• Einstellungen
Dienstag, 02.01.2018

Dulig: Ostdeutsche wollen nicht als Jammer-Ossis gesehen werden

23

Martin Dulig, hier im Oktober auf dem SPD-Landesparteitag, hat eine Empfehlung für seine Partei.
Martin Dulig, hier im Oktober auf dem SPD-Landesparteitag, hat eine Empfehlung für seine Partei.

© dpa

Dresden. Der sächsische SPD-Chef Martin Dulig verlangt von seiner Partei eine andere Sicht auf den Osten. Nach wie vor gebe es in der SPD noch eine „sehr westdeutsche Sicht und Denkweise“, wenn von Ostdeutschland die Rede sei, sagte der 43-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Dulig ist in der schwarz-roten Koalition in Sachsen Wirtschaftsminister und stellvertretender Regierungschef.

„Ich gehöre einer Generation an, die es leid ist, dass man den Osten nur über Defizite, Minderheiten und Komplexe wahrnimmt und mit Jammern gleichsetzt.“ Er gehe mit Selbstbewusstsein in diese Debatte und dem Wissen, dass Ostdeutschland einiges einzubringen habe.

Dulig will künftig als Ostbeauftragter des Parteivorstandes agieren. Unlängst hatte die SPD auf ihrem Bundesparteitag in Berlin beschlossen, ihre Genossen im Osten stärker zu unterstützen. Das schließt die Funktion eines Ostbeauftragten ein. Ob Dulig noch mit einem anderen Bewerber für das Amt rechnen muss, ist unklar. Letztlich bestimmt der Parteivorstand darüber, voraussichtlich Anfang Januar.

„Ich sehe dieses Amt als eine politische Funktion. Ich bin nicht der Geschäftsführer Ost. Meine Aufgabe ist es nicht, die Strukturen der Ost-SPD aufzubauen“, sagte Dulig. Er wolle aber als „Stimme für den Osten“ in der Partei wirken, vor allem den Dialog innerhalb der Partei suchen.

Mit Blick auf die Ergebnisse der Bundestagswahl sei es ratsam, „sich genau anzuschauen, warum der Osten so tickt“. Für viele Westdeutsche habe sich nach 1990 wenig geändert. Sie hätten nie versucht zu verstehen, welche Umbrüche es im Osten gab: „Es gibt oftmals einen fehlenden Respekt vor den Lebensleistungen der Menschen im Osten vor der Wende, aber auch vor den großen Umbrüchen und Herausforderungen, welche nach der friedlichen Revolution bewältigt worden sind.“ Teile einer ganzen Generation hätten nach der Wende Demütigungen erlitten.

„Sie haben eigene Nachteile wie geringere Löhne und Arbeitslosigkeit in Kauf genommen, nur damit es weitergeht. Dieses Thema wurde nie aufgearbeitet“, betonte Dulig. Andererseits gebe es aber auch viele Ostdeutsche, die sich bei diesen Themen überhaupt nicht angesprochen fühlten. Zudem hätten sich viele Westdeutsche auf vorbildliche Weise in den Aufbau Ost eingebracht: „Deshalb brauchen wir eine differenzierte Sicht auf die Befindlichkeiten – wir müssen endlich weg von diesem Schwarz-Weiß-Denken.“ (dpa)

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Seite 1 von 5

Insgesamt 23 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Berg

    Schon der Bischof schrieb beiläufig von "Entwürdigung durch die Diktaturen" und setzt einfach gleich, was nicht gleich gewesen ist. Doch dort fängt das Missverstehen an. Während keiner an der Nazidiktatur noch etwas Positives in Erinnerung hat, dämmert es bei manch einem, dass es ihm in der Diktatur des Proletariats in gewisser Hinsicht nicht schlecht gegangen ist: Sicherheit des Arbeitsplatzes, niedrige Mieten, Förderung der Arbeiter- und Bauernkinder, genossenschaftliche Landwirtschaft, Gesundheitswesen ohne Zuzahlungen, Hausgemeinschaften - nicht für jeden alles, aber dies und jenes bleibt in positiver Erinnerung. Nein, niemand will das zurückhaben! Doch madig machen ist manchmal fehl am Platze angesichts heutiger Zustände. Und in jedem Lausitzer Ort wurde ein Betrieb gegründet bzw. erweitert, mit sicheren Arbeitsplätzen für Männer und Frauen, samt Kulturhaus für den Jugendtanz. Und VEBs konkurrierten nicht gegeneinander, sonder machten Erdahrunsaustausch ein verschwundenes Wort..

  2. HP

    Herr Dulig erweckt den Eindruck, jetzt die Ostdeutschen Interessen mehr in den Vordergrund zu rücken. Haben wir da nicht schon eine Ostbeauftragte? Was macht die eigentlich? Berechtigte Fragen, meine ich, oder sollten wir die abschaffen? Das spart zumindest Geld. Die Parteien haben selbst durch ihre Politik zur Diskriminierung des Ostens beigetragen und lässt sich im Nachgang nur schwer korrigieren, wenn überhaupt. Der Osten wurde hinsichtlich der Vergangenheitsbewältigung immer wieder nur aus die Stasi( Ministeriums für Staatssicherheit) reduziert. Hier eichte es aus nur in die Nähe dieses Apparates zu geraten und schon war man wech. Im West Fehelanzeige. Namen wurden genannt, im Westen standen Persönlichkeitsrechte dagegen. Wessis schützen Wessis. Ossis haut man in die Pfanne um so seine Position zu verbessern. Doping. Im Osten wurden wieder Namen genannt.Im Westen-Fehlanzeige. Zuviele sind da wohl noch in hohen Ämtern? Die Fakten sprechen für sich!!!!!!!!!!!!! Mal darüber nachdenken

  3. HP

    Nun da fällt mir noch was ein. Ein angeblich führender Krimonologe behauptete doch glatt, das die Kriminalität im Osten höher ist weil wir alle kollektiv auf Toilette waren im Kindergarten. Auf sowas muss man mal kommen. Da wird eine Studie veröffentlicht wo gerade mal 40 Personen aus Mitteldeuschland befragt werden und der ganze Osten ist "Rechts". Handwerkliche Fehler oder gezielte Provokation? Die Medien greifen all dies auch noch wohlwollend auf und geben es ungefiltert weiter. So und nun könnt ihr medial auf mich eindreschen. Wenn das Nennen von Ursachen/Fakten gleichzusetzen ist mit Jammer-Ossi. dann bin ich einer. Dann machen Sie mal los Herr Dulig.

  4. R.B.

    Anfang August 1989 kam über den DLF in den Nachrichten um 5.30 UHR der Satz: ... wir haben Gorbatschow versprechen müssen, daß die DDR noch ihren 40 Jahrestag feiern darf! Hätte man nach der sogenannten "Wende" eine Abstimmung gemacht, in der gefragt wurde: "Seid Ihr für die Wiedervereinigung", dann hätten über 90% der Bevölkerung (zumindest im Osten) mit "JA" gestimmt. Warum kam es wohl zu so einer Volksbefragung nicht? - Fragen, deren Beantwortung wohl unangenehm sind!

  5. Dresdner45

    #HP, dieser Kriminologe hat sich bis heute auch noch nicht bei den Sebnitzer über seine Falschaussage entschuldigt. Wir Ossis sind Jammer-Ossis, kann stimmen, ABER nur dann, wenn die Jammer-Wessis aufhören würden, ZU JAMMERN!

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 5

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.