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Mittwoch, 06.12.2017

Streit um Nachbars Bäume

Steffen Hempel wohnt im Erzgebirge inmitten der Natur. Damit dies so bleibt, heizt er mit Solarenergie. Doch nun macht ihm jemand die Sonne streitig.

Von Stephanie Wesely

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Die Hälfte der Solaranlage von Steffen Hempel aus Zöblitz im Erzgebirge liegt im Schatten. Schuld sind Nachbars Bäume.
Die Hälfte der Solaranlage von Steffen Hempel aus Zöblitz im Erzgebirge liegt im Schatten. Schuld sind Nachbars Bäume.

© Jan Görner

Der Kauf der Solaranlage war eine große Investition – mehr als 6 000 Euro kostete sie. Doch sie würde sich im Laufe der Zeit bezahlt machen, hoffte Steffen Hempel, der im beschaulichen Zöblitz in der Nähe von Marienberg ein kleines Haus in einer Reihenhaussiedlung bewohnt. Die Reihenhäuser gehören zu einer Eigentumswohnungsanlage, die von Chemnitz aus verwaltet wird.

Da die Dachschräge für das Anbringen der Kollektoren zu steil war, nutze er die sonnigste Stelle in seinem Garten dafür. Er holte alle erforderlichen Genehmigungen ein und bekam sogar eine Förderung vom Land Sachsen. 15 Jahre durfte sich Steffen Hempel an der Effizienz seiner Anlage freuen, dann war Schluss damit. Denn sein Nachbar pflanzte drei Nadelbäume unmittelbar an die Grundstücksgrenze, die jetzt eine beachtliche Höhe erreicht haben. Sie stehen dicht nebeneinander und lassen nun mehrere Stunden am Tag keinen Sonnenstrahl mehr durch.

„Die Anlage ist für mich wertlos geworden. Doch ich will das nicht hinnehmen“, sagt Hempel. Die freundliche Bitte an seinen Nachbarn, die Bäume doch zu kürzen, hatte keinen Erfolg. Die Verwalterin aus Chemnitz besah sich das Dilemma und forderte den Nachbarn ebenfalls zweimal schriftlich auf, die Bäume zu kürzen. Der gesetzte Termin ist längst verstrichen.

Hempel hat das Recht im Grunde auf seiner Seite. Denn Wohnungs- oder Grundstückseigentümer haben sich so zu verhalten, dass sie den Nachbarn nicht beeinträchtigen. Seine Solaranlage beeinträchtigt keinen.

Für die Bäume an der Grundstücksgrenze hingegen gibt es gesetzlich festgelegte Abstände. So muss in bebauten Ortsteilen wie dem Grundstück in Zöblitz mindestens ein halber Meter Abstand gehalten werden, wenn der Baum maximal zwei Meter groß wird. Da die Nadelbäume höher sind, müssen sie zwei Meter entfernt stehen. Und das tun sie nicht.

Claus Bischoff, Berater beim Verband Deutscher Grundstücksnutzer in Sachsen kennt solche Beispiele zur Genüge. „80 Prozent unserer Beratungsfälle haben Grenzabstände von Bäumen zum Thema.“ Einfach eine Säge zu nehmen und die Bäume selbst zu kürzen, geht nicht, das ist ein unerlaubter Eingriff in fremdes Eigentum, der sogar als Hausfriedensbruch geahndet werden kann. Aus seiner Sicht, ist die Verwaltung der Eigentumsanlage in der Pflicht. Denn sie müssen dafür sorgen, dass ihre Forderungen auch umgesetzt werden. Katja Czechaczek von der Wohnungswirtschaftlichen Beratungs- und Bauträgergesellschaft Chemnitz beruft sich auf den Datenschutz und möchte sich öffentlich nicht zu dem Fall äußern. Aus ihrer Sicht sei alles getan.

Steffen Hempel gibt sich damit nicht zufrieden. Er wendet sich jetzt an einen Friedensrichter, das kann seine Chancen vor Gericht erhöhen. Friedensrichter sind ehrenamtliche Streitschlichter. In Sachsen gibt es mehr als 300 von ihnen. Doch auch wenn Steffen Hempel vor Gericht den Prozess gewinnt, ist er nicht berechtigt, eigenmächtig zur Säge zu greifen. Das Ganze kann sich also noch Jahre hinziehen.

Wer wie er eine Solaranlage auf seinem Dach oder in seinem Grundstück plant, sollte die Fläche so auswählen, dass Nachbarn keine Eingriffsmöglichkeiten haben. Sonst steht ihnen möglicherweise ein ebenso langer Rechtsstreit mit ungewissem Ausgang bevor wie jetzt Steffen
Hempel.

Jochen Fischer, Anwalt beim Bundesverband der Solarwirtschaft sieht Solaranlagen auf dem Boden deshalb skeptisch, „obwohl sie wirtschaftlich sehr interessant sind, weil bis zu einer bestimmten Leistungsgrenze keine Ausschreibung erfolgen muss“. Doch die Gefahr der Verschattung sei eben sehr groß und Bodenanlagen deshalb dennoch unattraktiv. Wie wahr.

Zum Nachlesen:

Rechte und Pflichten von Grundstücksnachbarn kann man im neu aufgelegten Ratgeberheft des Verbands Deutscher Grundstücksnutzer nachlesen. Für fünf Euro (plus 1,50 Euro für Versand) ist es zu bestellen unter Telefon 030 5148880, shop@vdgn.de oder www.vdgn.de/ratgeber.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Born

    Es ist doch ganz einfach,wenn die Bäume nicht den erforderlichen Mindestabstand laut Säch.Nachbarschaftsrecht aufweisen müssen diese entfernt werden,aber warum hat der Solaranlagenbesitzer nicht schon bei der Pflanzung den Rechtsweg beschritten?

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