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Donnerstag, 28.12.2017

Neues Jahr – neue Regeln

2018 bringt viele gesetzliche Neuerungen. Für einige bedeuten sie unterm Strich mehr Geld, für andere weniger.

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Weil das Kindergeld steigt, gibt es ab Januar vielleicht mehr Taschengeld?
Weil das Kindergeld steigt, gibt es ab Januar vielleicht mehr Taschengeld?

© dpa

Rentenbeitrag und Rente

Der Beitragssatz für die gesetzliche Rente sinkt ab Januar voraussichtlich um 0,1 Prozentpunkte auf 18,6 Prozent. Bei einem Bruttoverdienst von 3 500 Euro im Monat spart ein Arbeitnehmer damit monatlich 1,75 Euro. Ab 1. Juli können sich die Rentner über mehr Geld freuen. So sollen die Renten im Osten um 3,23 Prozent und im Westen um 3,09 Prozent steigen. Das sieht der Entwurf des Rentenversicherungsberichts 2017 der Bundesregierung vor. Ein Durchschnittsrentner erhält damit pro Monat 43 Euro mehr.

Riester-Rente

Die staatliche Grundzulage für Riester-Sparer steigt ab Januar von 154 Euro auf 175 Euro. Die volle Zulage gibt es, wenn jährlich mindestens vier Prozent vom Bruttoeinkommen des Vorjahres, maximal 2 100 Euro abzüglich Zulage, in die Vorsorge fließen. Die Riester-Rente wird ab Januar außerdem nicht mehr voll in der Grundsicherung angerechnet. Davon profitieren all jene, die nur eine sehr niedrige Rente beziehen und diese auf das Niveau der Sozialhilfe aufstocken müssen. Mit der Neuregelung im Betriebsrentenstärkungsgesetz wird Geringverdienern ein Freibetrag von 100 Euro monatlich gewährt. Bei höheren Riester-Renten werden 30 Prozent des über 100 Euro hinausgehenden Betrags nicht angerechnet. So können bis zu 208 Euro anrechnungsfrei gestellt werden – die Hälfte des Regelbedarfs für Alleinstehende. Sparer müssen in neuen Riester-Produkten ab 2018 zudem den Zeitpunkt zur Auszahlung der sogenannten Kleinbetragsrente wählen können – entweder sofort zu Beginn der Auszahlungsphase oder zum 1. Januar des darauffolgenden Jahres. Für die Abfindung gilt künftig ein ermäßigter Steuersatz.

Betriebliche Altersvorsorge

Mittels Betriebsrente vorzusorgen, soll attraktiver werden. Ab Januar wird deshalb der steuerfreie Höchstbetrag auf acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung – das entspricht im nächsten Jahr 520 Euro – erhöht. Der sozialversicherungsfreie Höchstbeitrag bleibt bei vier Prozent. Zudem wird mit dem Sozialpartnermodell eine neue Variante zur betrieblichen Altersvorsorge eingeführt.

Sozialabgaben

Zum 1. Januar werden die Beitragsbemessungsgrenzen für die Kranken- und Pflegeversicherung sowie der Rentenversicherung angehoben. Für Erstere steigt die Grenze von 4 350 Euro auf 4 425 Euro im Monat. Für diese 75 Euro werden nun Beiträge fällig. Bei der Rentenversicherung steigt die monatliche Grenze im Westen von 6 350 Euro auf 6 500 Euro und im Osten von 5 700 auf 5 800 Euro. Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung wird für 2018 um 0,1 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent abgesenkt. Den individuellen Satz legt aber jeder Versicherer fest.

Zuzahlung bei Rezepten

Ab Januar gelten höhere Freibeträge bei den üblichen Zuzahlungen zu Rezepten und therapeutischen Behandlungen. Statt wie bisher 5 355 Euro können 5 481 Euro von den jährlichen Bruttoeinnahmen für den im gemeinsamen Haushalt lebenden Ehepartner oder eingetragenen Lebenspartner abgezogen werden. Der Kinderfreibetrag wird von bisher 7 356 Euro auf 7 428 Euro für jedes Kind angehoben. Die Belastungsgrenze bleibt bei zwei Prozent.

Kindergeld

Wie schon 2017 steigt das Kindergeld ab Januar um zwei Euro pro Kind. Für das erste und zweite gibt es dann jeweils 194 Euro, für dritte Kinder 200 Euro und für das vierte sowie jedes weitere Kind 225 Euro pro Monat. Bei der rückwirkenden Beantragung gilt ab Januar aber eine Frist von sechs Monaten. Bisher war eine rückwirkende Zahlung bis zu vier Jahren möglich.

Mindestlohn

An der Höhe des Mindestlohns von 8,84 Euro pro Stunde ändert sich 2018 zwar nichts, aber dennoch haben einige Arbeitnehmer wohl mehr im Portemonnaie. Tarifverträge, die unter dem Mindestlohn liegen, beispielsweise auf Grundlage des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes und des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes, sind ab Januar nicht mehr zulässig.

Arbeitslosengeld

Empfänger von Arbeitslosengeld II („Hartz-IV“) erhalten ab Januar monatlich sieben Euro mehr, insgesamt also 416 Euro. Für Arbeitslose soll es ab 2018 außerdem möglich werden, sich das Arbeitslosengeld per Barcode im Supermarkt auszahlen zu lassen, wenn sie dringend einen Vorschuss brauchen oder wenn sie kein eigenes Konto haben. Bislang standen dafür Kassenautomaten in den Jobcentern und Arbeitsagenturen zur Verfügung. Die flächendeckende Einführung des neuen Modells soll bis Ende 2018 erfolgen.

Erwerbsminderungsrente

Wer aus gesundheitlichen Gründen nur noch teilweise oder gar nicht mehr arbeiten kann, erhält eine sogenannte Erwerbsminderungsrente. Diese wird bisher so berechnet, als ob der Arbeitnehmer bis zum 62. Lebensjahr weitergearbeitet und dabei sein durchschnittliches Einkommen erzielt hätte. Ab Januar wird diese Zeit schrittweise bis zum 65. Lebensjahr verlängert. Davon profitieren allerdings nur jene, die erst danach erwerbsgemindert sind.

Unterhalt

Getrennt lebende Väter und Mütter müssen ihren Kindern ab Januar mehr zahlen. Der monatliche Mindestunterhalt für Kinder bis zur Vollendung des sechsten Lebensjahres beträgt dann 348 Euro, und damit sechs Euro mehr als bisher. Für Sieben- bis Zwölfjährige steigt der Unterhalt um sechs Euro auf 393 Euro, für die Altersgruppe ab dem 13. Lebensjahr bis zur Volljährigkeit um sieben Euro auf 467 Euro. Der Mindestbedarf eines volljährigen Kindes bleibt bei 527 Euro. Zum Jahreswechsel werden erstmals seit 2008 die Einkommensgruppen für die Berechnung der Bedarfssätze angehoben, sodass Unterhaltspflichtige nun erst bei höheren Einkünften in die nächste Stufe rutschen.

Heizen mit erneuerbarer Energie

Wer sich beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) einen Förderzuschuss fürs Heizen mit erneuerbaren Energien sichern will, muss diesen ab Januar vor der Auftragserteilung beantragen. Bislang kann der Förderantrag noch eingereicht werden, wenn die Solar- oder Photovoltaikanlage, die Wärmepumpe oder die Pelletheizung bereits in Betrieb sind. Zulässig ist es aber weiterhin, die Anlage zu planen, bevor der Antrag gestellt wird.

Überweisungen in Echtzeit

Ab November 2018 werden nach den Vorgaben der Europäischen Zentralbank Echtzeitüberweisungen in der Eurozone möglich sein. Geldbeträge sollen beim „Instant Payment“ innerhalb von zehn Sekunden auf dem Konto des Empfängers gutgeschrieben werden – und das an 365 Tagen im Jahr. Der Auftrag für den Blitztransfer wird per Onlinebanking oder mit einer Smartphone-App erteilt. Der Bundesverband deutscher Banken rechnet damit, dass es im ersten Quartal 2018 schon die ersten Anbieter geben wird. Die Geldhäuser sind aber nicht verpflichtet, teilzunehmen. Ob die Kosten von 0,2 Cent pro Transaktion als Aufschlag an die Kunden weitergegeben werden, ist unklar.

Zahlen per Kreditkarte

Aufschläge fürs Bezahlen mit Kreditkarte sind ab 13. Januar Vergangenheit. Für Kreditkartenzahlungen sowie Einkäufe übers Internet dürfen Händler dann europaweit keine gesonderten Gebühren mehr verlangen. Eingeschlossen sind „besonders gängige“ Zahlungsmittel wie Girokarten oder Kreditkarten von Mastercard oder Visa. Bei Kartenzahlungen im stationären Handel dürfen auch keine Aufschläge berechnet werden. Zusatzgebühren bei allen Überweisungen und Lastschriftverfahren im SEPA-System sind dann ebenfalls untersagt. Beim Missbrauch der Kreditkarte haften Verbraucher nur noch bis 50 Euro – es sei denn, es wurde grob fahrlässig gehandelt. Das gleiche gilt fürs Online-Banking.

Lastschriften

Lastschriften ohne Angabe von Gründen binnen acht Wochen zurückbuchen zu lassen, war bislang zwischen Kunde und Bank geregelt. Nun wird das Recht auf Last-
schriftrückgabe auch gesetzlich verankert.

Investmentfonds

In Deutschland zugelassene Investmentfonds müssen ab Januar auf Erträge wie Mieten, Dividenden sowie auf Gewinne aus dem Verkauf deutscher Immobilien selbst Steuern zahlen. Hier gilt dann ein Körperschaftssteuersatz von 15 Prozent. Nur reine Rentenfonds sind nicht betroffen.

500-Euro-Schein

Schon 2016 hat der Rat der Europäischen Zentralbank beschlossen, den 500-Euro-Schein Schritt für Schritt abzuschaffen. Die Ausgabe wird „gegen Ende 2018“ eingestellt. Dann sollen die überarbeiteten 100-und 200-Euro-Scheine der neuen Europa-Serie mit verbesserten Sicherheitsmerkmalen eingeführt sein.

Ping-Anrufe

Bei 22 internationalen Vorwahlen in Mobilfunknetzen muss vor dem Verbindungsaufbau ab 15. Januar eine kostenlose Preisansage geschaltet werden. Mit der Anordnung will die Bundesnetzagentur der Ping-Anrufe-Abzocke einen Riegel vorschieben. Dabei versuchen Betrüger, durch kurzes Klingeln auf dem Handy und die Anzeige „Anrufe in Abwesenheit“ Rückrufe zu provozieren, die in Kostenfallen münden.

Steuern

Die Einkommensgrenzen für alle Steuersätze steigen im nächsten Jahr um 1,65 Prozent. Damit wird die Inflationsrate in den Steuertarif eingepreist. Der Grundfreibetrag steigt für Ledige um 180 Euro auf 9 000 Euro, für Verheiratete um 360 Euro auf 18 000 Euro. Der Kinderfreibetrag, der das Existenzminimum des Kindes sichert, wird um 72 Euro auf 4 788 Euro angehoben. Wer als Arbeitnehmer „Arbeitsmittel“ wie einen Blaumann, Werkzeug oder einen PC kauft, kann dafür bisher bis zu einem Wert von 410 Euro netto den Sofortabzug bei der Steuer als geringwertige Güter geltend machen. Ab 1. Januar ist das bis zu einem Wert von 800 Euro möglich. Es empfiehlt sich deshalb, aufschiebbare Einkäufe auf das neue Jahr zu verlegen. Das gilt auch für Anschaffungen, die Vermieter planen. Teurere Käufe können weiterhin nur gemäß der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer steuerlich abgeschrieben werden. Mit der Steuererklärung müssen außerdem keine Belege mehr eingereicht werden. Allerdings kann der Fiskus bis zu einem Jahr nach Bekanntgabe des Bescheids die Unterlagen anfordern. So lange müssen sämtliche Belege sorgfältig aufbewahrt werden.

Zusammengestellt von Alexander Buchmann.

In Teil 2 lesen Sie am Freitag unter anderem, was sich bei den Themen Bauen, Reisen und Datenschutz ändert.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. xy

    Bei 3500 € brutto hat man 1,75 € mehr netto. Wer in Sachsen verdient bitte überhaupt so viel? Vollkommen weltfremd dieses Beispiel. Ein durchschnittliches Sachsengehalt hat vielleicht 50 Cent mehr netto und da muss ich ehrlich sagen, das kann die Rentenkasse ruhig behalten.

  2. Moritz

    @xy: Das Beispiel als "völlig weltfremd" zu bezeichnen ist völlig weltfremd. Schauen Sie sich z.B. die Tariftabellen zum öffentlichen Dienst an, sie sind im Internet frei einsehbar. Eine E13 (Lehrer) beginnt als Berufseinsteiger bei diesem Betrag. Oder Sie machen sich mal schlau über den durchschnittlichen Bruttoverdienst von sächsischen Vollzeitarbeitskräften: 2.998 € im Jahr 2016. Die Welt geht hinter Ihrem Tellerrand weiter.

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