• Einstellungen
Sonntag, 18.06.2017

Aufwind für „Versteckte Perlen“

Junge Menschen und Familien schätzen auch die Lebensqualität in ländlichen Regionen. Für elf „versteckte Perlen“ von Bautzen bis Stollberg ist das eine Chance. Die Mittelstädte müssen ihr Potenzial aber nutzen.

2

Blick auf die Altstadt von Bautzen mit der Alten Wasserkunst (l) und der Michaeliskirche. Die Stadt zählt zu den elf „versteckten Perlen“ im Freistaat.
Blick auf die Altstadt von Bautzen mit der Alten Wasserkunst (l) und der Michaeliskirche. Die Stadt zählt zu den elf „versteckten Perlen“ im Freistaat.

© dpa

Dresden. Lebensqualität fernab der Metropolen: Attraktive Mittelstädte in Sachsen sind Alternativen zum Großstadtleben. Dass das so bleibt, ist kein Selbstläufer, sagt der Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG), Axel Viehweger. Der hat für Montag zum Thementag nach Bautzen geladen, um die „versteckten Perlen“ zu polieren. „Wir wollen, dass Landkreise und Städte zur Kenntnis nehmen, dass wir bis auf wenige Ausnahmen schrumpfen.“ Das müsse gestaltet werden. Nicht nur die Wohnungswirtschaft habe ein vitales Interesse daran, dass die vorhandene Lebensqualität zumindest erhalten wird.

Die VSWG will deshalb eine politische Diskussion anregen, wie der 2016 in einer „Schwarmstudie“ festgestellten Umverteilung der Bevölkerung entgegengewirkt werden kann. Sie sieht Potenzial in elf „versteckten Perlen“: Bautzen, Bischofswerda, Borna, Delitzsch, Döbeln, Eilenburg, Hohenstein-Ernstthal, Markranstädt, Mittweida und Stollberg (Erzgebirge). „Sie verlieren zwar an die großen Städte, ziehen aber Menschen aus der ländlichen Umgebung an“, sagt Viehweger.

Damit die „versteckten Perlen“ sichtbar werden, brauche es ein Zusammengehen von verschiedenen Netzwerken, erklärt Viehweger. Das betreffe die technische Infrastruktur ebenso wie den Öffentlichen Nahverkehr, Wohnungsbau, Soziales, Kultur oder Sport. „Sie können zu Ankerstädten in von Abwanderung und Überalterung gezeichneten Regionen werden.“ Wenn klar sei, wie die Menschen aus den Dörfern dorthin kämen, könnten sie am Leben erhalten werden. Dazu brauche es aber Geld. „Das soll nicht in die großen Städte fließen, sondern in die Mittelstädte, die schrumpfen.“

Laut Viehweger befinden sich zwei Drittel der insgesamt rund 280 000 Genossenschaftswohnungen in Sachsen im ländlichen Raum. „Rund 600 000 Menschen wollen auch dort bleiben, deshalb möchten wir, dass die Städte lebenswert bleiben und funktionieren.“ Dafür holt Viehweger den Städte- und Gemeindetag, Ministerien, Landkreistag, aber auch Landesärztekammer, Verkehrsexperten, Oberbürgermeister, Landräte und Abgeordnete an einen Tisch.

„Es gibt einen Trend bei jungen Leuten und Familien, dass das Wohnen in einer attraktiven Stadt, die Lebensqualität, wichtiger sind als der Arbeitsplatz“, begründete Viehweger die Notwendigkeit zu handeln. „Man pendelt wieder zur Arbeit und nimmt lieber Wege in Kauf.“ Das sei eine Chance für die Mittelstädte wie Döbeln, wo Wohnen und Anderes viel günstiger ist als in den Großstädten. Die Kommunen müssten sich um belebte Zentren - Geschäfte, Freizeitmöglichkeiten, Kultur -, den passenden Verkehr, medizinische Angebote und Schulen kümmern. „Wenn das Gymnasium weggeht, gehen auch die Ärzte.“ (dpa)

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Ines

    .....richtige Richtung - Nahverkehr!!!! Dringend....Versuch mal jemand von Dresden nach Döbeln zu kommen.... Da muss was getan werden!

  2. RS

    Bei Pendeln versteht ja leider die verkehrsplanerische Zunft nur MIV. Wie 1. schreibt, gibt es aber auch andere Verkehrsarten. Durch die verfehlte Verkehrsplanung von Schwarz-Gelb und nun Schwarz-Rot in Sachsen wurden unsinnigerweise die Bus-/Bahnverbindungen ausgedünnt. Statt mit attraktiven Preisen und kurzen Anschlüssen Anreize für ÖPNV, oder gute sichere und schnelle Radfahrinfrastrukturen für das Fahrrad (Kurzstrecken) zu schaffen, gab es den Autobahn-/Bundesstraßen-Boom. Zu der von 1. genannten miesen Verbindung kommen hinzu: Radebeul-Wilsdruff, Zittau-Löbau-Bautzen, Görlitz-Niesky, Bautzen-Weißwasser, Meißen-Döbeln, Meißen-Lommatzsch, Wilsdruff-Lommatzsch/Döbeln und natürlich sämtliche Verbindungen aus Richtung Dresden ins südliche Erzgebirge... zum Teil alles Strecken, die einmal per Bahn verbunden waren. Dort kommt niemand mehr hin, dafür ersticken die Städte am Autoverkehr. Verfehlte Verkehrspolitik auf ganzer Linie!

Alle Kommentare anzeigen

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.