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Dienstag, 10.10.2017

Schärfer fernsehen heißt nicht gleich mehr sehen

Anfang November startet DVB-T2 HD in Ostsachsen und Dresden. Doch nicht für alle bedeutet das deutlich mehr Sender.

Von Andreas Rentsch

6 DVB-T2-HD in Dresden

Mit DVB-T2 HD wird Antennenfernsehen hochauflösend.
Mit DVB-T2 HD wird Antennenfernsehen hochauflösend.

© dpa-tmn

Für Fernsehzuschauer ohne Satellitenschüssel, Kabelanschluss oder IP-TV wird es ernst: In knapp einem Monat werden Zehntausende Haushalte in Sachsen, die ihre Programme per Dach- oder Zimmerantenne empfangen, auf den modernen Übertragungsstandard DVB-T2 HD umgestellt. Im Großraum Leipzig ist das neue Antennenfernsehen bereits seit März verfügbar. Nun ist der frühere Regierungsbezirk Dresden an der Reihe. Dafür werden Sender am Dresdner Fernsehturm und auf dem Löbauer Schafberg umgerüstet.

Planmäßig in Betrieb gehen werden die neuen Anlagen am 8. November. Die Ausstrahlung des alten DVB-T-Signals endet an diesem Tag – voraussichtlich in den frühen Morgenstunden. Eine Übergangsphase, in der Programme parallel über DVB-T und DVB-T2 ausgestrahlt werden, werde es aus technischen Gründen nicht geben, erklärt Veit Olischläger vom zuständigen Projektbüro DVB-T2 HD Deutschland. Das bedeutet: Wer sich keine neuen Empfangsgeräte angeschafft hat, dessen Bildschirm bleibt ab diesem Tag dunkel.

DVB-T2-HD in Dresden

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Frei empfangbar: DasErste, ZDF, Arte, Phoenix, 3sat, Kika, One, Tagesschau24, ZDF Neo, ZDF Info, MDR, BR, HR, NDR, RBB, WDR, SWR.

FreenetTV (verschlüsselt): RTL, Pro7, Sat1, Vox, RTLII, Super RTL, NTV, Sixx, 7Maxx, Sat1 Gold, Nitro, Kabel eins, Dmax, Eurosport 1, Sport1, Tele 5, N24, Disney Channel, Nick.

Zusätzlich frei empfangbar: Bibel TV, QVC, HSE24.

Voraussetzung für den Empfang von DVB-T2 HD ist ein Fernseher, der den neuen Übertragungsstandard unterstützt und das Kompressionsverfahren HEVC/H.265 beherrscht. HEVC steht für High Efficiency Video Coding. Dahinter verbirgt sich ein Verfahren, mit dem sich Videodaten stark komprimieren lassen, ohne dass es zu sichtbaren Qualitätsverlusten kommt. Wer sich einen Neukauf sparen will, kann seinen älteren Fernseher aufrüsten: Dafür ist eine Set-Top-Box nötig, die mit dem Bildschirm verbunden wird. DVB-T2-HD-taugliche Geräte seien am hellgrünen Logo zu erkennen, sagt Olischläger.

Komplizierter wird es, wenn man nicht nur öffentlich-rechtliche, sondern auch private Sender sehen will. Letztere werden verschlüsselt ausgestrahlt. Damit steigen die Anforderungen an die Technik daheim: Entweder legt man sich ein Empfangsgerät mit integriertem Decoder zu, oder aber eine Set-Top-Box beziehungsweise einen Bildschirm, der über einen Steckplatz für ein Decoder-Modul verfügt.

Das sogenannte CI-Plus-Modul, was dort hinein gehört, kostet knapp 80 Euro und ermöglicht den Zugriff auf RTL, Pro7, Sat1 und diverse weitere Privatsender. Allerdings kostet das unter dem Namen „Freenet TV“ vermarktete Paket auch laufende Gebühren. Nach Ablauf einer dreimonatigen Gratis-Testphase werden Monatspauschalen von 5,75 Euro fällig. Inzwischen sind auch TV-Sticks mit USB-Anschluss verfügbar, die die Freenet-TV-Programme auf dem PC oder Notebook verfügbar machen.

Nutzer aus dem Raum Dresden, die Freenet TV buchen, bekommen ab Anfang November insgesamt 22 private Sender zu sehen. Dazu kommen 17 frei empfangbare öffentlich-rechtliche. Östlich von Bautzen, im Raum Löbau, Zittau, Görlitz oder Hoyerswerda, wird es kein Freenet TV geben. Plattformbetreiber Media Broadcast begründet dies mit Wirtschaftlichkeitserwägungen. Ausbauplanungen für Ostsachsen gebe es derzeit nicht, sagt ein Firmensprecher auf Nachfrage.

Besser haben es Haushalte im Großraum Chemnitz, die nach bisherigen Prognosen im November 2018 in die neue TV-Ära starten. Ihnen wird das komplette Paket zugänglich gemacht. Dafür werden die Standorte in Chemnitz und in Geyer umgerüstet. Der Sender im vogtländischen Schöneck wird hingegen abgeschaltet. Im Vogtland könne die Versorgung weitgehend durch „Überstrahlung“ von bayerischen Standorten sichergestellt werden, heißt es bei Media Broadcast.

Bisher für DVB-T verwendete Antennen sollten in vielen Fällen auch für DVB-T2 nutzbar sein. Für die privaten, verschlüsselten Programme könne aber unter Umständen eine stärkere Empfangsvorrichtung als bisher notwendig werden, sagt Katrin Stolle vom MDR. „Das hat damit zu tun hat, dass die Freenet-TV-Plattform von einigen Standorten etwas schwächer sendet als die Öffentlich-Rechtlichen.“

Grobe Orientierung beim Antennenkauf bietet ein Empfangscheck des Projektbüros. Nach Eingabe der Postleitzahl in ein Onlineformular bekommen Anwender angezeigt, ob die Signalstärke am Wohnort eine Zimmer-, Außen- oder Dachantenne nötig macht und ob Freenet-TV-Programme zubuchbar sind. Ende August lag die Zahl der Abonnements für dieses Privatfernsehangebot bei rund 700000 – bundesweit. Analysen von Marktforschern zeigen, dass der terrestrische TV-Empfang inzwischen eine Nische ist. 2016 lag der Anteil der deutschen Haushalte, die ihr Programm über DVB-T bezogen, bei weniger als zehn Prozent. Satellit und Kabel erreichten zu diesem Zeitpunkt Anteile von jeweils über 40 Prozent.

Mehr unter dvb-t2hd.de/empfangscheck

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 6 Kommentare

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  1. thomas

    Wozu soll man sich das Fernsehprogramm noch schärfer anschauen. Die Qualität der Programme wird nicht besser.

  2. Gast

    Ganz nebenbei (nicht in diesem Artikel, sondern allg. zum Thema) wird mitgeteilt, dass die Privaten gar nicht bundesweit ausgestrahlt werden und an manchen Standorten auch mit weniger Leistung. Nicht mal gegen Geld kann man die dann empfangen. Ein schlechter Witz ist das. Wobei... wer will schon für Werbung auch noch Geld bezahlen.

  3. Berg

    #1 thomas stimme ich voll zu. Mit meiner Schüssel werden mir 638 Sendeplätze gezeigt, ausgewählt habe ich 60 FS-Sender und 12 Musiksender. Mit langem abendlichen Suchaufwand finden wir etwas gut Gefilmtes, gut Gespochenes, gut Musiziertes. Aber daneben soooo viel Mist........

  4. Alexxdrs

    Hallo Gast, wie dem SZ-Artikel sehr gut zu entnehmen ist, gibt es Gebiete, wo keine "Privaten" ausgestrahlt werden. Lesen (und das anschauen von Grafiken) bildet.

  5. tschle

    Fernsehen wird überbewertet und führt zur sschleichenden aber stetigen Verblödung.

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