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Donnerstag, 02.11.2017

Risiko Antibiotika

Von Dr. Johannes Wimmer

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© dpa (Symbolbild)

Dr. med. Johannes Wimmer ist Assistenzarzt aus Hamburg und bundesweit bekannt durch seine Sendung im NDR und Erklärvideos auf Facebook.
Dr. med. Johannes Wimmer ist Assistenzarzt aus Hamburg und bundesweit bekannt durch seine Sendung im NDR und Erklärvideos auf Facebook.

Ich bin häufig krank und bekomme dann oft Antibiotika verschrieben – zum Beispiel gegen diverse Infektionen. Ich habe aber oft gehört, dass es nicht gesund ist, wenn man ständig Antibiotika einnimmt. Stimmt das? Hat die häufige Einnahme Nebenwirkungen?

Die Entdeckung des ersten Antibiotikums, des Penicillins, war 1928 eine der bahnbrechendsten Errungenschaften der Medizin. Seitdem sind viele Krankheiten, die früher noch zum Tod geführt haben, behandelbar.

Ursprünglich ist ein Antibiotikum ein Stoffwechselprodukt von Pilzen oder Bakterien, das andere Mikroorganismen an ihrer Vermehrung hemmt oder sie sogar abtötet. Heutzutage werden viele Antibiotika jedoch vollsynthetisch, also künstlich, hergestellt. Der Begriff Antibiotikum stammt von den griechischen Begriffen „anti“ und „bios“ und heißt so viel wie: gegen das Leben. Gemeint ist nicht das Leben des Patienten, sondern das Leben krankheitserregender Mikroorganismen. Dabei muss man aber wissen, dass Antibiotika grundsätzlich nur gegen Bakterien eingesetzt werden können. In der Behandlung von Viren haben sie keine Wirkung. Nur Bakterien haben einen eigenen Stoffwechsel, der von Antibiotika angegriffen werden kann.

In Deutschland nehmen wir viele Antibiotika ein, wenn wir krank sind. Laut einer Studie der DAK Gesundheit von 2014 hat ein Drittel der Befragten in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal ein Antibiotikum verschrieben bekommen. Die Ergebnisse der Studie zeigen aber auch, dass die Verschreibungen nicht immer sinnvoll waren, weil es sich beispielsweise gar nicht um eine bakterielle Infektion handelte. Obwohl Antibiotika gegen viele bakterielle Infektionen nützlich und oft die einzig sinnvolle Therapie sind, weisen sie auch Nebenwirkungen auf. So töten Antibiotika nicht nur die krankheitserregenden Bakterien ab, sondern auch die nützlichen. Im Darm befinden sich eine Menge Bakterien, die für unsere Verdauung wichtig sind. Wenn sie abgetötet werden, führt das oft zu Durchfall und Magenproblemen.

Eine andere mögliche Nebenwirkung der Antibiotikaeinnahme sind Resistenzbildungen gegen bestimmte Antibiotika. Sie haben sicherlich schon von einem multiresistenten Staphylococcus aureus (MRSA) gehört. Diese Staphylokokkenart ist mittlerweile gegen die allermeisten Antibiotika resistent – und damit nur schwer behandelbar. Die Wahrscheinlichkeit, eine Antibiotika-Resistenz zu entwickeln, ist hoch, wenn bei einer vorigen Anwendung nicht alle krankheitserregenden Bakterien abgetötet wurden. Sie haben sich möglicherweise so verändert, dass sie bei einer zweiten Behandlung nicht mehr reagieren.

Ebenso steigt das Risiko bei häufiger Antibiotikaeinnahme. Ein Arzt sollte die Krankheitserreger genau identifiziert haben, um sie gezielt mit passendem Antibiotikum behandeln zu können. Auch mit der Verordnung sogenannter Breitband-Antibiotika, die gegen viele verschiedene Bakterien wirken, sollte sparsam umgegangen werden.

Eher seltener treten Antibiotika-Allergien auf. In diesen Fällen erkennen Antikörper das Antibiotikum im Blut und lösen eine Reaktion im Körper aus. Das kann sich zum Beispiel durch Hautausschlag äußern.

Es ist also richtig, dass die Einnahme von Antibiotika Nebenwirkungen haben kann. Ein wichtiger Merksatz für die Einnahme ist daher: so selten wie möglich, so oft wie nötig. Eine allgemeingültige Regel, die besagt, wie viele Antibiotika-Einnahmen noch gesund oder schon ungesund sind, gibt es nicht. Verschreibt der Arzt ein Antibiotikum, dann befolgen Sie genau seine Anweisungen, damit Sie schnell von den kleinen Übeltätern befreit sind.

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