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Montag, 19.06.2017

Die Nudelfee von Riesa

Seit 14 Jahren können Besucher die Entstehung der Nudel live miterleben. Von Anfang an beantwortet ihnen Beate Lehmann ihre Fragen.

„Die Kinder essen mir hier massenhaft aus der Hand“, scherzt Beate Lehmann. Die Gästeführerin im Nudelcenter Riesa gibt den Besuchern auch frische, noch nicht getrocknete Nudeln zum Probieren. Kinder könnten davon oft nicht genug bekommen, so die Nudelfee.
„Die Kinder essen mir hier massenhaft aus der Hand“, scherzt Beate Lehmann. Die Gästeführerin im Nudelcenter Riesa gibt den Besuchern auch frische, noch nicht getrocknete Nudeln zum Probieren. Kinder könnten davon oft nicht genug bekommen, so die Nudelfee.

© Sebastian Schultz

Riesa. Nudeln mag sie immer noch, versichert Beate Lehmann. „Ich wüsste niemanden bei uns, der keine Nudeln mag“, sagt sie. Seit 14 Jahren führt sie jetzt schon Besucher durch das Teigwaren-Werk in Riesa, vorbei an der Produktion von Makkaroni, Spaghetti, Spirelli und was sich die Nudelkreativen gerade wieder Neues ausgedacht haben. Sie wurde damals vom Unternehmen eingestellt, um die Führungen zu betreuen und aufzubauen. „Wir hatten ja keinen Vergleich, wie die Leute reagieren“, erzählt Beate Lehmann. „Was muss man erzählen, damit das interessant ist?“ Auch heute noch verändere sie ihren Text immer wieder. Mittlerweile ist die 42-jährige Riesaerin mit dem breiten, offenen Lächeln und der Lockenmähne als „Nudelfee“ stadtbekannt, nennt sich sogar selbst so. Die Führungen sind zeitlich durchgetaktet, das Werk ist darauf ausgelegt, Museum und der kleine Laden vor Ort laufen problemlos.

Entlang der Elbe nach Riesa

Zu Anfang war das noch nicht so, zur ersten Führung war das Nudelcenter fast noch eine Baustelle, das Museum gab es noch nicht. „Wir haben nachts noch eingeräumt“, erzählt Beate Lehmann. Und auch die Mitarbeiter mussten erst einmal überzeugt werden. „Die mussten sich daran gewöhnen, dass sie angestarrt werden wie im Tierpark“, sagt die Nudelfee lachend.

Etwa 150 Mitarbeiter hat das 1914 gegründete Werk aktuell, 2008 kam ein zweites Werk dazu. Mittlerweile werden über 100 Produkte mit unterschiedlichen Formen und Rezepturen angeboten. Besonders gerne spielt Beate Lehmann kleine Ratespiele mit den Gästen. Zum Beispiel, wie viel die Tagesproduktion von etwa 100 Tonnen Nudeln umgerechnet auf 500 Gramm Packungen sind. An diesem Tag kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen.

Service

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Einen Besuch wert ist auch das angeschlossene Restaurant. Hier können neben Klassikern auch außergewöhnliche Kreationen wie Nudelburger oder süß gefüllte Riesen-Muscheln gekostet werden.

Im Museum kann die Geschichte der Riesaer Nudel erlebt werden.

Das Nudelkontor bietet die komplette Produktpalette der Riesaer Nudeln an, also auch solche, die es im Supermarkt nicht gibt.

Die Haltestelle Nudelcenter kann mit den Buslinien 442, B und C erreicht werden. Zum Bahnhof Riesa fahren S-Bahn, Regional- und Fernverkehrszüge.

Die Buchung für Führungen durch die gläserne Produktion ist unter Telefon 03525 720355 möglich, Erwachsene zahlen vier, Schüler zwei Euro.

Kontakt Nudelcenter Riesa, Merzdorfer Str. 21-25, 01591 Riesa

www.teigwaren-riesa.de

„200 000“ schallt es gleich mehrfach aus dem Publikum. „Und in Nudelportionen von 100 Gramm?“ legt Beate Lehmann nach. Die Fragen kämen immer ganz gut an, um die Führung aufzulockern. Vielleicht auch, um die Besucher nach dem etwas zu lang geratenen Werbefilm zu Beginn der Veranstaltung wieder aufzuwecken. Wie werden die Nudeln rot, grün, schwarz? Wer isst eigentlich all die Nudeln, die in Riesa produziert werden? Diese und noch viele weitere Fragen werden beantwortet.

„Besonders Kinder fragen mir Löcher in den Bauch“, sagt sie. Die sind ihr sowieso am liebsten, weil sie so neugierig sind. „Nach einer Führung ist mal ein Kind ganz von selbst auf mich zugerannt, hat mich gedrückt und gesagt ‚das war das schönste, was ich je erlebt habe‘“, erzählt sie. Bevor es in die Produktion geht, werden die Besucher hygienisch verpackt. „Ich bring sie jetzt mal unter die Haube“, scherzt die Nudelfee, als sie zusätzlich zur Schutzkleidung, in welche die Gäste schon gehüllt sind, noch Haarnetze verteilt. Auch sie selbst versteckt ihre Mähne. Noch eine kleine Warnung: „Drinnen wird es heiß, das ist nichts für Leute mit Herz- und Kreislaufproblemen.“

Wie das manchmal so ist, steht die Produktion am Anfang der Führung still. „Das ist alles live“, erklärt Beate Lehmann. Vor Kurzem seien noch Spaghetti in dem Aufzug gefahren, jetzt wird umgebaut für die nächste Nudel. Ein paar Schritte weiter gibt es dann die ersten zu sehen, die gerade verpackt und von einer Mitarbeiterin gestapelt werden. „Gucken Sie mal der Kollegin über die Schulter“, fordert die Nudelführerin auf. „Nein, jetzt rennt die weg, so geht das doch nicht.“ Natürlich im Scherz, denn klar ist, „Nudeln haben Vorfahrt“. Im nächsten Moment kommt die Mitarbeiterin mit einem Wagen zurück, die Gäste müssen Platz machen.

An vielen Ecken in der Fabrik sind Mikrofone angebracht, damit die Besucher Beate Lehmann und ihre Kollegen auch hören können, ohne dass diese sich heiser schreien. Zusätzlich sind Tafeln angebracht, die das Wichtigste beschreiben. Erklärungen sind wichtig, denn vieles versteckt sich in der Produktion in den Maschinen, nur ab und an purzeln Nudeln hervor, sieht man hinter Sichtfenstern Spaghetti vorbeiziehen.

Die Führung habe sich im Laufe der Zeit entwickelt, so die Gästeführerin. „Wir haben es auch mal eine Zeit lang mit tragbaren Mikrofonen versucht, aber da gab es Rückkopplungen.“ Wie auch sonst nicht immer alles glatt lief. Einmal gab es im Werk einen Stromausfall, weil bei einer Baustelle ein Kabel gekappt worden war. „Da war ich gerade im Filmraum, die Rollläden waren unten, da war es stockdunkel“, erzählt die 42-Jährige. „Ich bin dann mit den Leuten trotzdem durch den Laden getapst.“ Auch im Werk stand alles still, wie bei dem leeren Spaghettiaufzug musste sie überall erklären, was dort gerade eigentlich passieren sollte. Immerhin kam durch die Fenster Tageslicht herein. „Die Gäste sind ja da, wir gucken dann, wie wir weitermachen.“

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