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Montag, 09.10.2017

Zwei Kinder – ein Zimmer?

Pädagogen sehen in einem gemeinsamen Zimmer Vorteile. Doch Psychologen raten davon ab.

Von Monika Kophal

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Pädagogen sehen in einem gemeinsamen Zimmer Vorteile. Doch Psychologen raten davon ab.
Pädagogen sehen in einem gemeinsamen Zimmer Vorteile. Doch Psychologen raten davon ab.

© dpa-tmn

Henriette Zwicks Tochter Marlene ist drei Jahre alt, als sie feststellt: Es ist gemein, dass sie alleine im Kinderzimmer schlafen muss, während die Eltern und die zwei Jahre jüngere Schwester ein gemeinsames Zimmer haben. Henriette Zwick und ihr Mann räumen daraufhin Kleiderschrank und Bett der jüngeren Florentine in das Kinderzimmer. Seitdem teilen sich die mittlerweile sechs und vier Jahre alten Schwestern ein etwa elf Quadratmeter großes Zimmer – freiwillig. Freiwillig geht das aber nicht bei jedem, denn hohe Mieten führen oft dazu, dass sich Familien nur Wohnungen mit einem Kinderzimmer leisten können.

Bei den beiden Mädchen klappt es wirklich gut: Tagsüber teilen sie sich das Spielzeug, räumen gemeinsam auf, und abends sucht die eine die Gutenacht-Geschichte zum Vorlesen, die andere das Hörspiel zum Einschlafen aus. Obwohl die Zwicks genügend Platz im Haus haben, wollen die Mädels zusammenbleiben – noch jedenfalls. „Die Große kommt nächstes Jahr in die Schule, und wir schauen mal, wie sich das Ganze dann entwickelt“, sagt Zwick.

Dass ihre Töchter gemeinsam für das Kinderzimmer Verantwortung übernehmen und nicht die ganze Zeit in den Kategorien „mein“ und „dein“ denken – das kommt der Entwicklung zugute, findet die Mutter dreier Töchter. Und trotzdem habe sie von Beginn an viel Wert darauf gelegt, dass sich die Individualität beider Kinder im Zimmer widerspiegelt. „Die Wände über ihren Betten haben sich die Mädchen mit persönlichen Fotos und Bildern gestaltet, das ist Privatsphäre“, sagt Henriette Zwick. Außerdem haben beide einen eigenen Kleiderschrank und – was noch wichtiger ist – eine eigene Schatzkiste.

Auch die Pädagogin Suanne Mierau empfiehlt, im gemeinsamen Kinderzimmer Bereiche zu schaffen, die jedes Kind für sich gestalten kann. Sinnvoll sind außerdem Regale, die vom anderen Kind nicht benutzt werden dürfen und in denen das Spielzeug verstaut wird, das nicht geteilt wird. Funktionieren kann das über verschiedene Hochebenen, für die gewisse motorische und körperliche Fähigkeiten nötig sind, die dem jüngeren Kind zum Beispiel noch fehlen.

Generell findet die Erzieherin das gemeinsame Kinderzimmer sinnvoll: Gerade in der heutigen Zeit fehle es den meisten Familien doch an nichts, wodurch Kinder nicht mehr so stark auf das Teilen angewiesen sind. „Dadurch laufen sie Gefahr, wichtige Entwicklungsschritte zu verpassen.“

Denn im gemeinsamen Zimmer müssen die Kinder lernen, wo die Grenzen des anderen liegen und diese einhalten. Dass es hier und da mal zu Streit kommt, ist normal, trotzdem sollten Eltern einen Teil dieser Konflikte moderieren.

Ob Kinder gemeinsam zu Bett gehen sollten, hängt sehr von den unterschiedlichen Schlafbedürfnissen der Kinder ab. „Wenn ein Kind eine ,Nachtigall‘, das andere eine ,Lerche‘ ist, kann es schon sinnvoll sein, die Kinder getrennt ins Bett zu bringen“, sagt Mierau. Bei anderen Familien wiederum funktioniert es gut, beide Kinder gemeinsam ins Bett zu bringen.

Die Psychologin Barbara Gmöhling-Schlögl steht dem gemeinsamen Kinderzimmer kritisch gegenüber. In ihrer Arbeit mit Kindern mache sie immer wieder die Erfahrung, dass ältere Kinder im gemeinsamen Zimmer zurückstecken, weil sie auf das jüngere Geschwisterkind Rücksicht nehmen. „Nicht immer wollen Kinder, dass die kleine Schwester mitspielt, wenn die eigenen Freunde da sind“, sagt Gmöhling-Schlögl. Die älteren Geschwister sollten auch nicht die Elternrolle übernehmen, indem sie dem jüngeren Geschwisterkind beim Einschlafen Trost schenken oder es gar in das eigene Bett lassen.

Spätestens in der Pubertät ist ein gemeinsames Zimmer sowieso nicht mehr angebracht, findet auch Gmöhling-Schlögl – vor allem, wenn die Geschwister unterschiedlichen Geschlechts sind. Dann brauchen sie ihre persönlichen Rückzugsmöglichkeiten mehr denn je.

Fehlt es Familien an Platz, empfiehlt sie, feste Zeiten zu vereinbaren, zu denen jedes Kind das Zimmer allein nutzen darf. Spielbereiche sollten außerdem auch in ein anderes Zimmer verlagert werden, sodass Schulkinder bei den Hausaufgaben die nötige Ruhe haben. „Eltern sollten ihren Kindern auch Perspektiven aufzeigen, ab wann vielleicht ein eigenes Zimmer möglich sein wird. Vielleicht, wenn ein älteres Kind eine Ausbildung beginnt und auszieht“, sagt Gmöhling-Schlögl. Wichtig sei, mit den Kindern im Gespräch zu bleiben, um ihre Bedürfnisse wahrzunehmen.

Mierau und Zwick sind da der gleichen Meinung. Noch genießt die Mutter, dass ihre Mädels gerne zusammen sein wollen. Und wenn dann irgendwann der große Tag kommt, räumt Familie Zwick einfach wieder um. (dpa)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Berg

    Es hängt von vielen individuellen Gesichtspunkten in der Familie ab, ob mehrere Kinder in einem Zimmer wohnen, und das kann auch mehrfach geändert werden. - Und es ist auch lgisch, dass es sich aufs spätere eigene Familienleben auswirkt, ob man ein Zimmer für sich hatte als Kind oder mit einem Geschwister zusammenschlief. Und die Frage, was ist nun negativ und was positiv, ist ebenfalls eine ganz persönliche Wahrnehmung. Deswegen: übrelassen wir es den Familien, wie sie damit umgehen und nicht den Psychologen.

  2. bernoi

    Wir haben gar keine andere Möglichkeit zur Zeit als dass sich unsere beiden Kinder (4 und 9 Jahre alt) ein Zimmer teilen. Ich bin mit meiner Schwester auch in einem Zimmer groß geworden und es hat uns trotz Pubertät nicht geschadet. Meine Eltern waren froh mit 2 Kindern in der DDR überhaupt eine Wohnung zu bekommen. Heutzutage ist es für uns als Eltern beide als Normalverdiener im Schichtdienst unmöglich, eine bezahlbare 4 Raum Wohnung in Dresden zu bekommen...Leider wird sich in Zukunft auch nicht viel daran ändern. Unseren Kindern fehlt es momentan trotzdem an nichts was Liebe, Erziehung, Glück und Gesundheit angeht...Bei schlechtem Wetter wird es sicherlich manchmal eng in der 3 Raumwohnung, ansonsten gehen wir auch viel raus an die frische Luft...Als Handwerker habe ich das Kinderzimmer gut eingeteilt mit Schreibtisch unterm Hochbett, Spielregalen, Bücherregalen und Kleiderschränken mit Stauraum...Bei den Hausaufgaben des großen spielt die kleine im Wohnzimmer.

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