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Sonntag, 10.09.2017

Nur wenige fahren Bus und Bahn

In Deutschland fahren im Alltag nach wie vor vergleichsweise wenige mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Eine Umfrage zeigt: Für manche Menschen sprechen teils überraschende Gründe dagegen.

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Nicht die erste Wahl: Viele Bürger haben Vorbehalte gegen öffentliche Verkehrsmittel.
Nicht die erste Wahl: Viele Bürger haben Vorbehalte gegen öffentliche Verkehrsmittel.

© dpa

Berlin. Teure Fahrkarten, Verspätungen, aber auch Gestank hält über die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland vom Fahren mit Bus und Bahn ab. Gerade einmal 18 Prozent, also etwa jeder Fünfte, nutzt an mindestens vier Tagen in der Woche öffentliche Verkehrsmittel. Das ergab eine am Samstag vom Marktforschungsinstitut YouGov veröffentlichte Umfrage. Sogar mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) gab an, im Normalfall weder Bus noch Bahn zu fahren.

Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen Stadt und Land: Während knapp über 40 Prozent der Städter angeben, überhaupt keine öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, liegt dieser Anteil bei den Vorstadtbewohnern bei 60, bei der Bevölkerung auf dem Land sogar bei 73 Prozent. Gerade auf dem Land sei die Anbindung mit Bus und Bahn nicht immer gegeben, erklärt dazu der Mobilitätsforscher Weert Canzler vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

Aus den in der Umfrage angebotenen Gründe, weshalb sie auf Bus und Bahn verzichten, nannten die Betroffenen vor allem hohe Fahrpreise (26 Prozent), Verspätungen (20), aber auch schlechte Luft und schlechte Gerüche (18). Aber auch das schlechte Benehmen anderer Fahrgäste (16 Prozent) hält viele davon ab, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

Das bedeute aber nicht, dass die Befragten stattdessen nur das Auto nutzten, wie eine YouGov-Sprecherin sagte. Sie könnten genauso gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sein.

Allerdings legen jüngst vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Zahlen nahe, dass die Befragten eher das Auto nutzen. Demnach ist zumindest bei Berufspendlern das Auto nach wie vor das wichtigste Beförderungsmittel. Fast 70 Prozent von ihnen nutzten im vergangenen Jahr demnach das Auto für den Arbeitsweg - eine Zahl, die seit Jahren etwa gleich bleibe.

„In den Städten und den verdichteten Räumen werden öffentliche Verkehrsmittel mehr genutzt, auch der Anteil von Fahrradfahrern hat dort zugenommen“, sagt auch Mobilitätsforscher Canzler. Aber das Auto bleibe Nummer eins. Gerade auf dem Land gehe es kaum ohne. „Etwa in Kommunen, in denen auch der letzte Schulbus gestrichen wurde.“

Einige der genannten Gründen, weshalb Menschen auf Bus und Bahn verzichten, will der Wissenschaftler nicht gelten lassen: „Autofahrer neigen dazu, sich bei den Kosten selbst zu belügen - oft lassen sie Posten wie Steuern oder Wertverlust außen vor.“ Tatsächlich sei es in den meisten Fällen günstiger auf Bus oder Bahn umzusteigen.

Ähnlich sei das der Fall beim Thema Verspätungen: „Wenn man selbst mit dem Auto in einem Stau landet, stört das nicht so sehr, wie Verspätungen mit der Bahn, über die man keine Kontrolle hat.“

Um öffentliche Verkehrsmittel attraktiver zu gestalten, braucht es nach Ansicht von Canzler trotzdem einen engen und verlässlichen Takt, damit Anschlüsse erreicht werden können - außerdem auch Leihfahrräder oder -autos, um die letzten Kilometer von der Haltestelle zu schaffen. Und: „Schnelles W-Lan ist eigentlich auch eine Selbstverständlichkeit. Denn die Zeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln kann attraktiv sein, wenn man sie nutzen kann - zum Arbeiten oder zum Daddeln.“ (dpa)

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 12 Kommentare

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  1. ein Pendler

    Das schlechte Benehmen kann ich nur bestätigen. Da wird in Zügen laute Musik gehört, Alkohol gesoffen, auf Bahnsteigen verbotenerweise geraucht und sogar mit dem Fahrrad gefahren, es interessiert weder das Bahnpersonal noch DB Sicherheit oder die Polizei auf dem Hauptbahnhof. Füße auf Tischen oder dem gegenüberliegenden Sitz, alles scheinbar eine Selbstverständlichkeit als wäre man in den eigenen 4 Wänden. Hier muss endlich mal härter kontrolliert und Strafen ausgesprochen werden. Verspätungen der S-Bahn Dresden passieren eher nur sporadisch, das passt also. Und dennoch bräuchte ich mit dem Auto nur die Hälfte der Zeit als mit der Bahn. Klar mag das Auto teurer sein, aber Zeit ist auch ein Thema, denn Zeit bekommt man nicht zurück. Laufen zum Bahnhof, Warten auf den Zug. Ist alles Lebenszeit. Beim Auto steige ich ein und fahre los, wann ich will... und wenn Stau ist: dann fahre ich halt wo anders lang. Das kann ein Zug oder Bus eben nicht so einfach.

  2. Carsten

    Die Gründe auf ÖPNV zu verzichten sind mehr als verständlich. Schlechte Luft und schlechtes Benehmen der anderen "Fahrgäste" liegen auch bei mir an oberster Stelle. Die Vorstellung auf einem Platz zu sitzen, auf dem sich vorher irgend ein Penner "erleichtert" hat, reicht da schon. Dazu noch diese ganzen Smombie-Deppen, die ohne ihren Elekto-Schrott nicht mehr auszukommen scheinen, natürlich bei voller Lautstärke, Kopfhörer sind ebenfalls ein Fremdwort. Ganz zu schweigen von Fahrten am späten Abend, bei der sich dann auch das spezielle "Klientel" (alias "Goldstücke") dazugesellt und man die ganze Zeit hofft, von "denen" nicht paar auf die Fresse zu bekommen. Nee, da fahr ich lieber Auto oder Fahrrad, oder geh zur Not zu Fuß. ÖPNV, nein Danke...

  3. Dresdnerin

    Ich würde gerne so oft mit der Straßenbahn fahren, wie noch vor wenigen Jahren. Zum einen aus Liebe zur Umwelt und zum zweiten, weil man oft schneller und unkompliziert alles mögliche in Dresden erreicht (ohne lange Parkplatzsuche). Aber abends und nachts sehe ich mich mittlerweile gezwungen, das Auto zu nehmen. Ich fühle mich inzwischen weder an den Haltestellen, noch in der Bahn und geschweige denn auf dem Heimweg von der Bahn sicher. Wenn ich mich mit Freundinnen unterhalte, geht es ihnen genauso. Verspätungungen und stinkende Leute gab's früher auch. Aber jetzt ist es leider die fehlende Sicherheit, die dazu gekommen ist und eine große Rolle spielt :(

  4. MeineMeinung

    ich habe viele jahre angenommen es gibt nichts besseres als unsere dvb bis ich mir im letzten jahr ein moped zulegte. nun spare ich jeden morgen und nachmittag je 20 min zur arbeit und wieder nach haus ein. bahn gibt es nur noch bei schlechtem wetter. von steuern und wertverlust ist hier keine rede, dafür freiheit und unabhängigkeit. mega dreist finde ich immer die verlängerung der fahrintervalle von bus und bahn in den ferien. der kunde zahlt trotzdem den vollen preis der monatskarte ohne die volle leistung zu erhalten. füße auf dem sitz sind wirkl. keine selteheit mehr zur freude von weißen hosen. ein hoch auf meinen feuerstuhl!!!

  5. ÖPNV-Nutzer

    Wer täglich mit Bus und Bahn unterwegs ist, der weiß, dass die hier erwähnten Vorurteile nur selten zutreffen. Sicherlich solche Leute gibt es, die Laut Musik hören..., aber die Masse an Personen, die die Öffentlichen Verkehrsmittel nutzen sind ganz normale Menschen. Aber diese Vorurteile sind nicht verwunderlich, macht doch jeder Autofahrer aus so einer Situation, erlebt er sie einmal, weil er auf den ÖPNV angewiesen ist, aus einer Mücke gleich einen Elefanten

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