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Donnerstag, 14.09.2017

Wer erbt was in einer Patchworkfamilie?

Wenn sich Partner neu finden, werden auch beim Nachlass die Karten neu gemischt. Wohl dem, der rechtzeitig vorsorgt.

Von Falk Zielke

Neue Familie, neues Glück. Doch Vorsorge für den Todesfall ist in Patchworkfamilien umso wichtiger.
Neue Familie, neues Glück. Doch Vorsorge für den Todesfall ist in Patchworkfamilien umso wichtiger.

© dpa-tmn

Wenn die Eltern sich trennen, ist das auch für den Nachwuchs ein tiefer Einschnitt. 2016 mussten laut Statistischem Bundesamt knapp 132 000 minderjährige Kinder eine Scheidung verarbeiten. Doch jedes Ende ist auch ein Anfang. Nicht selten finden die früheren Eheleute neue Partner, vielleicht sogar mit weiteren Kindern, und leben dann in Stieffamilien.

Ist schon der Alltag in solchen Familien oft eine Herausforderung, gilt das umso mehr für den Erbfall. Viele hätten kaum eine Vorstellung von den damit verbundenen Problemen, weiß der Dresdner Notar Karsten Schwipps aus seiner Praxis. Denn das Erbrecht hat die klassische Familie im Blick, nicht aber einen neuen Partner oder gar seine Stiefkinder. Es stellt die Stiefkinder den leiblichen oder adoptierten Kindern nicht gleich. „In einer nicht ehelichen Lebensgemeinschaft wird es noch komplizierter“, sagt Schwipps. Erbberechtigt seien nur verheiratete Eheleute, gleichgeschlechtliche Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft sowie die eigenen Kinder.

Stirbt ein Partner in einer nicht ehelichen Lebensgemeinschaft, haben nur die leiblichen Kinder des Verstorbenen Anspruch auf das Erbe. Sofern die frühere Ehe nicht geschieden war, erbt auch der Ehegatte. Der jeweilige neue Partner oder die Stiefkinder gehen in diesem Fall leer aus.

Schon in einer vergleichsweise einfachen Konstellation kann ein ungeregeltes Erbe deshalb für Ungerechtigkeiten sorgen, erklärt die Stiftung Warentest. Ein Beispiel: Ein Paar ist in zweiter Ehe miteinander verheiratet. Sie hat zwei Söhne in die Ehe eingebracht, er zwei Töchter. Stirbt der Mann zuerst, bekommt seine Frau die Hälfte des Erbes und seine zwei Töchter jeweils 25 Prozent. Stirbt anschließend die Frau, erben deren Söhne den Rest des Nachlasses, also die Hälfte des väterlichen Vermögens. Die Töchter des Mannes gehen an dieser Stelle leer aus.

Klar ist: Patchworkfamilien planen ihren Nachlass besser. Notar Schwipps rät Betroffenen daher zu einem Testament oder einem Erbvertrag: „In einer Patchworkfamilie gelten eben andere Regeln.“ Entweder soll die soziale Bindung im Vordergrund stehen, bei der alle Kinder gleich behandelt werden, oder die gesetzliche Erbfolge soll greifen. In jedem Fall sollte an die Absicherung des jeweiligen Partners im Todesfall gedacht werden.

Einfach kann die Regelung sein, wenn die Partner sich in erster Linie gegenseitig absichern und alle Kinder gleich behandeln wollen. Hier können sich die Partner gegenseitig zu Alleinerben und die Kinder der Familie als Schlusserben einsetzen, die zu gleichen Teilen erben sollen. Bei einer nicht ehelichen Lebensgemeinschaft ist hier aber die hohe Erbschaftsteuerbelastung zu berücksichtigen.

Gibt es ein gemeinsames Kind in der neuen Familie, das die Eltern vor allem bedenken wollen, ist auch eine Vor- und Nacherbschaft möglich. Die Eltern können sich gegenseitig als alleinige Vorerben einsetzen und als alleinigen Nacherben und Schlusserben das gemeinsame Kind. Die Kinder aus den früheren Beziehungen können in diesem Fall allerdings ihren Pflichtteil geltend machen, betont die Notarkammer Sachsen.

Haben die Patchwork-Eltern nicht geheiratet, können sie sich Vermögen auch über Schenkungen zukommen lassen. Der Pflichtteilsanspruch kann auf diese Weise aber nicht ohne Weiteres ausgehebelt werden. Denn eine Schenkung kann Pflichtteilsergänzungsansprüche auslösen, die jedoch oft nach einer Frist von zehn Jahren entfallen. (dpa/rnw)

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