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Freitag, 13.04.2018 Herzenssache

Seine Tochter ist ihm wichtiger

Von Christian Thiel

© dpa

Vor vier Jahren bin ich bei einem neuen Mann eingezogen. Seine Tochter wohnt mit im Haus. Mit ihr komme ich nicht unbedingt klar. Vor einem Jahr hat sich ihr Mann von ihr getrennt. Seither hat mein Partner kaum noch Zeit für mich. Immer gehen jetzt die Tochter und ihre Kinder (14 und 8 Jahre) vor. Die Kinder bedienen sich auch einfach in meinem Haushalt. Ich halte das nicht mehr aus. Gespräche haben nichts geholfen.

In das Haus eines neuen Partners zu ziehen, führt oft zu Problemen. Wohnt seine Familie noch mit im Haus, wird es noch komplizierter. Sie kommen mit seiner Tochter nicht gut klar – das verwundert nicht. Sie beide sind Rivalinnen. Heiratet er Sie, dann erbt sie weniger. Die Tochter erlebt Sie als Eindringling. Nur Ihr Partner kann da klar und deutlich dagegenhalten. Und genau das hat er wohl nicht getan.

Ich würde Ihnen also tatsächlich zum Auszug raten. Der Zustand ist für Sie schwer erträglich, und Ihr Partner macht keine Anstalten, ihn zu ändern. Es ist das eine, bis über beide Ohren verliebt zu sein, aber im Alltag als Paar und mit den jeweiligen Familien zurechtzukommen, ist etwas ganz anderes. Paare müssen wichtige Entscheidungen gemeinsam treffen. Das gelingt Ihnen beiden nun schon seit einer Weile nicht mehr. Seit einem Jahr, um genau zu sein. Ihre Meinung zählt nicht viel bei Ihrem Partner. Das schmerzt.

Das enge Verhältnis zwischen Ihrem Partner und seiner Tochter – und deren Kinder – haben Sie möglicherweise unterschätzt. Das macht es Ihnen als neu hinzugekommener Frau an seiner Seite ohnehin schwer. Die Trennung hat nun die Balance verändert. Die Tochter nimmt den Vater gerne für sich in Anspruch. Ihr Partner gewährt diese Zeit ebenso gerne.

Schauen Sie nach vorne. Der Auszug ist das eine. Die andere Frage ist: Was wird dann aus der Beziehung? Ich bin immer dafür, Partnerschaften zu erhalten. Deshalb würde ich dazu raten, es ab sofort mit dem Modell „living apart together“ zu versuchen. Eine Partnerschaft – aber zwei Wohnungen. Sie unternehmen etwas zusammen – aber Sie haben wieder einen eigenen Bereich, in dem Sie entscheiden, wer sich etwas aus dem Küchenschrank nehmen darf.

Gut möglich, dass das die Lage mit Ihrem Partner entspannt. Gut möglich ist aber auch, dass er verständnislos reagiert. Damit müssen Sie dann leider leben. Gehen Sie den Auszug an – und informieren Sie Ihren Partner über jeden Schritt.

Single- und Paarberater Christian Thiel stellt am 18. April, 18.30 Uhr in Dresden sein neues Buch „Herzenssache – Das 1 x 1 einer glücklichen Partnerschaft“ vor. Karten für die Veranstaltung im Haus der Presse, Ostra-Allee 20 für 13 Euro (10 Euro mit SZ-Card) ausschließlich per E-Mail-Vorbestellung an leben@redaktion-nutzwerk.de

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