• Einstellungen
Samstag, 12.08.2017 Kolumne: Sächsisch betrachtet

CDU feiert blau im Pool

Am Ende des Abends gab es aber einen ganz anderen Party-Sieger.

Von Gunnar Saft

SZ-Redakteur Gunnar Saft
SZ-Redakteur Gunnar Saft

© Robert Michael

ES sollte endlich mal wieder ein schöner Abend werden. Die sächsische CDU, die diese Woche mit dem Bürgerrechtler Frank Richter erneut ein prominentes Parteimitglied verlor, hatte deshalb am Donnerstag zum Feiern in einen edlen Dresdner Szene-Klub geladen. Das Ambiente dort war dem Vergessen tatsächlich sehr zuträglich, notfalls half die reichhaltige Getränkekarte. Anders gesagt: Am Anfang der Fete schimmerte allein das Wasser im Klub-Pool blau. Später kamen dann aber auch viele Gäste in Schräglage dem Wasser gefährlich nah.

DA Party-Chef Stanislaw Tillich nicht nur unser aller Ministerpräsident ist, sondern auch ein richtiges CDU-Feierbiest, heizte er die Stimmung gleich richtig an. Statt über verflossene Parteimitglieder zu reden, lobte er in seiner Eröffnungsrede lauthals die eigenen Kandidaten, die jetzt zur Bundestagswahl antreten. Wahre Prachtkerle und Prachtmädels seien das, während die Bewerber anderer Parteien oft keiner kenne. Wie zum Beweis verwies er auf einen Dresdner Sozialdemokraten, einen gewissen „Herrn Ka... Ka... Kaniewski“. Die anwesenden Christdemokraten jubelten und die Getränkekarte machte eine neue Runde.

WAS die siegestrunkenen CDUler da offenbar schon vergessen hatten: Es waren auch Politiker vom Koalitionspartner SPD zur Fete geladen. Und die fackelten nicht lange. Per Handy rief man Richard Kaniewski in den Klub, der sich dann jedem torkelnden CDU-Kollegen in den Weg stellte – zwecks freundlicher Begrüßung und persönlicher Vorstellung als SPD-Bundestagskandidat. Auch Herr Tillich entkam ihm nicht. Und weil es noch nüchterne Christdemokraten gab, hängte Kaniewski sicherheitshalber einige Großplakate mit seinem Konterfei am Parkplatz auf. Warum am Ende tatsächlich zwei Gäste der CDU-Party im Pool landeten, ist unklar. Einigen wir uns darauf, dass sie baden gegangen sind. Das passt.

Desktopversion des Artikels