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Dienstag, 17.04.2018

Sieben Kriterien für die E-Bike-Wahl

Die Modellvielfalt wächst, doch die Technik ist kompliziert. Diese Punkte bewahren Sie vor einem teuren Fehlkauf.

Von Stefan Weißenborn

Flott unterwegs: Wer aufs Pedelec umsteigt, sollte zunächst bremsen üben.
Flott unterwegs: Wer aufs Pedelec umsteigt, sollte zunächst bremsen üben.

© dpa-tmn

E-Bikes werden immer beliebter. Allein im vergangenen Jahr wurden laut Zweirad-Industrie-Verband in Deutschland 720 000 Stück verkauft. Ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein Grund sei die mittlerweile große Modellvielfalt – vom E-Trekkingrad über das E-Lastenrad bis zum E-Mountainbike. Selbst E-Falträder gibt es.

1. Der Einsatzzweck

Für viele Radfahrer eignet sich ein E-Trekkingrad, mit dem man sowohl auf der Straße wie auch auf Feldwegen gut zurecht kommt. Wer Sport treibt, für den kann etwa ein E-Rennrad oder ein E-Mountainbike passend sein, sagt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC).

Auf ein faltbares E-Rad im Kleinformat zurückgreifen könnten Pendler, die auch öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Denn das nimmt in der Bahn nicht viel Platz ein. Wer ein S-Pedelec ins Auge fasst, das statt bis 25 bis zu 45 km/h unterstützt und rechtlich als versicherungspflichtiges Kleinkraftrad gilt, sollte wissen: Kinderanhänger sind bei dieser Art E-Bikes nicht erlaubt.

2. Der Akku

„Wenn ich keine Touren mache und nur in der Stadt unterwegs bin, brauche ich nicht den Mega-Akku“, sagt Filippek. Wer eine Batterie mit weniger Kapazität kauft, spart beim Preis und auch an Gewicht. Und das Ersatzteil ist bei möglichem Akkuversagen billiger. Am weitesten verbreitet sind derzeit Akkus mit 400 bis 500 Wattstunden (Wh), die eine Reichweite von 60 bis 80 Kilometer besitzen. „Allerdings gibt es kein standardisiertes Verfahren zur Bestimmung der Reichweite.“ Denn diese hängt sehr von der Topografie des Fahrgebietes, dem Gewicht von Fahrer und Gepäck oder der Stärke des Gegen- oder Rückenwindes ab. Mittlerweile sind die Akkus in der Regel entnehmbar, was das Laden vereinfacht.

Rainer Hauck vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) rät, auf eine Garantie zusätzlich zur gesetzlichen Gewährleistung zu achten. Denn Batterien sind Verschleißteile, denen vor allem niedrige Temperaturen zusetzen: „Gut sind beispielsweise zwei Jahre oder 1 000 Ladezyklen.“

3. Der Motor

Die meisten E-Bikes fahren mittlerweile mit einem Mittelmotor, es gibt aber auch Räder mit Motoren an der Vorder- oder Hinterradnabe. Der Vorteil des Mittelmotors liegt in den besseren Fahreigenschaften, denn im Bereich des Tretlagers sitzt er in der Nähe des Fahrradschwerpunktes.

Allerdings erfordert der Mittelmotor auch einen speziellen Rahmen, was das Rad teurer macht. Hinzu kommt: „Der Verschleiß von Kette, Ritzel und Komponenten der Kettenschaltung ist höher, weil die Motorkraft auf den Antrieb wirkt“, so Filippek. Front- und Heckantrieb schonen diese Komponenten und sind leiser, doch besteht die Gefahr, dass entweder das Vorderrad durchdreht oder das Fahrrad sich aufgrund des Mehrgewichts hecklastig fährt.

Andererseits wirkt die Kraft bei den Hinterradnabenmotoren direkt dort, wo sie gebraucht wird, und nur bei ihnen ist Rekuperation möglich – also die Energierückgewinnung beim Bergabfahren. Der Vorderradnabenmotor gilt laut Thomas Geisler vom Pressedienst Fahrrad (pd-f) als preisgünstige Einstiegslösung, weil er einfach zu integrieren ist.

4. Die Schaltung

Neben Ketten- und Nabenschaltung kommt als dritte Möglichkeit die Automatikschaltung hinzu, die Hersteller wie NuVinci oder Continental als eine mit einem Mittelmotor gemeinsam verkapselte und damit verschleißarme Einheit anbieten. Soll es ein Heckmotor sein, ist eine Nabenschaltung laut Hauck schwierig umzusetzen, denn die sitzt an der Hinterradnabe. Sportliche Biker, die viele Gänge benötigen, müssen in der Regel ohnehin auf eine Kettenschaltung zurückgreifen, die weit mehr Schaltstufen bietet.

Eine Ausnahme bilden die Nabenschaltungen von Rohloff oder Pinion, die es auch für E-Mountainbikes gibt. Nicht alle Fahrradhersteller arbeiten mit allen Komponentenherstellern zusammen, was die Suche nach der idealen Motor-Getriebe-Kombination nicht vereinfacht.

5. Die Bedienung

Neben Schalt- und Bremshebeln und der Klingel sollte auch das Display gut zu bedienen sein, rät Hauck. Bei der Bedieneinheit des Antriebs besteht eine gewisse Produktvielfalt: Vom einfachen Schwarz-Weiß-Display mit Basisfunktionen etwa für die Stufen der Tretunterstützung und die Akkustandsanzeige bis zum vollwertigen Gerät mit Navi und Digitalschnittstellen ist vieles zu haben.

6. Die Probefahrt

Sich mit einem E-Bike vertraut zu machen, ist neben dem für Anfänger gewöhnungsbedürftigen Antrieb vor allem aufgrund des höheren Fahrradgewichts notwendig. Wer in den Fahrradkeller muss, wird mit 20 bis 30 Kilo viel zu tragen haben. „Um dafür eine Gefühl zu bekommen, ist eine Probefahrt eminent wichtig“, sagt ADFC-Experte Filippek. Um die Unterschiede verschiedener Motor- und Getriebekonzepte kennenzulernen, sollte am besten ein auf E-Bikes spezialisierter Händler aufgesucht werden. Laut VCD-Mitarbeiter Hauck überlassen diese interessierten Kunden oftmals ein Proberad für einen Nachmittag oder sogar 24 Stunden.

VCD und pd-f weisen mit Blick auf das erhöhte Unfallrisiko gegenüber dem muskelbetriebenen Radeln auch auf spezielle Fahrtechnikschulungen für E-Bike-Einsteiger hin. Besondere Bedeutung kommt den Bremsen zu, die beim schweren E-Bike besonders standfest sein sollten. Geeignet sind vor allem Hydraulikbremsen.

7. Der Preis

René Filippek vom ADFC rät von Rädern unter 1 800 Euro ab. Weil allein die Elektrokomponenten viel Geld kosteten, laufe man bei günstigeren Rädern, etwa von Discountern oder aus dem Baumarkt Gefahr, dass die übrigen Fahrradkomponenten von minderwertiger Qualität sind. Bei S-Pedelecs mit einem 500 Watt statt 250 Watt starken E-Motor nennt er eine Richtschnur von 2 500 Euro. Wer sparen möchte, findet bei Herstellern und großen Händlern auch reduzierte Ausstellungsstücke oder Räder aus der Vorsaison. (dpa)

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