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Freitag, 29.12.2017 Kolumne: Herzenssache

Wir haben uns nichts mehr zu sagen

Von Christian Thiel

Viele Paare haben im Lauf der Ehe ihre Gefühle füreinander verloren.
Viele Paare haben im Lauf der Ehe ihre Gefühle füreinander verloren.

© dpa

Wir sind seit über 25 Jahren verheiratet, leben aber nur noch so nebeneinander her. Wir haben schon mehr als einmal darüber gesprochen. Ich habe ihr gesagt, was mir in unserer Beziehung gefehlt hat. Sie hat viele Dinge gar nicht so gesehen. Berührungen blocke ich ab, weil ich nichts mehr dabei empfinde. Immer öfter denke ich über Trennung nach, habe aber Angst, meine Frau und auch meine Familie zu verletzen.

Fast jede Ehe kommt über die Jahre mal in eine Krise. Manche dieser Krisen sind sehr laut. Dann gibt es Untreue, Tränen und laute Wortgefechte. Andere Krisen sind eher still und leise. Es gibt viel Rückzug – jeder geht seines Weges. Und eines Tages haben sich zwei Menschen, die früher einmal heftig ineinander verliebt waren, kaum noch etwas zu sagen.

Und was nun? Einen Fehler haben Sie nun leider schon gemacht. Sie haben Ihrer Frau gesagt, was früher zwischen Ihnen schiefgelaufen ist. Wozu soll denn das gut sein? Das schafft zum einen noch mehr Distanz. Es ist zudem auch eine Form der Schuldzuweisung – weil du Fehler gemacht hast, geht es uns jetzt so schlecht. Am schlimmsten aber: Wenn Sie ein Gespräch so beginnen, dann hat es so gut wie nie einen positiven Ausgang.

Sie reden mit Ihrer Frau ja nicht darüber, was in Zukunft besser sein soll. Sie reden über vergangene Fehler. Ihre Frau wird darauf entweder mit Rückzug reagieren – noch mehr Rückzug. Oder sie wird sich verteidigen. So eine „Verteidigung“ besteht oft aus Gegenvorwürfen.

Mal ganz ehrlich: Was glauben Sie, was passiert, wenn zwei Menschen sich auf diese Weise die Meinung gesagt haben? Fühlen die sich nachher besser? Sind sie sich näher als zuvor? Natürlich nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Sie sind noch weiter voneinander entfernt. Ich rate dringend ab.

Zudem haben zwei Menschen, wenn es um Fehler aus der Vergangenheit geht, immer und in jedem Fall eine unterschiedliche Erinnerung. Sie erinnert sich an seine Fehler. Er erinnert sich an ihre. Und nun? Ich rate wiederum ab.

Spannend wird es, wenn Sie aufhören, sich um die Vergangenheit zu kümmern. Was wünschen Sie sich denn für die Zukunft? Und noch wichtiger: Was wünscht sich Ihre Frau für die Zukunft? Da sollten sie in meinen Augen ansetzen. Wenn Ihre Frau mehr von dem bekommt, was sie sich wünscht, dann bekommen Sie mehr von dem, was Sie brauchen. So entsteht eine Stimmung, in der zwei Menschen wieder glauben, dass sie mit dem richtigen Partner Tisch und Bett teilen.

Christian Thiel ist Single-, Partnerschaftsberater und Autor. Haben Sie Fragen an ihn? Schicken Sie eine Mail an expertentipp@redaktion-nutzwerk.de

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