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Freitag, 12.01.2018

Die nördlichste Pension Sachsens

Die Landesgrenze nach Brandenburg liegt hier vor der Haustür. Und ein unterschätzter Hausberg.

Von Birgit Ulbricht

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Margita Lauter vor ihrem Gästehaus am Heideberg in Strauch – immer mit dabei Hündin Trixi. Tiere dürfen hier gern mitgebracht werden.
Margita Lauter vor ihrem Gästehaus am Heideberg in Strauch – immer mit dabei Hündin Trixi. Tiere dürfen hier gern mitgebracht werden.

© Kristin Richter

Großenhain/Strauch. Hier draußen pfeift der Wind eisig übers freie Feld. In Blickweite steht immer der Wald. Das Dorf liegt weithin frei sichtbar in der Landschaft. Im Herbst sammeln sich hier riesige Vogelschwärme in den Saaten der umliegenden Felder, bevor die Rastgäste nach Süden weiterziehen. Doch andere Rekorde vermutet hier wohl niemand.

Doch es gibt sie. So wie die nördlichste Pension Sachsens, die liebevoll von Familie Lauter betrieben wird. 2013 eröffneten die Straucher ihr Gästehaus. Es war eine bewusste Entscheidung, wenn auch kein Neubau, hier im nördlichsten Zipfel Sachsens. Früher war das Haus Am Heideberg 6 das Wohnhaus der Eltern. Die Kinder bauten nebenan und irgendwann nach dem Tod der Eltern stand die Frage, was die Familie mit dem Häuschen anfängt. Margita und Dietmar Lauter haben ihre Antwort gefunden – ein nettes, modern umgebautes Gästehaus haben sie 2013 eröffnet. Mit Kachelofen neben der komfortablen Heizung im Wohnzimmer, mit Küche, Bad und zwei Schlafräumen im Obergeschoss.

Familienfeiern und Klassentreffen

Die meisten Gäste kommen von den beiden Gasthöfen im Ort, der Straucher Scheune und dem Gasthof Strauch. Wann immer Hochzeiten, Geburtstage oder Klassentreffen gefeiert werden, stellt sich für die Einladenden auch schnell die Frage nach einer Übernachtung. Und da sind Lauters eine gute Adresse. Auch Firmen schicken schon Mitarbeiter hier her oder es kommen tatsächlich Touristen – Wanderfreunde genauer gesagt. Denn nur wenige hundert Meter weg befindet sich mit dem Heideberg ein schöner Ausblick ins weite Land. Nicht nur das, der Straucher Heideberg ist in vielerlei Hinsicht eine Kuriosität. Er ist der höchste natürliche topographische Punkt des Nachbarn Brandenburg mit exakt 201,4 Metern Höhe. Als höchste Erhebung darf er sich allerdings nicht bezeichnen, da der Gipfel des Berges bereits zum Freistaat Sachsen gehört. Der Hausberg der Straucher ist ein wahrer Grenzberg mit Aussichtsturm an der Landesgrenze Brandenburg/ Sachsen. Der 30 Meter hohe Aussichtsturm steht, so betonen es jedenfalls die nördlichen Nachbarn, noch auf ihrer Seite. Der natürliche Gipfel mit einem trigonometrischen Punkt auf sächsischer Seite zeigt eine Höhe von 206,1 Metern an. Dieser Punkt diente zur Erstellung des ersten trigonometrischen Netzes der königlich-sächsischen Landvermessung, die von 1862 bis 1890 auf dem Staatsgebiet des Königreiches Sachsen durchgeführt wurde und als Lebenswerk des sächsischen Professors Christian August Nagel gilt.

Ein Sachse baut den Turm aus Holz

Manche Hinweisschilder vor Ort unterscheiden deshalb auch die Bezeichnungen „Heidehöhe“ für den höchsten Punkt Brandenburgs und „Heideberg“ für den Gipfel in Sachsen. Bereits 1853 wurde durch Bernhard von Rochow, dem Gutsbesitzer von Strauch, ein Holzturm errichtet. Nach der Zerstörung durch ein Unwetter 1862 wurde ein Turm in massiver Bauweise neu gebaut. 1945 wurde er zerstört. Später gab es einen hölzernen Vermessungsturm, der um 1990 abgerissen wurde. Im Jahr 2007 waren es schließlich die Brandenburger, die beschlossen, einen neuen Aussichtsturm zu bauen. Am Ende ist und bleibt die Region rund um den gemeinsamen Hausberg miteinander verwoben.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. M. Nicke

    Ich kann mir kaum vorstellen, dass es in sächsischen Orten Bad Muskau, Torgau, Bad Düben und vielen weiteren, die alle nördlicher als Strauch bzw. dem Heideberg an der Landesgrenze (bei ca. 51°23'N) liegen, keine Pensionen geben sollte. Wie kommt man ansonsten zu der Behauptung, dass die im Artikel beschriebene Pension die närdlichste unseres Bundeslandes sei? Der Witz ist, dass der betreffende Grenzabschnitt eher der südlichste ist, wenn man nur die nördliche Begrenzung Sachasens betrachtet (soweit das grob geht). Umgekehrt gehört die Gegend nördlich der Landesgrenze zu den südlichsten Ausläufern unseres Nachbarn Brandenburg (südlichster Punkt liegt bei Ortrand). Vielleicht kam es hierdurch zu der unzulässigen Schlussfolgerung?

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