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Freitag, 17.03.2017 Kolumne: Herzenssache

Nervende Mütter

Von Christian Thiel

Kinder kommen nicht auf diese Welt, um so zu sein, wie wir Eltern sie uns wünschen.
Kinder kommen nicht auf diese Welt, um so zu sein, wie wir Eltern sie uns wünschen.

© dpa

Meine Tochter (37) hat den Kontakt zu mir (57) abgebrochen, weil ich ihrer Meinung nach zu sehr in ihr Leben reinrede. Dabei will ich ihr doch nur helfen. Auf tägliche SMS von mir kam zumeist keine Antwort mehr – dabei kann sie doch froh sein, dass sie noch Eltern hat. Jetzt bin ich im Alter ganz alleine.

Wenn Kinder den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen, dann tun sie das nicht leichtfertig. Es geht in den Augen der Kinder zu wenig um sie, sondern zu sehr um die Wünsche und Vorstellungen der Eltern. Ich glaube, Sie haben da etwas nicht richtig verstanden. Kinder kommen nicht auf diese Welt, um so zu sein, wie wir Eltern sie uns wünschen. Sie sind nicht dafür da, uns einsame Winterabende mit ihrer Anwesenheit zu versüßen und uns täglich mit Informationen über ihr Leben zu versorgen.

Das alles können Eltern sich wünschen. Aber Kinder müssen das auch wollen. Ihr Kind will nicht. Und Sie sind nun in der Lage, das Einzige zu tun, was Ihnen übrig bleibt: Sie müssen es akzeptieren. Das heißt nicht, dass Sie es gut finden müssen. Das verlangt niemand von Ihnen. Ihre Tochter ist erwachsen. Sie darf ihren eigenen Weg gehen. Ganz ohne Sie.

Kinder sind in dieser Welt nur zu einem einzigen Zweck: Um ihr Lebensglück zu finden. Wie das aussieht? Das ist sehr unterschiedlich. Eines aber kann ich Ihnen versichern: Niemand von uns möchte Kontakt zu einem Menschen haben, der uns ständig Ratschläge gibt, wie wir seiner Meinung nach unser Leben besser in den Griff bekommen. Und niemand möchte Kontakt zu jemandem, der sich regelmäßig beklagt, dass wir uns nicht oft genug melden oder zu Weihnachten keine Zeit haben.

Sie können es nur schwer akzeptieren, dass Ihre Tochter berechtigt ist, zu entscheiden, dass sie so einen Umgang miteinander nicht möchte. Ich wäre dafür, dass Sie Ihrer Tochter einfach zuhören, wenn sich eine Gelegenheit dazu ergibt. Irgendwann wird es ja wieder Kontakt geben.

Andere Mütter freuen sich, wenn ihre Kinder sie anrufen – Sie aber beklagen sich, dass es zu selten ist. Ihre Tochter hat genau gespürt, dass es Ihnen nicht um sie geht. Es geht um die Leere in Ihrem Leben. Ihre Tochter soll die füllen.

Sie haben da eine unrealistische Vorstellung vom Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. Erleichtern Sie Ihrer Tochter das Leben. Kümmern Sie sich um sich. Freuen Sie sich, wenn Ihre Tochter Zeit für Sie hat. Und wenn sie keine Zeit hat, dann nehmen Sie sich bitte etwas vor. Für Ihr Leben und Ihr Lebensglück sind Sie alleine verantwortlich. Nicht Ihre Tochter.

Christian Thiel ist Single-, Partnerschaftsberater und Autor. Haben Sie Fragen an ihn? Schicken Sie eine Mail an expertentipp@redaktion-nutzwerk.de

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