudio“, sagt er lachend.

Während seiner Ausbildung durchläuft John Oaks alle Bereiche im Weingut, die er als Winzer benötigt. Dazwischen muss er immer mal wieder die Schulbank drücken – im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach. Und so ist dieser Tag auch sein vorerst letzter im Gutsmarkthof. Der Kundenkontakt hat ihm Spaß gemacht – mit Kanadiern, Russen oder Japanern und natürlich auch Deutschen über den sächsischen Wein zu sprechen. Neben Englisch kann er schon längst auch fließend Deutsch sprechen. Nur mit dem „der, die, das“ klappt es noch nicht so richtig. „Das müssen Sie im Text dann korrigieren“, sagt er lachend.

An seine Anfänge mit dem ersten Kontakt mit Sachsen kann sich John Oaks noch sehr gut erinnern. Bevor er nach Deutschland kam, versuchte er, sich Deutsch mit Audiodateien selbst beizubringen. Das war natürlich hochdeutsch. „Bei meinem ersten Briefmarkenkauf habe ich richtig geschwitzt: Ob denn mein Geld auch reicht, was ich hinlege? Ich hatte die Verkäuferin einfach nicht verstanden.“ Inzwischen kommt auch bei John Oaks hin und wieder der sächsische Dialekt durch.

Seine Ausbildung wird etwa zwei Jahre dauern, ein Jahr kürzer als bei anderen Auszubildenden. Denn es ist sein zweiter Beruf. Was John Oaks danach macht, weiß er noch nicht so genau. Gern würde er auch mal nach Spanien gehen. Als Winzer kann er auf allen Weingütern der Welt arbeiten. Martin Junge vom Staatsweingut Schloss Wackerbarth sagt: „Die Ausbildung in Deutschland genießt weltweit ein hohes Ansehen.“ Für John Oaks steht eines zumindest fest: „Die Winzerarbeit soll ein großer Teil meines Lebens werden.“

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