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Samstag, 18.11.2017

Wenn das eigene Kind stirbt

Es gibt verschiedene Wege, mit der Trauer umzugehen. Autorin Silke Baumgarten sagt, welche.

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Silke Baumgarten, Mitautorin von „Das Trauerbuch für Eltern“.
Silke Baumgarten, Mitautorin von „Das Trauerbuch für Eltern“.

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Frau Baumgarten, Sie und Ihre Mitautorin Sillia Wiebe haben auch Kinder verloren. Und Sie haben mit anderen Eltern gesprochen. Gab es etwas, was immer wieder genannt wurde, weil es im Trauerprozess geholfen hat?

Alle empfinden es als wohltuend, wenn über ihr verstorbenes Kind gesprochen wird. Dass sie erzählen können und ihnen geduldig zugehört wird. Aber auch, dass Freunde und Verwandte schildern, was sie mit dem Kind erlebt haben, wie sie es wahrgenommen haben, was sie besonders an ihm liebten – all das ist Trost für trauernde Eltern.

Gab es Dinge, die Sie überrascht haben?

Ja, wie viele verschiedene Wege die Eltern gegangen sind, um mit der Trauer zu leben und um wieder ins Leben zurückzufinden. Da gibt es die Mutter, die sofort wieder arbeiten ging, weil sie eine feste Struktur brauchte. Oder den Vater, der sich zurückgezogen hat, weil ihm der Trubel und die Geschäftigkeit absurd vorkamen. Eine Mutter machte gleich nach dem Tod ihres Sohnes eine Clownausbildung, eine andere kämpfte für eine Ampel an der Stelle, an der ihr Kind tödlich verunglückte. Es gibt wohl kein Gefühl, das individueller ist als Trauer. Wer den Mut hat, sich nicht mit anderen zu vergleichen, sondern auf eigene Art trauert, findet den richtigen Weg. Trauer verschwindet nie. Auch das erzählen alle Eltern. Der Schmerz verändert sich nur.

Es gibt schon viel Trauerliteratur: Was war Ihnen wichtig?

Im Buch erzählen Eltern offen, was ihnen nach dem Tod ihres Kindes geholfen hat. Was trägt, wenn nichts mehr trägt? Das war die Frage, die uns selbst umtrieb, als wir um unsere Kinder trauerten. Das Buch, das wir jetzt geschrieben haben, hätten wir uns damals selbst gewünscht. Das Buch ist auch für Angehörige und Freunde gedacht.

Wieso?

Sie können zuhören, mitfühlen, da sein. Was aber von ihnen oft falsch gemacht wird, ist der Satz: „Melde dich, wenn du mich brauchst.“ Das ist eine Überforderung. Freunde sollten Angebote machen, sich melden, zeigen, dass sie da sein möchten, und immer wieder fragen: „Was kann ich für dich tun? Willst du mit uns ins Kino gehen?“ Oder: „Ich bin gerade in der Nähe, wollen wir einen Kaffee trinken?“ Und es nicht persönlich nehmen, wenn die Antwort „Nein“ lautet.

Mit dem Partner gemeinsam trauern: Wie kann das funktionieren?

Die Trauer um ein Kind gemeinsam auszuhalten, ist schwer. Manche hat dieser Schicksalsschlag auseinandergerissen. Ich habe aus den Gesprächen mitgenommen, dass in der Trauer um ein Kind all das gilt, was auch sonst für eine funktionierende Partnerschaft gilt. Nur braucht man von allem eine viel größere Portion. Was hilft, ist Respekt – und notfalls der erforderliche Abstand. Gleichzeitig sollten die Paare auch die Nähe zueinander suchen und reden, reden, reden. (dpa)

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