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Montag, 13.11.2017

So gelingt der Nestbau

Wer ein Haus bauen möchte, steht vor einer aufreibenden Zeit. Experten raten, diese Belastung nicht zu unterschätzen. Doch wie bringt man das Familienleben und die Partnerschaft gut durch den Stress?

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Vor allem für Kinder bedeutet die Zeit des Hausbaus Verzicht auf vieles.
Vor allem für Kinder bedeutet die Zeit des Hausbaus Verzicht auf vieles.

© Westend61/dpa-tmn

Lübeck/Berlin. Für manche Menschen ist ein eigenes Haus fester Teil der Lebensplanung. Sie möchten einen Ort haben, der ihnen gehört und den sie gestalten können. Ein Nest für die Familie, ein Rückzugsort, eine Heimat. „Erwartet werden da manchmal wahre Wunderdinge. Doch dann stellen die Leute schon beim Bau fest, dass es massive Probleme gibt“, erzählt der Diplom-Psychologe Laszlo Andreas Pota aus Lübeck.

Was häufig unterschätzt wird: Die Zeit während eines Hausbaus ist äußerst belastend. Meistens läuft es nicht wie geplant, immer wieder gibt es Probleme, manchmal auch finanzielle. Das Paar hat nur wenig Zeit füreinander - und auch für die Kinder. Freunde und Hobbys werden vernachlässigt.

Damit nicht noch zusätzlich Stresssituationen und Spannungen entstehen, empfehlen Experten, sich schon vorab Gedanken zu machen und vieles zu bereden. „Man sollte in der Familie offen kommunizieren, dass nun eine stressige Zeit bevorsteht“, empfiehlt Klaus Seifried vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen in Berlin. Denn je nach Charakter gehen die Menschen unterschiedlich mit der Belastung um. So stürzen sich einige ins Abenteuer und denken, es wird schon gut gehen. Andere planen extrem viel und sorgen sich sehr um die Finanzen.

Gut ist, sich klarzumachen und darauf einzustellen, dass das folgende Jahr zwar sehr aufreibend wird, danach jedoch wieder ruhigere Zeiten anstehen. Für Kinder ist ein solcher Zeitraum natürlich zu lang. Ihnen kann zum Beispiel gesagt werden, dass es zwar hektisch wird, sich die Eltern jedoch jeden Samstagnachmittag nur Zeit für sie nehmen werden.

Solche Inseln und Erholungsphasen sind auch für die Partnerschaft wichtig. „Man sollte sich ein bis zwei Abende in der Woche Zeit nur für sich als Paar nehmen“, rät Seifried. Dabei muss nichts Großartiges anstehen, man kann auch einfach nur zusammensitzen und reden. Wichtig ist aber, dass es mal nicht um das Thema Hausbau geht. Empfehlenswert ist es auch, sich während der Bauzeit die Fortschritte bewusst zu machen und diese ein wenig zu feiern.

Auch wenn das Leben das meist nicht zulässt: Am besten wäre es, den Hausbau anzugehen, wenn sonst keine stressigen Umstände den Alltag bestimmen, etwa die Betreuung kleiner Kinder und die Pflege von Eltern. Das gleiche gilt für beruflich stressige Perioden. Lässt sich all das nicht vermeiden, müssen Wege gefunden werden, Stresspotenziale während der Bauzeit abzubauen: Vielleicht können die Großeltern die Kleinen häufiger betreuen? Oder kann die Arbeitszeit während des Bauens verringert werden?

Kommt es während des Hausbaus doch zu Problemen, ist es wichtig, dass auf alle Fälle nicht beide Partner in Pessimismus versinken. „Der Partner sollte sich nicht mit herunterziehen lassen, sondern gezielt sagen, was ihm gut gefällt“, empfiehlt der Ehe- und Familientherapeut Lothar J. Hellfritsch aus München.

Um den anderen aufzumuntern und wieder Mut zu machen, können Vergleiche angebracht sein. So kann dem anderen deutlich gesagt werden, was beim Hausbau schon alles erreicht wurde oder welche Krisen das Paar gemeinsam schon bewältigt hat. „Man sollte auch einen innerlichen Abstand bewahren und sich klar machen, dass man nicht alles auf einmal machen muss und die Dinge auch langsam angehen kann“, rät Seifried.

Äußerst problematisch kann die Zeit des Hausbaus bei Paaren werden, deren Beziehung ohnehin nicht zum Besten steht. „Manchmal soll ein gemeinsames Haus eine Ehe kitten“, so Hellfritsch. Das kann durchaus funktionieren, doch es kann auch ein böses Erwachen geben. Der zusätzliche Stress während des Hausbaus kann eine ohnehin schon angespannte Situation zum Eskalieren bringen und sogar zum endgültigen Bruch führen.

Doch auch das Gegenteil kann möglich sein: Das gemeinsame Projekt Hausbau könnte ein Paar in der Beziehungskrise durchaus wieder zusammenbringen. Fraglich ist allerdings, wie lange die neu gewonnene Eintracht hält. Denn wenn der Bau fertig und man eingezogen ist, stellen viele Menschen fest, dass sich an dem Ärger von früher nichts geändert hat. Im Gegenteil: Es sind noch neue Probleme dazugekommen. (dpa)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. anny

    Sicherlich ist die Zeit des Hausbaus kein Urlaub, jedoch haben wir durch gute Planung im Vorfeld, ausreichenden Finanzrahmen und verlässliche Vertragspartner, vieles gut regeln können. Als erstes haben wir für die Kinder ein Trampolin und Sandkasten aufgestellt, und das spätere Gartenhaus. Somit war von Anfang an ein Platz zum wärmen, essen, Powernapping und spielen für alle da und wir waren oft auf der Baustelle. Nach 9 Monaten war das gröbste vorbei und nach 12 sind wir eingezogen. Die gewonnene Lebensqualität machen die 12 Monate Verzicht deutlich weg.

  2. Si

    Im Artikel kann ich nicht wirklich mehr als Binsenweisheiten finden. Mit etwas Verstand kann man auf die genannten Schlussfolgerungen auch selbst kommen. Schade, hatte etwas mehr erwartet.

  3. Der Schweißer

    @anny: Na wieviele Schulden haben wir denn so? Und wie lange? Was passiert denn, wenn das "wir" bei Ihnen wegbricht?

  4. Berg

    Hier unsere Erfahrungen: 1. in der Zeit mit Kindern (wir bis zum ca 45sten Lebensjahr, Kinder mit 18 zum Studium ausm Haus) blieben wir in Mietwohnungen. Erst dann zeigten sich unsere finanziellen Möglichkeiten (Einkommen) zum Hausbau ohne viele Kinderzimmer. Ein früheres Haus hätte da schon wieder halbleer gestanden. 2. Eine selbsüberwachte Hausplanung und -errichtung gingen wir erst nach Prüfung an. Sonst gibt es auch fertige Häuser zu kaufen, wo ein Bauträger den Baustress hatte. 3. Nur bewährte Handwerksfirmen einsetzen mit gutem Ruf und möglichst im Ort oder ganz in der Nähe, die dann beim Wohnen auch die Wartung, Reparaturen usw. übernehmen und das Haus kennen.

  5. anny

    @schweißer, es geht sie zwar nichts an, aber damit sie besser schlafen können: Wir haben 80% Eigenkapital gehabt also nur wenig finanzieren müssen und sind damit seit 18 Monaten fertig. Falls wir uns scheiden lassen sollten behält der mit Kindern das Haus der andere wird ausgezahlt.

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